Helge Schneider in der Beethovenhalle: Bad in der Absurdität

Helge Schneider in der Beethovenhalle : Bad in der Absurdität

Die singende Herrentorte Helge Schneider improvisiert und albert in der Beethovenhalle. Natürlich steht bei Schneider der Jazz an erster Stelle.

Einen Plan? Hat Helge Schneider nicht. Wozu auch? Improvisation ist das Zauberwort für die Kunst des zwischen Genie und Wahnsinn pendelnden Musikclowns, der sich selbst als Superstar bezeichnet und mit seiner Truppe (eine sechsköpfige Band, ein offenbar im Kräutergarten einer Waldorfschule verloren gegangener Zausel mit Eremitenbart und Catsuit sowie ein Tee-Diener samt Azubi) durch die schönsten und besten Hallen der Republik tingelt.

In der ausverkauften Beethovenhalle, wo er im Rahmen seiner „LASS KnACKEN OPPA!“-Tour einen Zwischenstopp einlegt, lässt der 60-Jährige sich denn auch treiben und macht ausschließlich das, worauf er Lust hat. Was letztlich zu der bewährten Mischung aus Anarchie und Harmonie kondensiert, die die singende Herrentorte schon immer gepflegt hat.

Natürlich steht bei Helge Schneider der Jazz an erster Stelle. Schon früh erwies er sich als Wunderkind, wie er selbst erzählt, schon mit sechs Jahren hat er Louis Armstrong beraten und zum Dank eine Trompete geschenkt gekriegt, mit der er zusammen mit einem kleinen Stoffäffchen die Musik für einen französischen Pornofilm von 1916 komponiert hat. Eines von vielen Stücken, die im Laufe des Abends zu Gehör gebracht werden.

Die Bandbreite ist enorm: Mal präsentiert er einen Blues, der irgendwo zwischen „Minnie the Moocher“ und „Big Spender“ anzusiedeln ist, dann wieder eine Psychedelic-Jazz-Nummer oder ein chinesisches Kinderlied, alles exzellent gespielt. Die Band macht dabei jeden noch so absurden Schwenk mit, so dass der blaugewandete Helge sich austoben kann und sich mitunter von sich selbst überraschen lässt.

Der exzellenten Musik steht das Baden in der Absurdität gegenüber, das Helge Schneider beherrscht wie kein zweiter. Dabei sind es oft nur Banalitäten und Sprachspielchen, mit denen er zu überraschen versteht und mit denen viele Menschen außerhalb der Beethovenhalle nicht sonderlich viel anfangen können, vom Katzenklo-Lied bis hin zu Telefon- und Meisenmann. Die jedoch sind nichts weiter als eine Fortführung der Jazz-Improvisation auf sprachlicher Ebene. Freiheit von Erwartungen. Einfach mal Spaß haben.

Das haben Helge und sein Publikum eben gemein. Und das funktioniert auch an diesem Abend wieder bestens.