Nichts als die Liebe: Popsängerin Lena singt vor 4000 Fans in Köln

Nichts als die Liebe : Popsängerin Lena singt vor 4000 Fans in Köln

Lena ist im ausverkauften Kölner Palladium vor 4000 Fans aufgetreten. Dabei hat sie Stücke aus ihrer aktuellen CD „Only Love, L“ gesungen. Der Auftritt zeigt: Die Popsängerin hat sich weiterentwickelt.

Es war ein Kraftakt für Lena. Nicht nur, dass die Gewinnerin des ESC 2010 für ihr aktuelles Album „Only Love, L“ rund dreieinhalb Jahre benötigte, auch ihre gleichnamige Tour musste mehrmals verschoben werden. Aber es hat sich offenbar gelohnt, denn die 28-jährige Popsängerin Lena Meyer-Landrut trat nun im ausverkauften Kölner Palladium vor 4000 begeisterten Fans zwischen zehn und 65 Jahren auf.

Als müsse sie zunächst einen Energie-Überschuss abbauen, tritt Lena zu Beginn musikalisch als temperamentvolle Trommlerin in Erscheinung, ehe sie „Wild & Free“, ein Lebensgefühl, dass nur bedingt ihrer Lebenswirklichkeit entsprechen dürfte, anstimmt. Für eine Sängerin, die sich stilistisch zwischen R'n'B- und Dance-Pop bewegt, sind ihre auf Englisch gesungenen Texte verblüffend persönlich gehalten. Als ein Star, der Instagram intensiv zur persönlichen Inszenierung nutzt, hat sie allerdings auch die Ambivalenz der sozialen Medien kennengelernt. Arroganz, Dummheit und Magersucht wurden ihr von sogenannten Hatern unterstellt.

Lena bleibt konsequent, indem sie ihre Songs als Gegendarstellungen im Hinblick auf das erlittene Cyber-Mobbing konzipiert. So kommen zu „Skinny Bitch“ zwei etwas rundlichere Tänzerinnen auf die Bühne und gemeinsam wird der Beweis angetreten, dass der Zeiger auf der Waage nicht anzeigt wie liebenswert ein Mensch ist und auch nicht, welche Lebensfreude man mit ihm teilen kann. Bei „Boundaries“, in das der Fanchor begeistert einstimmt, geht es um Grenzen und zwischenmenschlichen Respekt, Themen, die sie auch in „Thank You“ sowie in „Don`t Lie to Me“ aufgreift.

Zweifelsfrei erwachsener geworden

Keine Frage, Lena ist nicht mehr der unbedarfte und dem leicht Cockney-angehauchten Brit-Akzent erfrischend wirkende Teenager, sie ist älter und zweifelsfrei erwachsener geworden. Regelrecht fürsorglich wirkt sie, als sie den 14-Jährigen im Publikum rät, beim nächsten Song einmal die Ohren zuzumachen, denn erst ein paar Jahre später würden sie dann das großartige Gefühl von „Sex in the Morning“ – den Song präsentiert sie gemeinsam mit Rapper Danyiom – genießen können. Jugendliche Lebensfreude, die dann auch das begeisterte Publikum mit einem vielkehligen „Oh-oh-hoho“ teilt, offeriert dann „Life's on the Beach“. Mit ihrer inklusive zweier Sängerinnen sechsköpfigen Band intoniert sie einen nach internationalen Soundmustern designten Pop, der live mit weniger elektronischer Kühle als das Album, von dem sie insgesamt 14 Titel singt, überzeugt.

Gelegentlich klingt es zwar etwas glatt, aber Lenas Authentizität, die sie eher mit dem Singer-/Songwriter-Genre verbindet, verhindert ein Abrutschen in musikalische Banalität. Zum Finale bleibt sie ihren ESC-Erfolg „Satellite“ nicht schuldig. Doch die Weiterentwicklung von Lena ist nicht von der Hand zu weisen, und mit der weiterhin richtigen musikalischen Unterstützung könnte diese noch lange nicht am Ende sein.

Mehr von GA BONN