Sängerin mit Charme und Charisma: Amy Macdonald begeistert an der Kölner Wassermannhalle

Sängerin mit Charme und Charisma : Amy Macdonald begeistert an der Kölner Wassermannhalle

3500 Fans haben der schottischen Sängerin Amy Macdonald an der Wassermannhalle in Köln-Vogelsang zugejubelt. Die neue Open-Air-Location bietet das geeignete Ambiente für ein bezauberndes Konzert.

Von der Tribüne aus gesehen hat man das Gefühl, mitten im Wald auf einer Lichtung zu sitzen. Grüne und rötliche Blättergipfel rahmen das Areal und verleihen ihm mehr als nur einen Hauch von Romantik. Tatsächlich liegt die neue Kölner Open-Air-Spielstätte „Arena an der Wassermannhalle“ mitten im Vogelsanger Industriegebiet. Und davon, dass die Fläche, auf der Dienstag das Pilotkonzert stattfindet, eigentlich ein Parkplatz ist, wissen nur die Sohlen beim Hereinkommen etwas. Schartige Schottersteine und sommerliches Schuhwerk aus Stoff vertragen sich nicht besonders. Aua.

Dafür erweist sich der Weg dahin als umso erfreulicher. Mit der S-Bahn braucht es vom Hauptbahnhof bis zur Haltestelle (Köln-Müngersdorf, Technologiepark) gerade mal acht Minuten, dann noch weitere zehn Minuten zu Fuß – und schon ist man da. Zahlreiche großformatige Schilder weisen den Weg. Zusätzlich sind entlang der Strecke Security-Leute mit weithin gelb leuchtenden Westen postiert worden. Hier verirrt sich niemand. Und man fühlt sich gleich zu den ersten Klängen von „Under Stars“ um 20 Uhr zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Charme, Charisma und eine überzeugende Band

Der schottischen Sängerin und Songschreiberin Amy Macdonald (30) obliegt es, den idyllischen „Spielplatz“ einzuweihen. In diesem Jahr gibt es hier nur drei Konzerte (am Freitag treten noch Santiano auf, am Samstag folgt Adel Tawil). 2019 sollen es mehr werden. Für die Feuertaufe ist die mittlerweile erblondete Künstlerin die perfekte Wahl. Denn obschon noch an den Nachwehen einer Grippe herum laborierend („Das Schlimmste ist, wenn deine Stimme nicht das tut, was sie tun soll. Ich entschuldige mich dafür, dass ich heute keine 100 Prozent geben kann“), überzeugt sie mit ihrem Charme, mit ihrem Charisma und mit ihrer Band.

Stücke wie „Run“ klingen zwar rauer und tiefer als gewohnt – aber speziell hier bekommt sie den hohen Schmelzton am Ende trotzdem noch sehr beachtlich hin. Mit „Mr. Rock 'n' Roll“ oder dem im Intro-Teil umarrangierten „Poison Prince“ sorgt sie für ordentlich Tempo. 3500 Fans lassen sich davon willig mitreißen. Schwelgen aber genauso gerne in gefühlvollen Balladen wie „4th of July“ und „Never Too Late“, die in ihrem akustischen Gewand noch dichter, noch inniger und noch intimer rüber kommen. Auch das Lied, mit dem sie 2007 ganz Europa auf einen Schlag eroberte, „This Is The Life“, darf natürlich nicht fehlen. Es gibt ihn immer, den einen Song, auf den alle gewartet haben.

Allein mit Gitarre auf der Bühne

Viele Schotten im Publikum findet Macdonald zwar nicht – auf Nachfrage gibt es nur hier und da im unbestuhlten Innenraum eine zaghafte Schiffsmeldung – kann dafür aber einige „Stammgäste“ direkt vor der Bühne begrüßen. Sie bezaubert mit ihrem schottischen Englisch, bei dem „gig“ (Auftritt) wie „gag“ klingt, würzt das gelegentlich auch mit einem Bröckchen Deutsch: „Tuesday? Is it Tuesday? Dienstag?“. Und wenn sie davon erzählt, wie sie früher auf der Bühne stand („Allein mit meiner Gitarre“) und wo sie jetzt, mit ihrer Band, logiert („Im Hyatt Hotel. Das ist das erste Mal, dass wir in so einem noblen Hotel untergebracht sind“), dann gönnt man ihr das von ganzem Herzen.

Es gäbe noch viel zu erzählen. Von der Kinderstimme, die in den mittlerweile nächtlichen Himmel hell hinein ruft: „Lady, I love you!“. Von den roten und goldenen Lichtern beim wunderschönen „Life in a Beautiful Light“ als letztes Stück vor dem Zugabenteil im 90-Minuten-Konzert. Davon, dass es weder an der Sicht noch am Sound etwas zu beanstanden gab, aber kurz vor Beginn des Konzerts viele Besucher noch händeringend nach einem Sitzplatz suchten, weil ein großes Kontingent reserviert für geladene Gäste war.

Oder man könnte Macdonald zitieren, die eingangs befand, dass das hier „ein wunderschöner Parkplatz“ sei. Stimmt. Aber weil der nun fehlt, sollte man das Auto doch besser zu Hause lassen.

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