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Bonner Ausstellungen: Kunst für eine bessere Welt

Bonner Ausstellungen: Kunst für eine bessere Welt

Marlies Obier erinnert an Marie Juchacz, Christine Anna Wurster entdeckt die Aktmalerei

Bonn. Frauenmuseum. Als die promovierte Germanistin Marlies Obier sich im Rahmen eines Forschungsstipendiums in das Thema "Sprache in der Kunst" vertiefte, kristallisierten sich die Konturen einer neuen Herausforderung heraus.

So entwirft die 1960 in Siegen geborene Konzeptkünstlerin seit 1999 Projekte, die auf Verzahnungen von Sprache und bildender Kunst (etwa Fotografie, plastische Objekte) beruhen.

Aus dem vergangenen Jahr stammt eine nunmehr im Bonner Frauenmuseum parkende Wanderschau mit dem Motto: "Über den Tag hinaus"; an der prägnant gegliederten Darbietung mit dem Untertitel "Erinnerungen an Marie Juchacz" wirkten Beschäftigte der AWO Siegener Werkstätten mit.

Schwerpunkt der ineinander verketteten Textinstallationen ist, laut Obier, "eine facettenreiche Beleuchtung" der Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz (1879-1956), die 1919 "eine sozialdemokratische Wohlfahrtspflege" und damit die heutige Arbeiterwohlfahrt ins Leben rief.

Käthe Kollwitz unterstützte seinerzeit das Projekt durch den legendären Plakatentwurf "Deutschlands Kinder hungern". In gleichsam diplomatischer Manier versteht es nun Sprachkünstlerin Obier, mehrere Ebenen zu verquicken; parallel geschaltet sind persönliche Hommage und historisch soziologische Zeitskizze, sachlich instruktive Information und ästhetisierte Reflexion.

Auf der Schauseite von fünf massiven Postamenten konfrontieren vertikale Buchstabensequenzen mit den ethischen Richtlinien der Sozialreformerin ("Freiheit", "Gerechtigkeit", "Gleichheit", "Solidarität", "Toleranz"). Ein meditativ grundierter "Sprachpfad" ("für eine bessere Welt") erzählt vom Mythos der avantgardistischen Powerfrau Marie Juchacz.

Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, bis 2. August. Di-Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr. Katalog 19,90 Euro

Kurfürstliches Gärtnerhaus. Lange Zeit hat sich Christine Anna Wurster im Bereich der literarischen Illustration ausgetobt. Zurückgekehrt in ihre Bonner Heimat, spürt die Hamburger Akademikerin verstärkt das Bedürfnis nach freier künstlerischer Entfaltung.

Aktzeichnen bei Gero Flurschütz, Auseinandersetzung mit dem Stillleben folgen. Weitgehend gegenständliche Bildwelten sowie das in Collagen offenkundige Faible für ein facettenreiches Papiersortiment bleiben federführend.

Eine sehenswerte Bildertour der 1967 in Bonn geborenen Künstlerin zeitigt die malerischen Folgen eines neuen Schwerpunktes. Intensiv leuchtende Öl- oder Acrylgemälde entspringen meist Bleistiftskizzen, deren Nährboden wiederum rheinische oder norddeutsche Gefilde sind.

Sichtbar werden eher wilde, lebhafte Bildeindrücke, die ihre Entstehung intuitiver Spachtelarbeit verdanken. Es finden sich Gemälde mit heiterem ebenso wie mit melancholischem Tenor. Durchweg temperamentvoll fallen die Aktstudien der in Bad Godesberg lebenden Künstlerin aus. Hier triumphieren kryptische Linienzüge und leicht poppig angehauchtes Ambiente.

Kurfürstliches Gärtnerhaus, Beethovenplatz, bis 29. Juli. Di- Sa 14-18 Uhr, So 11-14 Uhr