32-jährige Künstlerin: Liedermacherin Sarah Lesch im Bonner Pantheon

32-jährige Künstlerin : Liedermacherin Sarah Lesch im Bonner Pantheon

Die 32-jährige Liedermacherin Sarah Lesch trat im ausverkaufen Bonner Pantheon auf - ein unangepasster, politischer, poetischer und angriffslustiger Abend.

Sarah Lesch ist eine genuine Liedermacherin – unangepasst, stachelig, aufmerksam, politisch, poetisch, angriffslustig und – ja! – auch wildromantisch. Und, wie sie vieldeutig über sich selbst sagt, weltfremd. Sarah Lesch ist, mit einem Wort – umwerfend.

Das empfinden die Menschen im ausverkauften Pantheon hör- und spürbar ebenso. Die 32-jährige Künstlerin, die früher als Erzieherin in einem Kindergarten gearbeitet und im Vorjahr mit „Da draußen“ ihr drittes Album vorgelegt hat, dankt dem Publikum mitten im Konzert mit bewegter Stimme: „Hier ist ganz, ganz viel Aufmerksamkeit im Raum. Danke euch!“

Die Schattenseiten der Liebe behandelt sie ernsthaft und humorvoll zugleich, besser geht es nicht: „Mein erster Liebeskummer war ganz krass. Das war ein Schmerz, den ich mir nicht vorstellen konnte.“ Sie denkt über das nicht immer einfache Zusammenleben der Generationen nach und berichtet, dass sie ihren Großvater noch oft besucht: „Er erzählt mir, was ich nicht verstehe und ich erzähle ihm, was er nicht versteht. Und dabei haben wir uns gegenseitig lieb.“

Die Unbekümmertheit des Kindseins und das lebenserfahrene Abwägen des Altseins bringt Sarah Lesch, Mutter eines 13-jährigen Jungen, wunderbar auf den Punkt: „Kinder denken immer nur von einer Sache zur nächsten Sache. Auf'n Baum klettern, 'runterfallen, Arm aufschrammen, wieder auf'n Baum klettern, wieder 'runterfallen, wieder Arm aufschrammen. Bis die Laternen angehen und die Mutti ruft. Bei alten Menschen ist das anders.“

Spirit im Raum mit den Händen zu greifen

Auf der Pantheon-Bühne unterstützt von zwei Bandmusikern, sitzt Sarah Lesch auf einem Barhocker, die Beine übereinandergeschlagen, ihre imposante, kunstvolle Dreadlockpracht zwischen lässig und nachlässig gebändigt. Sie hat ihre Gitarre umgeschnallt, und wenn sie in den großen Saal blickt und mit ihrer warmen, wissenden Stimme zum nächsten Lied überleitet, dann ist der Spirit im Raum fast mit den Händen zu greifen.

Sarah Lesch singt nicht allein über ihren „Lieblingsbeatle“ (der wäre, wenn überhaupt, einzig Ringo, aber ihre Auflösung ist eine ganz andere) oder über ihre jahrelange Wahlheimat Tübingen („Hätte nie gedacht, dass ich mal 'ne rasende Liebeshymne an 'ne schwäbische Kleinstadt schreiben würde“). Die gebürtige Thüringerin singt auch ein Lied von Franz Josef Degenhardt, und man kann sie mühelos auch in dessen Kontext sowie in der inhaltlichen Prägung eines Hannes Wader oder Hans Söllner sehen. „Ich hab' schon so oft gedacht, die alten Liedermacher haben doch schon alles erzählt. Aber dann habe ich gemerkt, dass es wirklich wichtig ist, seine eigenen Lieder in seiner eigenen Zeit zu singen.“

Das wird am deutlichsten in Sarah Leschs vorläufigem Opus Magnum, dem Lied „Testament“, das sie ursprünglich für ihren Sohn geschrieben hatte. Darin prangert sie unnachahmlich Ignoranz, Mitläufertum, Angepasstheit und Massengeschmack an. Das ungemein intensive Lied endet so: „Und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende, den Gefallen tu ich euch nicht/kein Augenzwinkern, keine milde Pointe, die das Unwohlsein wieder bricht/irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen, und falls es mich dann nicht mehr gibt, hinterlass' ich ein Kind, das sich selbst gehört/und dies' unhandliche Lied.“

Die nächsten Termine im Liedermacher-Sommer des Pantheon: Anna Katharina & Prinz Chaos (5. Juli), Florian Franke (8. Juli), Beginn jeweils 20 Uhr.

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