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Bundeskunsthalle in Bonn: Abenteuer in der Traumfabrik

Bundeskunsthalle in Bonn : Abenteuer in der Traumfabrik

Die Bundeskunsthalle feiert ab Juli die Pixar-Studios und deren Helden von der Ratte Rémy bis zum Clownfisch Nemo. Die Ausstellung legt einen Schwerpunkt auf die Entwürfe, rekapituliert, wie vom ersten Storyboard und den Colourstrips ausgehend die Geschichte und deren Visualisierung immer konkreter wird.

Während die Gourmet-Ratte Rémy in "Ratatouille" über die Dächer von Paris flitzt, Jung und Alt vor Begeisterung aus ihren Kinosesseln hopsen; während das Publikum die Luft anhält, wenn der kleine Nemo im Zickzack durch den Korallenwald mäandert, verschwendet niemand einen Gedanken daran, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Vier bis fünf Jahre dauert es bei den Pixar-Studios in Kalifornien, bis, ausgehend von einem Stift und einem Blatt Papier, ein hochkomplexer Animationsfilm entsteht, der im Kino Millionen Menschen begeistert.

"Character, world, story", diese drei Elemente müssen bei einem guten Animationsfilm stimmen, meint Elyse Klaidman: Die Figur mitsamt ihren Empfindungen und Gedanken, die Umgebung mit ihrer eigenen Logik und ihren eigenen Gesetzen, schließlich die Geschichte, die die Zuschauer fesselt.

Die Story sei von den drei Elementen das wichtigste, meinte Klaidman in ihrer Videobotschaft aus Kalifornien, mit der die Ausstellungskuratorin Appetit machen wollte auf die Schau "Pixar - 25 Years of Animation", die ab 6. Juli in der Bonner Bundeskunsthalle läuft.

Klaidman, Bundeskunsthallen-Intendant Robert Fleck sowie die Ausstellungsleiter des Hauses, Angelica C. Francke und Ulrich Best, stellten der Presse am Mittwoch das Projekt vor, das in Nachfolge der hervorragenden Anime-Ausstellung des vergangenen Jahres einer der Ausstellungshöhepunkte 2012 zu werden verspricht.

500 Exponate sollen den Produktionsprozess von "Monster AG" und "Cars", "Toy Story" und "Die Unglaublichen", "WALL E" und "Ratatouille" nachzeichnen. "Das ist keine Filmausstellung, das ist eine Kunstausstellung", sagt Klaidman und meint damit, dass neben der Konzeption der Geschichte ein großer Teil des Prozesses reine Handarbeit ist.

Bevor die 3-D-Modelleure und Computerexperten die Drahtgittermodelle der Figuren umsetzen, die Hintergründe komponieren und den Sound unterlegen, haben Handwerker mit Blei- und Filzstift, Pastellkreide und Aquarell das Sagen.

Die Ausstellung wird einen Schwerpunkt auf die Entwürfe legen, wird rekapitulieren, wie vom ersten Storyboard und den Colourstrips ausgehend die Geschichte und deren Visualisierung immer konkreter - und zugleich komplexer wird. Irgendwann entwickelt sich die zweidimensionale Zeichnung zum plastischen Modell und digitalen Ding, das im Computer animiert werden kann.

Wobei die Informationen, wie etwa bei den "Unglaublichen" die Haare fallen und sich bewegen, wie sich das Licht in Nemos Unterwasserreich bricht, Teil gründlicher Naturbeobachtungen sind. Selten greifen Realität und Fiktion so perfekt ineinander: Die Traumfabrik Pixar macht's möglich.

Die Bonner Schau, eine leicht veränderte Übernahme aus dem New Yorker MoMA, wird auch ganz frische Details liefern: Ausstellungsleiter Best verspricht Einblicke in die neueste Pixar-Produktion "Merida - Legende der Highlands". Der am Braveheart-Mythos orientierte Animationsfilm mit einer rothaarigen, wilden "Hauptdarstellerin" läuft parallel zum Ausstellungsstart in Deutschland an.

Man kann sich schon jetzt auf Film und Ausstellung freuen, deren Mittelpunkt das "Artscape", eine 15-minütige Breitwand-Bilderdusche mit Dolby-Surround, sein wird. Wer sich schon einmal einstimmen will, bekommt vom 7. bis 10. Juni beim Museumsfest die Gelegenheit dazu: Da liegen Abertausende Legosteine bereit, um Figuren aus "Toy Story" zu bauen.