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Mit Gerhard Schröder fing alles an: 20 Jahre Bundesbeauftragter des Bundes

Mit Gerhard Schröder fing alles an : 20 Jahre Bundesbeauftragter des Bundes

Vor 20 Jahren wurde der erste Bundesbeauftragte für Kultur und Medien berufen. Bonn profitiert mit einem dreistelligen Millionenbetrag.

Im Kanzleramt habe er gerade einmal zwei Laptops vorgefunden, und die seien fünf Jahre alt, heißt es über den früheren Rowohlt-Verleger Michael Naumann, den Bundeskanzler Gerhard Schröder 1998 noch in Bonn als ersten Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) installierte.

Das Amt wurde anfangs belächelt oder auch eifersüchtig beäugt. Schließlich ist die Kulturhoheit der Länder eine der Säulen des Föderalismus – was hat der Bund da zu suchen? Noch im März des Jahres 1998 hatte Olaf Zimmermanns Plädoyer für die Wiedereinsetzung des „Unterausschusses Kultur“ und dafür, dass die Berufung eines Bundeskulturbeauftragten kein Tabu sein dürfe, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün wurde das, was Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, geschrieben hatte, Realität. Nachzulesen ist der Prozess, der in den 1970ern mit Figuren wie Hermann Glaser und Hilmar Hoffmann begonnen hatte, in dem hervorragenden Buch „Wachgeküsst. 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes“.

Aus dem Signal, das Schröder einst setzte, aus der Institution, die zunächst eher den Charme einer Orchideendisziplin unter dem eloquenten und charismatischen Schöngeist Naumann hatte, wurde inzwischen eine Behörde mit wachsendem Etat – aktuell 1,78 Milliarden Euro (23 Prozent mehr als im Vorjahr) – und großem Einfluss. Monika Grütters, gegenwärtige Kulturstaatsministerin, residiert im siebten Stock des Kanzleramtes. Über ihr ist nur noch Angela Merkel, die im achten sitzt.

Bundesmillionen für Bonn

Der Löwenanteil von Grütters Etat bleibt in Berlin (mehr als 400 Millionen Euro). Doch die nächste Nutznießerin ist gleich die Stadt Bonn: Die Deutsche Welle mit Sitzen in Bonn und Berlin (325 Millionen Euro) steht ebenso auf der Zuwendungsliste wie die Bundeskunsthalle (26 Millionen) und die Stiftung Haus der Geschichte (25 Millionen). Vier Bundesmillionen fließen in den Topf fürs Beethoven-Jubiläum 2020.

Auf den mitunter aneckenden Naumann folgte der eher spröde Philosoph und Ordnungspolitiker Julian Nida-Rümelin, der die Kulturstiftung des Bundes in Halle errichtete. Mit der parteilosen Literaturwissenschaftlerin Christina Weiss rückte die Filmförderung in den Fokus. Auch Bernd Neumann, der mit acht Jahren am längsten amtierende Bundesbeauftragte, hatte ein besonderes Augenmerk auf den Film. Ansonsten herrschte bei der Berufung des Bremer Landespolitikers und kulturellen Quereinsteigers eher Befremden. Immerhin: Unter seiner Ägide wuchs der Kulturetat des Bundes beträchtlich – trotz der Krise.

2013 trat die Geisteswissenschaftlerin Monika Grütters ihr Amt im BKM an. Sie ist die ehrgeizigste Chefin an der Spitze der Behörde, die 290 Mitarbeiter in Bonn und Berlin beschäftigt. Der CDU-Vorsitzenden von Berlin werden Ambitionen auf den Job des Regierenden Bürgermeisters nachgesagt. Auch wenn es um Kabinettsposten in der Bundespolitik geht, fällt der Name der 1962 in Münster geborenen Grütters. Sie gilt als mächtige, sehr einflussreiche „Hardcore-Politikerin“ („Süddeutsche Zeitung“), die ihr Ressort mit harter Hand regiert.

Unter ihrer Führung ist der Kulturetat kontinuierlich gewachsen. Von den insgesamt rund 9,9 Kultur-Milliarden gibt der Bund 13,6 Prozent aus, den Rest teilen sich die Länder und die Kommunen.

Lektüretipp: „Wachgeküsst. 20 Jahre neue Kulturpolitik des Bundes 1998-2018“, Herausgegeben von Olaf Zimmermann. Deutscher Kulturrat, 491 S., 22.80 Euro