Traurige Lieder zum Glücklichsein: Aimee Mann verzaubert im Kölner Gloria-Theater

Traurige Lieder zum Glücklichsein : Aimee Mann verzaubert im Kölner Gloria-Theater

Aimee Mann verzaubert ihre Fans beim Konzert im Gloria-Theater in Köln. Je länger das Konzert dauert, desto losgelöster, befreiter scheint sie zu sein.

Es ist ein Paradoxon der Musik, dass mitunter die traurigsten Melodien im Zuhörer die glückseligsten Momente erzeugen. Ganz viele „langsame, traurige, deprimierende Lieder“ wolle sie nun spielen, verkündete Aimee Mann in fast akzentfreiem Deutsch vor ihrem Konzert im Gloria-Theater. Das mochte zwar stimmen, hat die 57-jährige US-amerikanische Singer-Songwriterin schließlich nahezu ausschließlich langsame, traurige und deprimierende, wenn auch sehr kluge Lieder geschrieben. Mit ebendiesen machte sie in Köln rund 700 Fans glücklich.

Wie in einer Psychotherapiesitzung konfrontierte die zierliche, in ihrem Minikleid immer noch sehr mädchenhaft wirkende Musikerin ihre Anhänger vollkommen klischeefrei mit alltäglichen Ängsten und Sorgen, die so oder so ähnlich jeder schon einmal erlebt haben mag – die Gewissheit, sich in den falschen Menschen verliebt zu haben („You Never Loved Me“), oder das quälende Gefühl, immer allein zu sein („One“). Passend dazu heißt ihr aktuelles, von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeiertes, neuntes Soloalbum „Mental Illness“.

Je länger das Konzert dauerte, desto losgelöster, befreiter schien Mann zu sein. Am Ende gab es sogar in bester Rock-’n’-Roll-Manier ein paar kleine breitbeinige Luftsprünge mit der Gitarre im Arm und ganz viel Leidenschaft und Wärme von einer oft als kühl und intellektuell geltenden Künstlerin zu bewundern. Für solche emotionale Momente sorgten während der rund 90 Minuten auch die zahlreichen Auftritte eines besonderen Gastes: Jonathan Coulton. Der 46-jährige, wuschelköpfige Gitarrist und Sänger ist nicht nur auf Manns eigenem Label „SuperEgo Records“ beheimatet und auf der Tour als Support dabei.

Er hat auch einige Songs auf „Mental Illness“ mitverfasst. Und das schon fast zu gut, wie die Sängerin in Köln nicht ohne Selbstironie feststellen musste. So sei jüngst von Kritikern geschrieben worden, dass die ersten Zeilen von „Good For Me“ mit das Beste seien, was sie lyrisch in ihrer gut 30-jährigen Karriere geschrieben habe. Blöd nur, dass eben diese Zeilen aus der Feder Coultons stammen. Aber trotz eines herzlich ausgerufenen „Fuck you“ wird Mann für dieses Lob eher dankbar als eifersüchtig sein. Dass sie das mit der Poesie auch alleine kann, hat sie schließlich schon oft genug bewiesen.

Für ihre deutschen Fans hatten die beiden Ausnahme-Songwriter übrigens noch ein ganz besonderes Highlight als letztes Stück im Gepäck: Im Duett und auf Deutsch verabschiedeten sie sich hoffnungsvoll optimistisch mit dem Comedian-Harmonists-Stück „Auf Wiederseh'n“. In Köln wird nach diesem wunderbaren, warmen Auftritt gegen ein möglichst schnelles Wiedersehen wohl niemand etwas einzuwenden haben.