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Bobbys Klassik: Ausklang der Saison mit Mendelssohns Oratorium "Elias"

Bobbys Klassik : Ausklang der Saison mit Mendelssohns Oratorium "Elias"

Zum Saisonfinale von "Bobbys Klassik" mutet Thomas Honickel seinem Publikum einiges zu: Eine stark gekürzte, aber immerhin noch 90 Minuten lange Fassung von Mendelssohns "Elias" steht auf dem Programm des mit der Empfehlung "Ab 8 Jahren" versehenen Familienkonzerts in der Oper.

"Ist ein bisschen trocken heute", spricht die Mutter eines etwa fünfjährigen Zuhörers in der Pause ins Handy, "normalerweise ist hier mehr Action". In der Tat sind bei "Elias! Starker Held des Alten Bundes" weder Clowns noch Tänzer auf der Bühne, und Honickel verzichtet auch auf seine kindgerechten Zwischenbemerkungen - er lässt das Oratorium ganz für sich selbst sprechen. Das reicht vollkommen.

Die Geschichte der großen biblischen Prophetengestalt, erzählt vom Beethoven Orchester Bonn (BOB), dem Kammerchor Vox Bona, Solisten und Erzählern entfaltet eine Strahlkraft, die die Jahrtausende mühelos überbrückt. Im Orchestergraben die Streicher, auf der Bühne die Bläser, drum herum die vier Stimmgruppen des dezent verstärkten Chores, so kann das Publikum jede Szene inhaltlich und musikalisch genau verfolgen.

Auf dem roten Erzählersofa füllen Charleen Manke, Laura Iacovino und Felix Aring mit erklärenden, die Handlung vorantreibenden Texten auch die letzte Verständnislücke. Auf diese Weise kapiert jeder, was die Generalpausen nach den letzten vergeblichen "Gieb uns Antwort!"-Rufen der Baalspriester zu bedeuten haben: Baal wird kein Feuer vom Himmel schicken.

Und jeder erkennt nach dem Getöse von Sturm, Erdbeben und Feuer in den lieblichen Streicherarpeggien das "sanfte Sausen", in dem sich Gottes Gegenwart offenbart. Unter Honickels souveräner Leitung musizieren BOB und Vox Bona wie aus einem Guss; die Arien des Elias, der Witwe und der Königin sind bei Bariton Frans Kokkelmans und dem hell strahlenden Sopran von Stefanie Wüst bestens aufgehoben.

Für einen wahrhaft himmlischen Moment sorgt Scarlett Pulwey als Knabe, der nach den ersehnten Regenwolken Ausschau hält: Wenn sie vom Balkon ihr glockenklares "Ich sehe nichts" verkündet, kann selbst der Himmel die Tränen nicht mehr lange zurückhalten. Das von Charleen Manke, Laura Iacovino und Scarlett Pulwey sicher gesungene Engelsterzett "Hebe deine Augen auf" tröstet nicht nur den lebensüberdrüssigen Propheten. Bobbys "Elias" ist in musikalischer wie in konzertpädagogischer Hinsicht rundum gelungen. Und kein bisschen trocken.