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Philharmonische Chor in der Lutherkirche: Auf den Punkt gebracht

Philharmonische Chor in der Lutherkirche : Auf den Punkt gebracht

Anfang Dezember 1858, genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt an der Madeleine, erhielt Camille Saint- Saëns den Auftrag für sein Weihnachtsoratorium. Jetzt war es in Bonn zu hören.

Ganze elf Tage brauchte der junge Komponist, dann war das Werk fertig und konnte gerade noch bis zur Uraufführung in der Weihnachtsnacht einstudiert werden. Ein bisschen mehr Probenzeit wird sich der Philharmonische Chor der Stadt Bonn schon genommen haben. So klingt es jedenfalls bei der gelungenen Aufführung des Oratorio de Noël in der Lutherkirche.

Unter der Leitung von Paul Krämer musizieren Chor und NeuesRheinisches Kammerorchester (NRKO) mit großem Aussagewillen und festlicher Strahlkraft.

Der Chor beweist in jeder Lage eine hohe Gesangskultur. Alle Stimmen intonieren, artikulieren und phrasieren präzise, und die Freude am Singen ist ihnen jederzeit anzumerken. Paul Krämer gestaltet engagiert vom Text aus. Selbst da, wo vom Komponisten nicht eigens etwas vorgegeben ist, erreicht er eine sehr differenzierte Umsetzung.

Energisch auf den Punkt gebracht erklingen die tobenden Nationen im „Quare fremuerunt“. Ruhig und schlicht dagegen die antikisierenden flächigen Einwürfe in der Tenor-Arie „Domine, ego credidi“, die Solist Christian Dietz als kraftvolles Bekenntnis hören lässt. Überhaupt sind die jungen Solisten ein Glücksgriff.

Über Dietz und dem den erkrankten Bassbariton Clarke Ruth überzeugend vertretenden Richard Logiewa leuchten die drei Frauenstimmen: ganz oben Scarlett Pulwey. Genauso hell und klar timbriert Antigoni Chalkia, die das von wunderbaren Harfenarpeggien begleitete „Tecum principium“ mit einem exquisiten Piano beendet. Auch Milena Haunhorst setzt ihren schlanken Mezzosopran ausdrucksstark ein, muss nur der tiefen Lage Tribut zollen.

Aber was den Sängerinnen an Volumen und Routine noch fehlt, machen sie durch ihre engelgleiche Leuchtkraft wett. Auch bei Vivaldi, mit dem der Abend begonnen hat.

Daran hat auch das von Konzertmeister Albert Rundel brillant angeführte NRKO großen Anteil.