Bonn ist zweites Standbein: Kurzgeschichten für Musikliebhaber

Bonn ist zweites Standbein : Kurzgeschichten für Musikliebhaber

Der Verein KammerMusikKöln will sich mit einer zehnteiligen Konzertreihe im Villenviertel etablieren.

Der Auftritt des Signum Quartetts im Historischen Gemeindesaal der Bad Godesberger Erlöserkirche im vergangenen Februar sollte ein Versuchsballon sein. Der in seiner Heimatstadt bereits erfolgreich agierende Verein KammerMusikKöln wollte einfach mal ausprobieren, ober er in Bonn ein zweites Standbein etablieren könnte.

Das erste Konzert wurde ein Erfolg, das zweite auch. Und das dritte ebenso. Der erfreuliche Zuspruch ermunterte den Verein, in der nun beginnenden neuen Saison erstmals sämtliche zehn Kölner Konzerte in Bonn zu wiederholen. Auftakt im Historischen Gemeindesaal ist am Montag, 16. Oktober, 20 Uhr, mit Werken von Niels W. Gade (Klaviertrio F-Dur, op. 42), Felix Mendelssohn Bartholdy (Allegro brillante für Klavier vierhändig op. 92) und Robert Schumann(Klaviertrio g-Moll op. 110). Es spielen Suyoen Kim (Violine), Oren Shevlin (Violoncello), Nina Tichmann und Mariko Ashikawa (Klavier). Die Einführung übernimmt Peter Tonger, der auch Vorsitzender des umtriebigen Vereins ist.

Den Veranstaltern kommt es natürlich sehr entgegen, im Historischen Gemeindesaal bereits einen erprobten Konzertsaal für Kammermusik vorzufinden, wo der örtliche Pfarrer Norbert Waschk seit vielen Jahren in der Reihe "Ein Viertel" Konzerte mit herausragenden Künstlern veranstaltet, vom Quatuor Mosaique bis hin zur Pianistin Alice Sara Ott. In Köln nutzen sie den Sancta Clara-Keller, ein unterirdisches mittelalterliches Kellergewölbe des Stadtpalais als Hauptspielstätte.

Der Verein existiert seit 2011. Gegründet wurde er von Musikern des Gürzenich-Orchesters mit der Idee, in geeigneten Spielstätten klassische und zeitgenössische Kammermusik auf hohem Niveau aufzuführen. Die Konzerte werden von den Kölner Kammersolisten bestritten, unter deren Dach Musiker vom Gürzenich-Orchester, dem WDR Sinfonieorchester sowie Dozenten der Kölner Musikhochschule versammelt sind, die in unterschiedlichsten Besetzungen von Duo-Stärke bis hin zum 18-köpfigen Großensemble auftreten.

Interessant ist die Reihe auch deshalb, weil die Programme einem Saison-Motto unterworfen sind. In diesem Jahr ist dies "Short Stories". Unter diesem literarischen Begriff versammeln sie Musik von "Genies, die leider zu früh gestorben sind, von Komponistinnen, die stark gegen Vorbehalte zu kämpfen hatten", verspricht der Musiker und zweite Vorsitzende des Vereins, Tom Owen.

"Wir stellen einen Abend bei Schumanns zu Hause nach, wir verbinden die zwei Improvisationsformen Jazz und Barock, wir würdigen Komponisten, die im ersten Weltkrieg aktiv waren, dabei solche, die überlebt haben und andere, die der Musikwelt verloren gegangen sind."

Wie das konkret aussieht, kann man unter anderem am zweiten Konzertabend der Reihe, am 5. November, erleben, wenn das Horntrio von Johannes Brahms von Werken Franz Schrekers und Krzysztof Pendereckis flankiert wird. Vor allem Schreker, dessen Quintett für Klarinette, Horn, Violine, Violoncello und Klavier zu hören sein wird.

Er gehörte lange Zeit zu den Komponisten, die die durch die Aufführungsverbote während des Dritten Reichs jahrzehntelang vergessen waren und erst in jüngerer Zeit wieder häufiger aufgeführt werden.

In den acht weiteren Konzerten treffen immer wieder bekannte Klassiker des Konzertrepertoires wie Franz Schuberts "Forellen"-Quintett auf unbekanntere oder zeitgenössische Werke. Am 26. Februar tritt mit dem Trio Gaspard das einzige feste Ensemble auf. die Musiker spielen Klaviertrios von Gabriel Fauré, Bernd Alois Zimmermann und Franz Schubert. Zum Saisonabschluss am 2. Juli 2018 spielen die Gürzenich-Soloflötistin Alja Velkaverh und der Gitarrist Alberto Mesirca ein stilistisch breit gefächertes Programm mit Werken von Jacques Ibert bis Terry Riley.

Karten gibt es unter karten@kammermusikkoeln.de oder telefonisch unter (0176) 51742197. Weitere Infos auf kammermusikkoeln.de.