"Theater der 10.000": Auch Bonn beteiligt sich an Unicef-Aktion

"Theater der 10.000" : Auch Bonn beteiligt sich an Unicef-Aktion

In etwa 80 deutschen Städten findet an diesem Wochenende die Unicef-Aktion „Theater der 10.000“ statt, auch in Bonn trotzten rund 50 Teilnehmer dem schlechten Wetter.

Es ist schon eine seltsame, auf den ersten Blick völlig unverständliche Szenerie, die sich an diesem Samstagmittag auf der Poppelsdorfer Allee den Blicken der vereinzelten Passanten darbietet: Rund 50 Menschen unterschiedlichen Alters stehen inmitten des Dauerregens auf dem Rasen in Blickweite des Poppelsdorfer Schlosses, Kopfhörer in beziehungsweise auf den Ohren und tun – zunächst einmal nichts. Außer zuhören. Und auf Anweisungen warten. Denn bei der Unicef-Aktion „Theater der 10.000“, die zeitgleich so wie in Bonn in etwa 80 deutschen Städten stattfindet, sind die Akteure nur Avatare bislang ungeborener Kinder, die mit Hilfe von Zeitreisen eine bessere Zukunft schaffen wollen. Eine ohne Kriege und Naturkatastrophen, ohne Hunger und Angst. Es ist ein Stück, das man erfahren muss. Und zwar am besten, indem man es spielt.

Hildegard Niehus ist eine der Teilnehmerinnen der Bonner Performance. „Ich habe davon aus der Zeitung erfahren und war sofort fasziniert von der Idee“, erzählt sie nur wenige Minuten vor Beginn der Aktion. „Ich arbeite selbst im Weiterbildungsbereich und bin immer auf der Suche nach neuen Formaten. Das hier fand ich besonders spannend, zumal auch das Thema ungeheuer wichtig ist.“ Während sie erzählt, lauscht sie mit einem Ohr dem Live-Stream auf ihrem Smartphone, mit dem die Organisatoren die zahlreichen über ganz Deutschland verstreuten Gruppen koordinieren wollen. „Bonn ist schon aufgerufen worden“, sagt Niehus. „Jetzt sind wir in der Warteschlange.“

Irgendwann geht es dann los. Die Hobby-Schauspieler lassen sich fernsteuern, werden für etwa 20 Minuten zu Gefäßen für die fiktiven Zeitreisenden, die sich zunächst mit den für sie ungewohnten Körpern synchronisieren müssen und erst dann etwas tiefer in die Geschichte einsteigen können. Es ist ein Stück, das sich nicht an ein Publikum richtet, sondern ausschließlich an die Spielenden. Wer dem Stream nicht folgt, kann mit dem Verhalten der Gruppe nichts anfangen. Also hat auch Bürgermeister Reinhard Limbach einen Knopf im Ohr. „Ich finde diese Aktion wirklich toll und bin stolz auf all die Bonnerinnen und Bonner, die trotz des schlechten Wetters mitmachen und damit Haltung zeigen“, sagt er. Ähnlich äußert sich Leonie Overwien, die die Aktion in Bonn koordiniert.

„Es ist schön zu spüren, dass man etwas verändern kann und dass man dabei nicht alleine ist“, freut sie sich. Das haben auch die Teilnehmer gespürt, die am Ende restlos begeistert sind. „Irgendwie waren wir alle verbunden, waren Teil eines größeren Ganzen“, erklärt Muna Zubedi, die diese Erfahrung gerne noch einmal wiederholen möchte. „Es war unglaublich: Wir haben die Realität vollkommen ausgeblendet und waren für kurze Zeit in einer anderen Welt. Von außen sah es bestimmt ziemlich schräg aus, aber für uns hat jede Bewegung einen Sinn ergeben. Und es gab auch einige sehr berührende Momente, die nachdenklich machen.“ Ob das „Theater der 10.000“ aber tatsächlich irgendwann wiederholt werden wird, muss sich erst noch zeigen. Zunächst wollen die Unicef-Organisatoren analysieren, wie groß die Resonanz deutschlandweit war. Klar dürfte aber auch sein: Die Kinder der Zukunft können ein paar zusätzliche Avatare gut gebrauchen.

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