Forever Young: Alphaville begeistern bei Konzert in Köln

Forever Young : Alphaville begeistern bei Konzert in Köln

Knapp 700 Fans feierten mit Alphaville beim Konzert in Köln. Mehr als zwei Stunden Programm und mehrere Zugaben sorgten bei den Fans für eine Zeitreise in die 80er Jahre.

Um 21.46 Uhr ist es so weit. Endlich: „Wir spielen das ganze verdammte Album live, original mit all den kleinen Schweinerein“. Derjenige, der das sagt, heißt Marian Gold, und wenn er das sagt, schwingt in seiner Stimme mehr als nur eine gewisse Vorfreude mit. Der Sänger und Mitbegründer kann es kaum erwarten. Und 700 Fans geht es Mittwoch nicht anders. Denn deswegen sind sie hier, in der Kantine, um das „verdammte Album“ zu feiern: „Forever Young“. Vor 35 Jahren als Debüt erschienen, wurde es zum Soundtrack der 1980er.

Wer damals jung war und die Scheibe heute hört, dem geht es ähnlich wie dem Protagonisten in Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, wenn der ein ganz bestimmtes Gebäckstück schmeckt. Eine Flut von Erinnerungen bricht sich Bahn und überflutet Zeit und Raum. Plötzlich blickt man in einen Spiegel, sieht hoch gesprayte Haare, von schwarzem Balken umrandete Augen, breit wattierte Schultern. Und nebenan im Fernsehen läuft Denver-Clan. Passieren könnte das dem Gros der Besucher. Und der, der nun mit „A Victory of Love“ den Beginn der Zeitreise einläutet, ist auch schon 64 Jahre alt.

So ganz original wie angekündigt geht es dabei aber doch nicht zu. Was allein schon daran liegt, dass Gold das einzige verbliebene Gründungsmitglied ist. Das Münsteraner Trio von damals (eingespielt wurde „Forever Young“ mit Bernhard Lloyd und Frank Mertens, den dann 1985 Ricky Echolette abgelöst) existiert nicht mehr. In der heutigen Besetzung (mit Gitarrist David Goodes, Keyboard- und Synthiemann Carsten Brocker, Drummer Jakob Kiersch und Alexandra Merl am Bass) ist daraus ein Quintett geworden, und die Frau im Team ist genauso alt wie das Jubiläumsalbum.

Golds Stimme ist zwar noch immer bemerkenswert, noch immer hat sie diesen heroischen Glanz, aber bei „Big in Japan“ merkt man dann doch, wie viele Jahre ins Land gegangen sind. Und auch die nach vorne dräuende, hochdramatische Synthiepop-Dynamik in all ihrer Atemlosigkeit und Lebensgier, dieses wilde Sehnsuchtstakkato mit den japanischen Ausrufungszeichen klingt hier und jetzt ein bisschen weniger atemlos und lebensgierig und wild. Aber vielleicht ist das auch allzu mäkelig. „Big in Japan“ live zu erleben ist, an sich, großartig. Auch wenn es nur „small in Longerich“ zu hören ist. Man hätte der Band, die einst sogar in den US-Charts Erfolg hatte und immer wieder gecovert wurde, eine fettere Geburtstagsfete mit mehr Gästen gewünscht.

Diejenigen, die da sind, lassen aber ihrer Begeisterung freien Lauf, zelebrieren genussvoll jedes weitere Stück – „To Germany With Love“, „Fallen Angel“, „In The Mood“ – bis dann mit „Sounds Like a Melody“ um 22.15 Uhr ein weiterer Sehnsuchtstorpedo über die Bühne jagt, die man vor lauter hochgehaltenen Handy nicht mehr sehen kann. Wie die Leute es trotzdem schaffen, dabei zu tanzen, grenzt an ein Wunder. „Forever Young“ markiert um 22.30 Uhr das hymnische Ende – wer hier nicht mitsingt, war wirklich niemals jung. Oder zumindest damals nicht. In den 1980ern.

Weil danach das Licht angeht, verpassen viele die zwei Zugaben, die noch folgen. Womit Alphaville, wie versprochen, mehr als zwei Stunden gespielt haben. Wobei die erste Stunde mit Stücken wie „Flame“ (1997), „Jerusalem“ (1986) oder „Nevermore“ (2017) alles andere als schlecht war. Aber nicht das, auf das alle gewartet haben. Marian Gold eingeschlossen.

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