Schumannfest in Bonn: Lyrischer Gedankenstrom beim Abschlusskonzert

Schumannfest in Bonn : Lyrischer Gedankenstrom beim Abschlusskonzert

Beim Abschlusskonzert des Bonner Schumannfests spielten das britische Busch Trio und die Pianistin Danae Dörken. Das Theater im Ballsaal war ziemlich ausgebucht.

Mit den musikalischen Schöpfungen von Komponistinnen ging man im 19. Jahrhundert sicherlich etwas strenger ins Gericht als mit jenen der männlichen Kollegen. So hieß es etwas über Clara Schumanns Klaviertrio op. 17 in g-Moll: „Es sind einige hübsche Stellen in dem Trio, und wie ich glaube, ist es auch in der Form ziemlich gelungen, aber natürlich bleibt es immer Frauenzimmerarbeit, bei denen es immer an der Kraft und hie und da an der Erfindung fehlt.“ Nur war es in diesem Fall keiner der zu jener Zeit etablierten Großkritiker, sondern Clara Schumann selbst, die das Urteil über ihr eigenes Stück im Oktober des Jahres 1848 in ihrem Tagebuch artikulierte. Man kann sich nun fragen, ob hier mehr Understatement oder falsche Bescheidenheit daraus spricht, oder vielleicht doch eher ein „Sich-fügen“ in einen gesellschaftlichen Konsens, der Frauen in der Komponistenrolle noch nicht vorsah.

Beim Schumannfest war das Trio am Freitagabend im ziemlich ausgebuchten Theater im Ballsaal mit dem britischen Busch Trio zu hören. Der Geiger Mathieu van Bellen, Cellist Ori Epstein und Pianist Omri Epstein spielten es mit Hingabe und Ernst, arbeiteten den nie versiegenden, melodiösen Fluss der Musik heraus und begeisterten im Finale durch eine klare Zeichnung der Stimmverläufe, was natürlich besonders schön im Fugato des Satzes zu verfolgen war.

Die Einwände, die Clara Schumann gegen ihre eigene Musik vorbrachte, ließen sich freilich auch gegen die beiden umrahmenden Werke ins Feld führen. Weder im Fall von Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviertrio in G-Dur KV 564, das vom Busch Trio mit souveräner Eleganz vorgetragen wurde, noch von Franz Schuberts Trio in Es-Dur op. 100 wäre der Begriff der „Kraft“ angebracht. Insbesondere Franz Schuberts Werk ist trotz seiner dramatischen Ausbrüche doch eher ein lyrischer Gedankenstrom, der sich in epischer Länge ergießt. Dieses Werk zählt zu den unbegreiflichen musikalischen Wundern, die der Komponist in seinen letzten Jahren vollbrachte. Und das Busch-Trio machte es in jedem Takt hörbar. Omri Epsteins farbiges und sehr geschmeidiges Klavierspiel, das etwa im ersten Satz den Streicherklang mit glitzernden Tonkaskaden übergoss und im Andante sogleich die tragisch eingefärbte „Winterreisen“-Stimmung evozierte, beeindruckte ebenso wie das klar konturierte und ausdrucksvolle Spiel van Bellens und Ori Epsteins subtiles Cellospiel. Eine großartige Interpretation, die mit Standing Ovations belohnt wurde. ⋌

Konzert in der Deutschen Welle

Ein ungewöhnliches Setting hatte man im Gremiensaal der Deutschen Welle für den Klavierabend von Danae Dörken installiert: Der Flügel stand auf einem Podest in der Mitte des rechteckigen Saales, an einer der Stirnseiten gab es zudem eine große Leinwand, auf der das Spiel der Pianistin zu sehen war. Sehr hip wirkte das alles, aber auch gelungen und nicht aufgesetzt. Gut geklungen hat es auch.

Eine rundum gelungene Premiere also für das Schumannfest, dessen Abschlusskonzert somit auch etwas von einem Neuanfang hatte. Das lag natürlich auch an der Konzeption des bis hin zur Zugabe durch und durch romantischen, sehr stimmigen Programms, das rund um die beiden Schumanns und deren Zeitgenossen kreiste. Dörken eröffnete den Abend mit Roberts Waldszenen op. 82, kleinen Miniaturen, denen sie sehr charakteristische und plastische Konturen verlieh: exzentrisch-exaltiert etwa die „Verrufenen Stellen“, mit heroischem Einschlag das Jagdlied oder äußerst sensibel und agogisch fein abgestuft die „Einsamen Blumen“. Reizend auch ein leicht salonhaftes aber durchaus komplexes Nocturne Claras, das Dörken wie ein zartes Gespinst entfaltete.

Selten gespielt aber nicht weniger reizvoll erwies sich Felix Mendelssohn Bartholdys fis-Moll Fantasie op. 28. Vor allem im dritten Satz ließ Dörken hier ihrer Virtuosität und Leidenschaftlichkeit freien Lauf und ging dem stürmischen Impetus des Werkes nach. Gegenüber Frédéric Chopins nach der Pause gespielter dritter Sonate wirkte die Fantasie dennoch betulich, Chopin war da schon eine andere Liga.

Hier agierte Dörken aber nicht weniger brillant und einfühlsam, nahm etwa das Scherzo mit überbordendem Temperament, das attacca folgende Largo mit großer Innerlichkeit. Das abschließende Finale dann nahm sie drängend, aufwühlend, impulsiv. Mit großer Geste aber auch großer Souveränität. Ein fulminanter Abschluss des Konzerts.⋌

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