Macht und Missbrauch auf der Bühne: Bonner Theater plant "House of Horror"

Macht und Missbrauch auf der Bühne : Bonner Theater plant "House of Horror"

Das Bonner Theater sucht Gesprächspartner für das Projekt „House of Horror – Theater.Frauen.Macht“. Es geht um Gewalt- und Missbrauchserfahrungen. Hundertprozentige Diskretion ist garantiert.

Der Regisseur Volker Lösch hat in Bonn Spuren hinterlassen. Unvergessen seine Inszenierungen von „Waffenschweine“, „Nathan“ und „Bonnopoly“. Am 24. Mai erlebt das Schauspielprojekt „House of Horror – Theater.Frauen.Macht“ seine Uraufführung im Schauspielhaus. Das von der „MeToo“-Debatte beeinflusste Unternehmen will literarische Texte, eine Reflexion über Macht im Theaterbetrieb und Erfahrungen von Menschen mit Machtmissbrauch auf der Bühne zusammenbringen. Lösch und die Dramaturgin und Filmemacherin Christine Lang erarbeiten die mehrdimensionale theatrale Collage, sie schreiben und arrangieren die Texte. Für Lang ist auch der Horrorfilm eine Inspirationsquelle.

Die Theatermacher haben Menschen aus Bonn und Umgebung, die Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden sind, aufgerufen, sich an dem Stück zu beteiligen. Lösch und Lang wollen sie als Gesprächspartner gewinnen. Sie sind an Geschichten interessiert, die auf unterschiedliche Weise Teil von „House of Horror“ werden können, zum Beispiel als – natürlich anonymisierte – Vorlage für die Schauspieler.

Denkbar ist auch, dass ein Mann oder eine Frau im Schauspielhaus auftritt und dem Publikum seine Geschichte erzählt. Voraussetzung für die Mitarbeit ist eine „Position der Distanz und des Selbstbewusstseins“, unterstreicht Lösch beim Gespräch auf der Probebühne in Beuel. Der Regisseur verspricht „hundertprozentige Diskretion“, er sei „komplett offen“ dafür, was sich aus den Treffen ergebe. Das Schauspiel nehme auch Rücksicht auf das Zeitbudget der Gesprächspartner. Der Titel „House of Horror – Theater.Frauen.Macht“ klingt reißerisch. An wohlfeilen Effekten ist Lösch und Lang aber nicht gelegen. Es gehe ihnen darum, "den Geschichten und Erzählungen eine Plattform zu geben", sagte Lösch.

Es fällt auf, mit welcher Vehemenz er sich mit dem eigenen Betrieb beschäftigt. Für ihn ist es wichtig, „vor der eigenen Haustüre zu kehren“ und „unser Genre zu reflektieren“: eine hochmoralisch auftretende Institution, in der Machtmechanismen den Alltag prägten, man denke nur an das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Regisseur und Schauspieler.

Lösch hat in 25 Jahren an praktisch allen deutschen Bühnen gearbeitet und immer wieder Fälle von Machtmissbrauch beobachtet: „Ich kenne viele Geschichten.“

Premiere am Freitag, 24. Mai, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops des General-Anzeigers sowie im Internet auf www.ga-bonn.de/tickets.

Das Bonner Schauspiel fragt: „Haben Sie Gewalt erlebt? Haben Sie Missbrauch erfahren?“ Wer mit Regisseur Volker Lösch und Dramaturgin Christine Lang über seine Erfahrungen sprechen will, kann einen Termin vereinbaren unter elisa.hempel@bonn.de sowie telefonisch unter (0151) 61 34 91 81. Vertraulichkeit ist garantiert.

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