Diabelli-Variationen: Andreas Staier spielt Abschlusskonzert der Beethoven-Woche

Diabelli-Variationen : Andreas Staier spielt Abschlusskonzert der Beethoven-Woche

Der musikalische Scherz als gemeinsamer Nenner: Das Finale des Kammermusikfests im Beethoven-Haus mit unterschiedlichen Besetzungen.

Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento in F-Dur KV 522 zählt in die von der Verwertungsgesellschaft Gema festgelegte Kategorie "ernste Musik", obwohl es sich im Titel ausdrücklich um einen "musikalischen Spaß" handelt und das Stück tatsächlich auch ein paar hübsche Pointen bereithält. Dieses Divertimento wie auch Joseph Haydns Streichquartett op. 33 Nr. 2, das man in England "The Joke" getauft hat, und selbst Ludwig van Beethovens Diabelli-Variationen sind alles Beispiele für ein gewisses Grenzgängertum zwischen "E" und "U". Alle drei Werke erklangen – gespielt vom Salagon Quartett, den Hornisten Christian Binde und Jörg Schulteß sowie dem Pianisten Andreas Staier – beim ausverkauften Abschlusskonzert der Beethoven-Woche.

Das Konzert war, wie viele andere der Beethoven-Woche auch, ausverkauft. Bei seiner Begrüßung verwies Malte Boecker, der Direktor des Beethoven-Hauses, auf eine 95-prozentige Auslastung des gut einwöchigen Kammermusikfestivals: "Das ist der Spitzenwert in den fünf Jahren, seitdem es die Beethoven-Woche gibt." Man fühle sich darin bestärkt, dass sie in Bonn angekommen sei, sagte er, und kündigte für das Jubiläumsjahr 2020 schon mal eine deutlich erweiterte Beethoven-Woche mit insgesamt 16 Konzerten an. Sie werde am 17. Januar mit einem Vortrag von Jörg Widmann beginnen und Beethovens gesamte Kammermusik bringen. Boecker: "Ich möchte Sie einladen, diesen Termin und die folgenden vier Wochen fest in Ihrem Kalender zu vermerken."

Die von Tabea Zimmermann als künstlerische Leiterin und ihrem Dramaturgen Luis Gago verantwortete Beethoven-Woche setzte im Abschlusskonzert die Serie hochkartätiger Konzerte fort. An diesem Abend war der musikalische Scherz das eine verbindende Element der drei ausgewählten Werke, das andere war ihre Darbietung auf alten Instrumenten. Das Salagon Quartett mit Christine Busch, Lisa Immer (Violinen), Sebastian Wohlfarth (Viola) und Gesine Queyras (Violoncello) verliehen Joseph Haydns zweitem Streichquartett aus op. 33 durch ihr gepflegt kultiviertes Spiel wie im ersten Satz originären Charme, spielten ein munteres Menuett mit lustigen Geigenschleifern im Trio, vertieften sich innig ins Adagio cantabile und zeigten bei den scherzhaften Generalpausen im Finale einen perfekten Sinn fürs Timing.

Das machte auch Mozarts „musikalischen Spaß“ aus, der auch unter dem ein wenig despektierlichen Titel "Dorfmusikantensextett" bekannt ist. Dass die Musik deshalb einfacher zu spielen sei, ist freilich ein Trugschluss. Vor allem die beiden auf ventillosen Naturhörnern spielenden Bläser wissen das. Sie trafen Mozarts "falsche" Töne jedoch ebenso sicher wie die korrekten. Großer Applaus und mit Leporellos Arie "Notte e giorno faticar" leiteten sie auch noch elegant über zu den Diabelli-Variationen, die diese Arie in der Nr. 22 zitieren.

Nachdem der gewaltige Variationen-Zyklus, der in diesem Jahr das zentrale Werk des Festivals ist, im Eröffnungskonzert bereits durch Olli Mustonen am modernen Bösendorfer-Flügel erklungen war, spielte ihn der Kölner Alte-Musik-Spezialist Andreas Staier an diesem Abend auf einem historischen Fortepiano der Firma Conrad Graf aus der Beethoven-Zeit. Dass er dynamisch mit dem Bösendorfer nicht mithalten kann, erwies sich jedoch keineswegs als Nachteil. Staier spielte das Instrument mit einem solchen Reichtum an Farben, so ausdrucksvoll, kantabel, mal tiefschürfend (Var. 14), lustig polternd (Nr. 16) oder auch introvertiert wie die Nr. 31, deren ausgeschriebene Verzierungsketten bei Staier wie eine freie Improvisation klingen ließ. für die langanhaltenden Beifallsbekundungen am Schluss bedankte er sich mit einem Adagio von Mozart, das er ursprünglich für eine Glasharmonia komponiert hatte: himmlisch!

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