Ako-Absolvent schrieb Schuljungen-Report

Ako-Absolvent schrieb Schuljungen-Report

In seinem Buch "Sacro Pop - Ein Schuljungen-Report" hat sich Miguel Abrantes Ostrowski 2004 seine Schulzeit und verkorkste Sexualität von der Seele geschrieben. Jetzt heizt es die Missbrauchs-Debatte an.

Bonn. Es war wirklich kein gutes Buch, das Miguel Abrantes Ostrowski 2004 herausbrachte. Schon der Titel "Sacro Pop - Ein Schuljungen-Report" und erst recht das Cover, das einen mit einem Schaf kopulierenden Jungen zeigt, ließen nichts Gutes erwarten. Über 170 Seiten prallste und platteste Pubertisten-Prosa.

Da hatte sich einer saftig seine Schulzeit und verkorkste Sexualität von der Seele geschrieben. Seine Schulzeit am Bad Godesberger Aloisiuskolleg (Ako), das in der Missbrauchsdiskussion unter Beobachtung steht. Zwar räumt Ostrowski ein, alle beschriebenen Personen samt Begebenheiten seien "frei erfunden", und auch das "katholische Elite-Internat" unter jesuitischer Führung, Ako - im Buch heißt es "Schloss Mümmelstein" -, wird nicht explizit erwähnt und doch nicht weit von Köln lokalisiert.

Die haarsträubenden Vorfälle, insbesondere im Kapitel "Die guten Hirten", bekommen aber im Licht der Enthüllungen der letzten Wochen und Monate eine besondere Brisanz. Und scheinen wohl nicht der fiebrigen Fantasie eines Schülers zu entspringen.

Da ist von einem "Pater Steinfels", dem Internatsleiter, die Rede, der nicht nur dem Wein zugetan war, sondern sich auffällig für die Genitalien seiner Schüler interessierte, die er beim Duschen beobachtete. Höchster Lustgewinn sei für ihn gewesen, die Jungen mit eiskaltem Wasser abzuspritzen.

"Angesehen zu seinem Hang für Wasser- und Doktorspiele hatte er noch andere Leidenschaften - beispielsweise Fotografie", schreibt Ostrowski. Genauer: Aktfotografien seiner Schüler, Ostrowski eingeschlossen. Auch "Pater Knoop" liebte die Fotografie, war ansonsten ein Freund sadistischer Bestrafungen, duschte seine nackten Schüler gerne eiskalt ab und zwang sie in ein kloakenartiges Pumpenloch.

Von Ostrowskis Schilderungen nahm 2004 kaum jemand Notiz. Das Ako distanzierte sich im General-Anzeiger: "Mit den Fiktionen des Herrn Abrantes haben wir nichts zu tun." Der Internatsleitung sei das Werk bekannt, eine offizielle Stellungnahme dazu wolle man aber nicht abgeben.

Thema erledigt. Ostrowski, der 1972 in Düsseldorf geboren wurde und nach zehn Jahren auf dem Ako dort 1993 das Abitur machte, sieht das Buch heute distanziert: "Sprachlich hat das wohl eher das Niveau einer schlechten Schülerzeitung, aber ich wollte es einfach loswerden", so sprach Ostrowski im "Zeit"-Interview über sein "grottenschlechtes Buch". Aber inhaltlich, gerade, was die Übergriffe durch die Patres angeht, scheint das Buch richtig zu liegen, jedenfalls wurde es als Dokument in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft übernommen.

Ostrowski, der freier Schauspieler ist und unlängst den Ljewin in der Dramatisierung von Tolstois "Anna Karenina" am Düsseldorfer Schauspiel gab, hat seine Vorwürfe gegen die Ako-Patres untermauert - bei Maybrit Illner und Markus Lanz.

Unlängst erklärte er, dass ihm erst allmählich bewusst wurde, was in den zehn Jahren am Ako geschah. Er fühle sich heute nicht als Opfer, sagte er dem Blatt, vielmehr als Vermittler: "Ich bekomme viele Anrufe von Mitschülern und Betroffenen, die fragen, wie sie sich nun verhalten sollen."