Bonn: Eindrücke vom der International Telekom Beethoven Competition

Eindrücke vom zweiten Wettbewerbstag : Talente aus aller Welt interpretieren Beethoven neu

Den zweiten Wettbewerbstag in der Bonner Telekom-Zentrale begann Shih-Wei Huang aus Taiwan mit einer präzisen Interpretation von Beethovens 32 Variationen. Auch zwei Pianisten aus Italien glänzten.

Die erste Runde geht in die zweite Runde. So könnte man zumindest nennen, was am Samstag in der Bonner Telekom-Zentrale stattfand. Seit 2005 findet hier alle zwei Jahre der International Telekom Beethoven Competition Bonn (ITBCB) statt, ein Klavierwettbewerb, bei dem es neben der künstlerischen Leistung der Teilnehmenden auch um die Auseinandersetzung mit dem Werk Beethovens geht. 23 Pianisten und Pianistinnen aus zehn Ländern treten in der ersten Runde gegeneinander an, unter den Augen und Ohren einer achtköpfigen Jury.

Beginnen durfte Shih-Wei Huang aus Taiwan, die mit einem gefühlvollem Anschlag die Menschen im Raum sofort in ihren Bann zog. Besonders fielen bei ihr die starken dynamischen Wechsel auf, mit denen die Taiwanerin sich mühelos durch Beethovens 32 Variationen über ein eigenes Thema in c-Moll spielte. Gefolgt wurde sie von HwaYoung An, aus Südkorea, deren Fassung der Sonate Nr. 32 in c-Moll op. 111 etwas schnell wirkte. Anfangs technisch nicht einwandfrei, steigerte sie sich enorm über ihre Spielzeit, sodass am Ende vor allem ihr präzises, nüchternes Spiel gefiel.

Ganz anders machten es Federico Nicoletta und Alessandro de Salvo aus Italien: Beide spielten den Flügel auf beinahe romantisch Weise. Besonders Nicoletta fesselte die Zuschauer der gut gefüllten Telekom Zentrale mit leidenschaftlichem Spiel, das zwischen grazil und stürmisch fast jede Emotion enthielt. Diese Leistung wurde vom Publikum mit lautem Applaus und sogar einigen „Bravo“ Rufen belohnt.  Eine ähnliche Reaktion konnte die Chinesin Re Zhang dem Publikum entlocken: Katzenähnlich spielte sie die Sonate op. 111 mit einem starken persönlichen Ausdruck. Es war beinahe so, als würde sie das Beethoven-Stück nicht spielen, sondern es mit den Tasten, wie ein Gemälde malen.

Im Gegensatz dazu stand Kazuya Saito, ein Japaner der Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in F-Dur technisch atemberaubend und rhythmisch versiert vortrug, sich insgesamt jedoch nicht viel Zeit für die getragen Passagen von Beethovens Sonate Nr. 31 in As.-Dur op. 110 ließ, die dadurch eher nüchtern wirkten.

Den Abend beendeten zwei aus Südkorea stammende Künstlerinnen, namens Ye-Eun Kim und Hee Jun Han, die mit schönen dynamischen Wechseln die Sonate Nr. 30 op. 109 in E-Dur darboten. Kims Anschlag hallte klar vernehmlich und wahnsinnig präzise durch den Saal und auch wenn sie stellenweise technisch etwas wackelte, so fing sie sich in ihrem letzten Stück hervorragend.

Pavel Giliov, der Präsident der Jury beendete den Abend mit den Worten: „Können Sie sich vorstellen, Sie hätten den Abend heute vor dem Fernseher verbracht? Ich auch nicht.“ Und recht hatte er! Niemand in dem Raum wird bereut haben dort gewesen zu sein.

 Der Autor ist Teilnehmer eines Praxis-Seminars für Musikkritik, das die Kölner Universität in Zusammenarbeit mit der Telekom, dem General-Anzeiger der Deutschen Welle und dem WDR Köln anbietet.