Erfolge rund um die Welt: Beissels Chur Cölnischer Chor feiert 50. Geburtstag

Erfolge rund um die Welt : Beissels Chur Cölnischer Chor feiert 50. Geburtstag

Zum Jubiläum führen die Sängerinnen und Sänger in der Stiftskirche Johann Sebastians Messe in h-Moll auf.

Mit der Johannespassion von Johann Sebastian Bach fing alles an. Es war das erste große Werk, mit dem sich der Chur Cölnische Chor dem Bonner Publikum vorstellte, im alten Beueler Rathausaal. Am Dirigentenpult stand Heribert Beissel, der damals 35-jährige Gründer des Ensembles. Ein halbes Jahrhundert und zahllose Konzerte, Tourneen und Gastspiele später ist der Bonner Maestro immer noch Chef des Ensembles und dirigiert natürlich auch das Jubiläumskonzert, das er zusammen mit dem Chor und seiner – bereits 1959 ebenfalls von ihm gegründeten – Klassischen Philharmonie am 23. November, 20 Uhr, in der Bonner Stiftskirche geben wird. Auf dem Programm steht wie damals Musik von Bach, diesmal die große Messe in h-Moll.

Von Beissels Büro am Belderberg sieht man einen der Ecktürme des Kurfürstlichen Schlosses, der die angrenzenden Hausdächer überragt. Die ehemalige Residenz der Kölner Kurfürsten, wo seit 200 Jahren die Bonner Universität ihren Sitz hat, ist sozusagen ideeller Pate von Beissels Ensembles. Die bis in die 1980er Jahre hinein als Chur Cölnisches Orchester firmierende Klassische Philharmonie ebenso wie der Chor, der bis heute unverändert und mit Stolz den feudalen Titel trägt und damit die Erinnerung an die große Zeit der Bonner Hofkapelle wachhält, deren Repertoire Beissel seit den Anfängen in vielen Konzerten pflegte.

Die Anregung zur Gründung des Chores kam durch Händels "Messias"

Die Idee zur Gründung des Chores verdankte Beissel dem befreundeten Architekten und leidenschaftlichen Musikliebhaber Jochen Decker. Es war Weihnachten, man wollte gemeinsam in die Messe gehen, aber Beissel kränkelte ein wenig, wie er sich erinnert. „Decker sagte mir, wenn er mit seiner Frau in die Kirche gehe, solle ich auch ein geistliches Werk hören“, und zupfte eine Aufnahme mit Georg Friedrich Händels „Messias“ aus dem Plattenschrank. „Ich kannte das Oratorium damals noch gar nicht und war so was von begeistert“, erinnert sich Beissel lebhaft. Das entging auch Decker nicht, als er aus der Messe heimgekehrt war. Seine Reaktion: „Lass uns einen Chor gründen, dann können wir das auch aufführen.“ Der „Messias“ ist danach tatsächlich so etwas wie ein Markenzeichen des Chores geworden und wird alle Jahre wieder zur Vorweihnachtszeit aufgeführt.

Angefangen haben sie mit 25 Sängerinnen und Sängern. In den ersten Jahren stand auch das Kammerchor-Repertoire im Vordergrund. Inklusive neuer Musik, die Beissel und seine Choristen auch für den WDR aufnahmen. Man begann zu reisen, 1976 gewann der Chor sogar den renommierten BBC-Wettbewerb „Let the Peoples Sing“. Beissel: „Mit einem zwölftönigen Werk. Wir haben wahnsinnig dafür geprobt.“ Der Chor vergrößerte sich rasch auf die heutige Größe von etwa 45 Mitglieder, sodass auch mehr und mehr oratorisches Repertoire in den Fokus rückte, das sie zusammen mit Beissels Orchester aufführten. Geprobt wurde lange Zeit bei Beissel zu Hause. Zuerst in Oberkassel, dann in Rolandseck. Am Probenplan hat sich bis heute nichts geändert. „wir treffen uns seit fünfzig Jahren immer montags von 20 bis 23 Uhr.“ Nur dass die Proben heute in den Räumen der Bonn-Duisdorfer Musikschule im Schieffelingsweg stattfinden.

Sie sangen in Spanien, Brasilien, Australien, Texas und vielen anderen Ländern

In den vergangenen fünf Jahrzehnten gab es für den Chor zahlreiche Highlights. Tourneen führten ihn regelmäßig nach Belgien, Holland, Spanien, auch in Brasilien, Slowenien, Italien, Texas, Sydney und Frankreich traten die Sängerinnen und Sänger auf. In Georgien sangen sie sogar die Erstaufführung von Johannes Brahms' Requiem für das Land. Auch in Deutschland waren sie sehr präsent. In den Anfangsjahren der Kölner Philharmonie traten sie dort regelmäßig mit ihrer eigenen Reihe „Meisterwerke der Chormusik“ auf. Zur Eröffnung der neuen Georg-Friedrich-Händel-Halle 1998 in Halle wirkten sie bei der Aufführung von Gustav Mahlers Auferstehungssinfonie mit. Gute Kontakte zum Goethe-Institut und zum Deutschen Musikrat öffnete dem Chor weitere Türen.

Heute ist der Chor mit ein bis zwei Oratorien pro Spielzeit fest im Bonner Musikleben verankert. Die Tradition der Neujahrskonzerte mit großen Werken wie Orffs „Carmina Burana“ oder Beethovens neunter Sinfonie liegt derzeit allerdings wegen der sanierungsbedingten Schließung der Beethovenhalle auf Eis. Beissel hofft freilich, dass man sie nach der Wiedereröffnung der Halle wiederaufleben lassen kann. Doch erst einmal wird das Jubiläum mit der Bach'schen Messe in h-Moll in der Stiftskirche begangen.

Karten für das Jubiläumskonzert am 23. November, 20 Uhr, in der Stiftskirche gibt es im Vorverkauf bei der Konzert- und Theaterkasse im Bonner Kaufhof, in der Parkbuchhandlung, Bad Godesberg, sowie in der Bücherstube Sankt Augustin.

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