Bejubelte Beethovennacht

Beethovens achte Sinfonie ist bei der Uraufführung beim Publikum nicht so sonderlich gut angekommen. In der Beethovennacht in Bonn war das anders.

Beethovens achte Sinfonie ist bei der Uraufführung beim Publikum nicht so sonderlich gut angekommen. Das lag offenbar auch, wie ein zeitgenössischer Rezensent vermutete, am umfangreichen Beiprogramm, an der "Übersättigung von schon so vielem genossenen Schönen und Trefflichen, wodurch natürlich eine Abspannung die Folge sein muss".

In der sogenannten Beethovennacht des Beethoven-Orchesters wurde jetzt die Achte, die am Ende eine fast vierstündigen (!) Programms stand, natürlich von den Zuhörern in der Beethovenhalle bejubelt, aber die These von der Übersättigung würde man doch gern auch auf dieses Konzert anwenden. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zuhörer hatte es übrigens vorgezogen, die abschließende Sinfonie nicht mehr hören zu wollen, und war nach Hause abgewandert.

Tripelkonzert in C-Dur sorgte für Höhepunkt

Sie ist von der Länge her ein schwieriges Unterfangen, diese Beethovennacht, die darauf basiert, dass die drei ersten Preisträger der Beethoven Competition der Telekom noch einmal eine große Bühne haben. Dazu will sich natürlich auch das Orchester unter seinem Chef Stefan Blunier in Extra-Auftritten präsentieren; in diesem Jahr kam noch das Tripelkonzert hinzu, das man bei der China-Tournee zum Jahreswechsel spielen wird. Das "Schöne und Treffliche" von Beethoven summierte sich also heftig: die Egmont-Ouvertüre, das Tripelkonzert, das fünfte Klavierkonzert, zwei nicht gerade kurze Klaviersonaten und die achte Sinfonie.

Witzigerweise sorgte ein Werk für den Höhepunkt des kleinen Beethoven-Marathons, das der Papierform nach nicht gerade zu den Meisterwerken gezählt wird: das Tripelkonzert in C-Dur, dem man gern gehobene Langeweile im gefälligen Konversationston nachsagt. In der Beethovenhalle gab es mit drei prächtigen Solisten - Elina Vähälä (Violine), Trey Lee (Cello) und Hinrich Alpers (Klavier), Competition-Gewinner des Jahres 2009 - eine ungemeine lebhafte, spannende Interpretation, bei der das entzückte Publikum schon nach dem ersten Satz applaudierte.

Durchaus verständlich, denn die Drei verstanden sich bestens untereinander, spielten sich virtuos die Themen zu, sorgten für rhythmische Prägnanz und für beseelte Gesanglichkeit. Das Orchester sekundierte nicht minder elegant in diesem Gute-Laune-Auftritt.

Die Stunde der Wettbewerbssieger

Danach schlug die Stunde der Wettbewerbs-Sieger 2011. Der 25-jährige Chinese Jingge Yan, erster Preisträger, spielte das fünfte Klavierkonzert mit überlegener Sicherheit und selbstverständlicher Virtuosität, freilich auch ein bisschen kühl. Die beiden 19-Jährigen auf den Plätzen zwei und drei - Chi Ho Han (Korea) und Rémi Geniet (Frankreich) - bevorzugten Töne der Empfindsamkeit.

Han widmete sich der Sonate Nr. 31 in As-Dur mit schöner Nachdenklichkeit und triumphierender Wucht im Finale, Geniet machte mit seiner Anschlagskunst die musizierfreudige Sonate Nr. 2 in A-Dur zu einem fesselnden Stück der (Stimmungs-)Kontraste. Anfang und Ende des langen Konzerts gehörten dem Beethoven-Orchester allein. Die Egmont-Ouvertüre nahm Blunier sehr sportlich, ohne größeres Pathos; auch in der achten Sinfonie bevorzugte er hurtige Zeitmaße, was der Interpretation durchaus gut bekam. Statt gefälliger Behaglichkeit gab es sorgfältig herausgearbeitete Effekte und ein geradezu spukhaftes Finale.

Eine Aufzeichnung des Konzerts ist am 26. Dezember um 20.05 Uhr auf WDR 3 zu hören.

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