Konzert in Köln: Rod Stewart begeistert in Lanxess-Arena

Konzert in der Lanxess-Arena : Rod Stewart begeistert in Köln zwei Stunden lang

22 Songs in zwei Stunden: Rod Stewart begeisterte am Samstagabend mit einer fabelhaften Band in der Kölner Lanxess-Arena. Der 74-Jährige brachte die Arena schnell auf Betriebstemperatur.

Sir Rod Stewart in Zahlen: 74 Jahre alt, drei Ehen, acht Kinder, ein Vermögen von mehr als 200 Millionen Euro. Die besten Voraussetzungen für einen würdevollen Rückzug aus dem Popmusikgeschäft, das er seit 50 Jahren erfolgreich betreibt. Der 1945 in London geborene Musiker hält dagegen: „Wissen Sie, was mit Männern passiert, die aufhören zu arbeiten? Sie bekommen einen Herzinfarkt.“ Also will er weitermachen -- „bis ich die Glocke läuten höre“ und solange ein bisschen Luft in den Lungen bleibt.

Das Konzert in der Kölner Lanxess-Arena mit 22 Songs in zwei Stunden gab ihm recht. Stewart und seine fantastische Band, darunter sechs Musikerinnen, die nebenbei den Text des Liedes „Hot Legs“ beglaubigten, lieferten einen Auftritt ab, der vieles vereinte: Gesangs-, Schlagzeug-, Saxofon- und Gitarrenpower, Witz und Sex-Appeal, originelle Videokunst und rauschhafte Mitsingkultur. Und ganz viel Lebensfreude. Abgesehen von einigen privaten und gesundheitlichen Widrigkeiten in der Vergangenheit, kann Stewart noch immer singend feststellen: „Some Guys Have All The Luck“. Er ist einer von ihnen.

Der Sänger brachte die Arena mit „Love Train“, „Hot Legs“ und „Young Turks“ auf Betriebstemperatur. Die Zeile „Time, time, time is on your side“ aus „Young Turks“ ummantelte der Mann mit der heiser-sinnlichen Stimme mit einer Lage sanfter Ironie. Große Verführungsoper lieferte „Tonight’s The Night (Gonna Be Alright)“. Der Song gehört wie „Maggie May“ zum popkulturellen Allgemeingut. Stewart hat diese Klassiker zum kollektiven Mitsingen und Mitklatschen freigegeben, im Fall von „Maggie May“ mit projiziertem Liedtext. Das interaktive Erlebnis genossen beide: die auf der Bühne und die davor.

Genuss und Spaß prägten auch „Forever Young“, das Stück mündete in einem Country- und Steptanzfinale. Willkommen in Rods Saloon. Er plant übrigens ein Country-Album. „Tonight I’m Yours“ bot zwei Schlagzeugern und der Perkussionistin Julia Thornton Gelegenheit zu einem Weltklasse-Trommelgipfel, während Sir Rod sich hinter der Bühne umzog. Immer wieder kehrte er in neuem Outfit zurück, um dem Greatest-Hit-Spektakel kunstvolle Augenblicke zu verleihen. Zum Beispiel mit der Ballade „I’d Rather Go Blind“ von 1972 und natürlich mit „Sailing“. Das Lied hatte in Stewarts Vortrag nichts von der umwerfenden Emotionalität von 1975 verloren.

Fußbälle im Publikum

Der Mann kann Disco und Stadionhymnen wie „Da Ya Think I’m Sexy?“ und „Baby Jane“, er kann aber auch intimes Kammerspiel mit Seele und Tiefgang. Ihm nahestehende Stücke von Kollegen wie Cat Stevens („The First Cut Is The Deepest“) interpretiert er immer noch so engagiert, als ginge es um alles oder nichts.

Dann schalteten sie in der Arena das Licht an, und der Fan von Celtic Glasgow ließ Fußbälle ins Publikum katapultieren. Stewart, der früher einmal von einer Karriere als Profifußballer träumte, trat auch selbst kompetent gegen den Ball. Auf der virtuos bespielten Videowand setzten sich Bilder zu Bruchstücken einer Autobiografie zusammen.

„Rhythm Of My Heart“ war mit historischen Aufnahmen eine Hommage an englische Soldaten und an Winston Churchill. „Rollin’ And Tumblin’“, der letzte Song des Abends, erinnerte an große Vorbilder wie Sam Cooke und Muddy Waters. Ohne sie wäre Rod Stewart nicht Rod Stewart.

Danach war Schluss, aber der Sänger wird wiederkommen. Er kann nicht anders. „Ich habe mir ein Tom-Jones-Konzert angeschaut“, hat er vor rund 20 Jahren gesagt. „Wollte mit ein paar alten Freunden mal kräftig ablachen, aber er war unglaublich gut. Ein beruhigendes Erlebnis: Der Mann ist 60. So kann man alt werden.“

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