1. News
  2. Kultur & Medien
  3. Regional

Virtuelle Ausstellung: Besuch in der „Digitalen Kunsthalle“

Virtuelle Ausstellung : Besuch in der „Digitalen Kunsthalle“

Das ZDF präsentiert virtuelle Ausstellungen im Internet. „Digitale Kunsthalle“ heißt das Projekt, bei dem der Eintritt frei ist. Die neueste Schau widmet sich der Bonnerin Louisa Clement.

Mit ein paar Mausklicks nähert man sich auf einem Plateau mit angedeuteten Gebäuden einem Glaspavillon, dessen Vorhang leicht geöffnet ist. Ein Klick später steht der virtuelle Besucher im Pavillon, sieht drei Ausstellungsplakate, die wiederum angeklickt werden können. Wie im Fahrstuhl geht es dann eine Etage nach unten in einen futuristisch anmutenden Ausstellungsraum mit angedeutetem Parkettboden, grauen Wänden und seltsam gebogenen Durchgängen. Per Maus lässt es sich wunderbar durch den Raum navigieren, Gemälde in guter Qualität können direkt angesteuert werden, Informationsfelder tun sich auf.

„Digitale Kunsthalle“ heißt das Ganze, Museumschef ist quasi der Sender ZDFkultur. Eintritt frei im Internet unter digitalekunsthalle.de. Das Angebot: Die Klassik Stiftung Weimar ist seit Mitte Februar mit „Cranach in Weimar“ dabei, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen ebenfalls seit Mitte Februar eine digitale Retrospektive von Gerhard Richter. Seit wenigen Tagen hängen unter dem Motto „Die Ausstellung kommt zu Dir!“ Arbeiten der Bonner Künstlerin Louisa Clement in der „Digitalen Kunsthalle“.

Zu sehen sind Fotografien und Videoinstallationen aus den Reihen „heads“ (2014–2015), „Gliedermensch“ (2017), „not lost in you“ (2017), „Avatar“ (2016), „Weapon“ (2017), „disruption“ (2018) sowie die Installation „transformationsschnitt“ (2015).

Guter Überblick

Die Ausstellung „Remote Control“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Sprengel Museum Hannover. Kurator der Schau der 1987 in Bonn geborenen Künstlerin ist Stefan Gronert, der 2016 vom Kunstmuseum Bonn ans Sprengel Museum wechselte. Die analoge Ausstellung läuft bis 10. Juni, das digitale Pendant in der ZDF-Kunsthalle bietet einen guten Überblick. „Louisa Clement beschäftigt sich in Fotografien, Videos, Wandarbeiten, Skulpturen und neuen VR-Arbeiten (VR für Virtual Reality) mit dem Gefühl einer Irritation in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Unsicherheit“, liest man auf der Museums-Homepage.

Verschiedene Werkgruppen der ehemaligen Meisterschülerin von Andreas Gursky treten in den virtuellen Räumen in einen Dialog. In der stark farbigen Foto-Serie „Avatar“ begegnen Schaufensterpuppen einander, die glänzende Bodenskulptur „transformationsschnitt“ geht auf die bizarre Entsorgung und Umwandlung des Giftgases Sarin zurück. Mit ihrer jüngsten Arbeit „Aporias“ (2019) übertrage Clement ihre fotografische Arbeit in den virtuellen Raum, heißt es. Mithilfe von VR-Geräten schließen sich die Betrachter einer Gruppe von drei künstlichen digitalen Körpern an, die wie gesichtslose Mannequins anmuten, und können in Interaktion mit diesen treten. „Das ist keine reine Fotoausstellung, das ist eine – wie man heute sagt – transmediale oder intermediale Ausstellung“, sagte Gronert dem NDR. Also passend für den digitalen Kunstraum.