Bonn: Gespräch mit einem Teilnehmer der Beethoven Competition

Interview mit Knut Hanßen : „In Bonn habe ich viele tolle Menschen kennengelernt“

Der Kölner Pianist Knut Hanßen, der es in die zweite Runde International Telekom Beethoven Competition geschafft hat, spricht über den Wettbewerb und seine Sicht auf Bonn.

Wie nutzt du deine Zeit in Köln deiner Heimatstadt? Du Hast ja quasi ein Heimspiel...

Knut Hanßen: Ich genieße die Zeit dort zu verbringen, wo ich groß geworden bin und wo ich einfach auch viel Zeit verbracht habe. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen, habe dann in Köln und München studiert, und dementsprechend ist das die Region, in der ich mich wohl fühle. Speziell in Bonn habe ich vor allem viel Musik gemacht.  Es ist schön in einer Stadt auftreten zu dürfen, wo ich viele tolle Menschen kennen gelernt habe, mit denen ich Kontakt hatte und immer noch habe. Mir ist aufgefallen, dass besonders in Bonn viele Musik begeisterte Menschen sind – vielleicht ja gerade wegen Beethoven - und es wird viel für die Musik und Kultur allgemein gemacht. Das macht dann schon Spaß, wenn man sich dazu auch noch hier ein bisschen auskennt und einige Freunde und Bekannte im Publikum sitzen. 

Du warst an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln von 2015-2017 Lehrbeauftragter. Wie hat das deine Sicht auf Musik verändert? 

Hanßen: Ich war auf einmal gezwungen Fragen zu beantworten, die ich mir vorher noch nicht so bewusst gestellt habe. Ich muss auf die Bedürfnisse meiner Schüler eingehen und mir überlegen "Wie helfe ich diesem Menschen, der mir anvertraut ist jetzt am besten weiter?" Das erfordert eine  neue Strukturierung für mich, die mir sehr geholfen hat. Meine Analysefähigkeit und natürlich auch mein Gehör ist besser geschult worden dadurch, was mich natürlich auch als Pianist weiter bringt. 

Gab es eine Person oder ein Ereignis, dass dich besonders inspiriert hat? 

Hanßen: Ich erinnere mich, dass ich damals mit meinen Eltern in Duisburg bei einem Konzert für Kinder war. Damals war ich ungefähr fünf oder sechs Jahre alt, also mit lesen und schreiben war da noch nicht viel (lacht). Und ich habe das glaube ich so gut in Erinnerung, weil die Musik nicht nur mit Geschichten verknüpft war, sondern auch, weil der Dirigent erzählt hat, was im Orchester passiert. Rückblickend war das sogar ziemlich analytisch, einfach wirklich schön gemacht. Dann als Kind beispielsweise die Rhythmen zu erkennen und zu verstehen was das Orchester spielt... Ich glaube, das war einer der wesentlichen Anfänge die mich inspiriert haben.

Ab wann war für dich klar, dass du professioneller Pianist werden möchtest? 

Hanßen: Am Ende der Schulzeit stand das schon zur Debatte und ich habe mich gefragt "Was braucht es um diesen Schritt zu gehen?" Und naja dann war mir damals schon klar: Musik ist kein sicheres Business, besonders die künstlerische Ausbildung. Also sprachen andere Dinge dafür, dass wenn ich andere Interessen dahingehend habe, warum sollte ich dann nicht etwas Naturwissenschaftliches studieren?  - Wie Pharmazeutik oder Chemie beispielsweise - und Musik als Hobby weiter verfolgen?  Aber irgendwie hat sich das falsch angefühlt. Irgendwie ging es nicht ohne. Das Verlustgefühl plötzlich nicht mehr in der Musik drinzustecken war dann ziemlich groß. Also habe ich gedacht „komm probiers mal" und es hat sich richtig angefühlt für mich, so bin dann dran hängen geblieben.

Der Autor ist Teilnehmer eines Praxis-Seminars für Musikkritik, das die Kölner Universität in Zusammenarbeit mit der Telekom, dem General-Anzeiger der Deutschen Welle und dem WDR Köln anbietet.