"Thespis"-Theaterpreis-Vergabe: Ausweichmanöver statt Eklat

"Thespis"-Theaterpreis-Vergabe : Ausweichmanöver statt Eklat

Fast kam es am Sonntag in den Kammerspielen zum Eklat bei der "Thespis"-Theaterpreis-Vergabe, die gleichzeitig die Verabschiedung des aktuellen Schauspielensembles war.

Bonns scheidender Generalintendant Klaus Weise hatte wegen Oberbürgermeister Jürgen Nimptschs neuerlicher Sparpläne seine Teilnahme am Festakt abgesagt. Nun betrat das Gros des Ensembles am Sonntag die Kammerspiele ausdrücklich nicht, bis Nimptsch seine Festrede beendet hatte.

"Dass wir danach zur Preisvergabe überhaupt hineingehen, sehen wir als Kompromiss an", sagten die Schauspieler vor der Tür dem GA. Man wolle ein Zeichen setzen und Solidarität mit den Opernkollegen zeigen, auf die die nächste Sparwelle zurollen werde.

Der OB wiederum verließ mit seiner Gattin die Kammerspiele sofort nach seiner Rede, da er, wie er betonte, zu einem anderen bedeutenden Kulturereignis Bonns eilen müsse: der 50-Jahr-Feier des Kulturvereins. Kulturdezernent Martin Schumacher verließ kurz darauf ebenfalls die Kammerspiele.

Für die Veranstalter hatte zu Beginn der Theaterfreunde-Vorsitzende Professor Kurt P. Tudyka sein tiefes Erschrecken über die aktuelle Infragestellung des Theaters in Deutschland geäußert. Beim Angriff auf das Theatersystem berufe man sich auf Sparzwänge. "Doch tatsächlich verbergen sich dahinter oft nur die Umverteilungsbegehren kulturferner Interessen, verbunden mit piratesken Möchtegern-Politikern", kritisierte er.

Dieser "Angriff des neoliberalen Dracula" trete auch im Mantel der sogenannten freien Szene auf, die aber keine langfristigen künstlerischen Entwicklungen biete. Zudem sei unterwürfiger vorauseilender Gehorsam im Kleide von seichten, anspruchslosen Produktionen, von Beliebigkeit und Kommerzialisierung nur eine weitere Spielart der Kapitulation, sei Quotenfetischismus. Theater als Korrektiv einer Gesellschaft müsse also im generellen gesellschaftlichen Interesse bestehen bleiben.

Dem antwortete Nimptsch mit Lob für das Engagement des Vereins und Dank für die Leistung des scheidenden Schauspielensembles. Die Bonner hätten selbstverständlich besondere Ansprüche an ihr Kulturleben. Die Stadt trage dem mit einer Zahlung von sieben Prozent des Gesamthaushalts in den Kulturfond Rechnung. "Das ist vergleichsweise viel. Das ist ein klares Bekenntnis zur Kultur", sagte Nimptsch.

Aber in Zeiten wachsender Schulden könnten keine Bäume in den Himmel wachsen. Es seien viele Probleme "reglungsbedürftig". Zumindest sehe er für den Erhalt der Kammerspiele Hoffnung. "Der Standort soll nicht länger in Frage gestellt bleiben. Wir kümmern uns auch um den Verbleib des Kurfürstenbads", sagte der OB an Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann gewandt. Die wiederum den "Schulterschluss zwischen Kultur und Sport" forderte. Beide, sowohl Kammerspiele als auch Hallenbad, müssten zentrale Bestandteile des Stadtteils bleiben.

Fast in den Hintergrund geriet dabei die Vergabe des "Thespis"-Preises an Rolf Mautz für seinen besonderen Eneslembleeinsatz. "Unverschämt komisch, aber auch bitter ernst und scharfsichtig" habe der gebürtige Godesberger unvergessene Rollen auf die Bühne gebracht, erklärte Laudatorin Elisabeth Einecke-Klövekorn.

Die außergewöhnliche Leistung des 67-Jährigen sehe sie auch in seiner fruchtbaren Arbeitsbeziehung zu Klaus Weise begründet. "Übrigens finde ich es sehr begreiflich, dass Weise heute nicht hier ist", fuhr sie fort. Es würden derzeit die Krüge in den Rathäusern zerbrochen, sagte sie in Anspielung auf die aktuelle Kleist-Inszenierung. Es sei weiter "gesalzener Widerstand" nötig. "Wir grollen aber nicht. Das Spiel geht weiter", schloss sie unter großem Applaus.

Mehr von GA BONN