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LVR-Landesmuseum Bonn: Ausstellung "Weil wir Mädchen sind" blickt nach Afrika, Asien und Lateinamerika

LVR-Landesmuseum Bonn : Ausstellung "Weil wir Mädchen sind" blickt nach Afrika, Asien und Lateinamerika

Das Schicksalsrad dreht sich, und die weiße Nadel bleibt nach ein paar Runden hängen. Glück gehabt: "Du wirst als Tochter eines Arztes in Indien geboren, du kannst die Schauspielschule besuchen." Es hätte schließlich auch ganz anders kommen können.

Mit 13 verheiratet zu werden, um Kinder zu bekommen und fortan im Haus der Schwiegereltern zu arbeiten. So wie Asha, eine der Protagonistinnen der Ausstellung "Weil wir Mädchen sind", die das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland jetzt bis zum 20. Mai im LVR-Landesmuseum zeigt.

Nach Bern, Hannover, Hamburg und Leipzig ist Bonn nun eine der weiteren Stationen, um Mädchen und Jungen ab acht Jahren, Familien, Schulklassen und Jugendgruppen mit Mädchenwelten in Afrika, Asien und Lateinamerika vertraut zu machen.

Die französische Intervention in Mali und die jüngsten Vergewaltigungsfälle an jungen Frauen in Indien schaffen einerseits eine traurige Aktualität, zeigen damit aber auch, wie wichtig es ist, sich die Lebensbedingungen in anderen Teilen dieser Welt vor Augen zu führen, wie Gabriele Uelsberg, Direktorin des LVR-LandesMuseums Bonn, betont. "Die Unterdrückung von Frauen und Mädchen ist nach wie vor ein Thema, und keins am Rande der Gesellschaft. Schließlich betrifft es gut 50 Prozent der Weltbevölkerung", wie Uelsberg hinzufügt.

Gemeinsam mit ihr und Marc Tornow von Plan International Deutschland geht es vom Foyer mit dem Schicksalsrad aus mitten hinein in die interaktive Ausstellung, die drei Pfade zur Wahl stellt: mit Asha nach Indien, mit der ebenfalls 13-jährigen Djenebou nach Mali und mit Yoselin (14) hoch hinauf in die Anden.

Die Besucher - vor allem Kinder und Jugendliche - erfahren, wie indische Mädchen auf ihre Hochzeit vorbereitet werden. Und das beeindruckend offen, ohne in irgendwelche naheliegenden Märchenwelten à la Bollywood abzudriften. Natürlich sind brauen Hennatattoos auf Händen und Armen wunderschön. So wie der Sari in Ashas Truhe; auch zum Herausnehmen und Anziehen.

Aber was die Dreizehnjährige nach der Zeremonie erwartet, wird weniger märchenhaft sein. Und die Tatsache, dass die Abtreibungsquoten erschreckend hoch sind, weil viele Familien sich die Aussteuer ihrer Töchter nicht leisten können, wird ebenfalls nicht verschwiegen.

Auch Djenebous Leben besteht hauptsächlich aus Arbeit. Wer mag, kann ausprobieren, wie es sich anfühlt, ein paar Kilo auf dem Kopf zu balancieren oder Hirse zu stampfen. "Sie arbeitet auf dem Feld, muss dabei noch auf die jüngeren Geschwister aufpassen, und eine Schule hat sie noch nie von innen gesehen", beschreibt Marc Tornow den Alltag des Mädchens.

Und lädt ein in die nächste Station: Zusammen mit Yoselin, die in einem Bus durch die Berge Ecuadors fährt, um morgens auf dem Markt die Stoffe, die selbstgenähten Kleider und andere in ihrer Familie gefertigte Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Sie unterhält sich mit einem schwangeren Mädchen, wird von zwei Jungs angemacht und erfährt, mit welcher Selbstverständlichkeit die Rechte von Frauen und Mädchen auch heutzutage noch missachtet werden. Wie wichtig es ist, auch Gleichaltrige hierzulande darüber aufzuklären. Nicht anhand von Texten und Zahlenkolonnen, sondern vor allem durch sinnliche Eindrücke

Info: Weitere Informationen unter: www.weil-wir-maedchen-sind.de