Bonner Ausstellungsmacher und Publizist: Klaus Honnef feiert 80. Geburtstag

Bonner Ausstellungsmacher und Publizist : Klaus Honnef feiert 80. Geburtstag

Klaus Honnef feiert am 14. Oktober seinen 80. Geburtstag. Er selbst sagt, dass er niemanden entdeckt habe. Aber zur Blüte gebracht hat der Bonner Ausstellungsmacher und Publizist etliche Künstler, etwa Gerhard Richter.

Entdeckt habe er niemanden, meint Klaus Honnef, aber zur Blüte gebracht hat der Bonner Ausstellungsmacher und Publizist etliche Künstler. Die Liste ist eindrucksvoll. Der sicherlich heute prominenteste ist der Maler Gerhard Richter. Als Feuilletonchef der "Aachener Nachrichten" hatte Honnef in den späten 1960er Jahren Witterung von Richter aufgenommen. Von K.O. Götz kam der heiße Tipp, sich den scheuen Dresdner einmal anzuschauen: "Guck dir mal den Richter an!" 1969 war es so weit: Honnef zeigte Richter in seinem Ausstellungsort "Gegenverkehr - Zentrum für aktuelle Kunst" in Aachen. Die erste große institutionelle Schau des heutigen Megastars der Kunstszene. Ein Riesenerfolg, sagt Honnef, der über die Jahre den Kontakt zu Richter hielt, ihn beobachtete, aber nie wieder ausstellte. "Ich gehöre nicht zu denen, die den Knochen bis zuletzt abnagen", sagt Honnef schmunzelnd.

Am 14. Oktober wird er 80. Und er hat sich für sich und seine vielen Leser ein feines Geschenk ausgedacht: 50 Jahre nach dem ersten Kontakt mit Richter hat er seine Gedanken zu diesem herausragenden Maler aufgeschrieben, Ende Oktober erscheint das Werk im Kölner Taschen Verlag. Kein trockener 600-Seiten-Wälzer, winkt Honnef ab, sondern ein schmales Buch, in dem der Autor fundiert, aber in bewährt feuilletonistischem Duktus über Richters Kunst schreibt.

Nein, es sei nicht einfach das 1001. Buch über Gerhard Richter, es sei etwas Besonderes, sagt er sichtlich vergnügt und gespannt auf das gedruckte Ergebnis. Sein Ansatz: "Ich wollte einen ganz neuen Blick auf Richter werfen, das Werk aus der malerischen Praxis heraus interpretieren auf der Schiene von Pierre Bourdieus großen Vorlesungen und dessen abgebrochenem Essay über Manet." Honnef wollte ergründen, warum dieses Werk so diskutiert wird, woher Richters Unsicherheit komme. Es gehe auch darum, das Werk im Kontext seiner Zeit zu betrachten. Zum Beispiel habe die Konzeptkunst Richter unheimlich beschäftigt "und in große Turbulenzen gestürzt", denn für die Konzeptkünstler sei Malerei obsolet gewesen, was wiederum Richter selbst am Sinn seiner Malerei habe zweifeln lassen. Es heißt, Richter habe am Ende dieser Zweifel begonnen, Fotos abzumalen. Dabei sei es ganz anders gewesen, sagt Honnef: "Er malte Fotografie, ist im Grunde ein Fotograf mit dem Pinsel." Er habe sich mit dem Medium sehr intensiv befasst. "Richter ist einer der besten Fotokenner, die ich kenne", sagt der Fotoexperte Honnef. Was ihm bei seinen Recherchen auffiel: Richter sei ein extrem gut ausgebildeter Maler und ein großes Talent, und doch sei ihm die westliche Kunst, insbesondere die Abstraktion, fremd geblieben. Erst an der Düsseldorfer Akademie habe er sich - das erfuhr Honnef von K.O. Götz - malend alle Stilrichtungen und Haltungen der westlichen Malerei sozusagen einverleibt. Er ist ein pictor doctus, ein gelehrter Maler, der seine ganze Theorie aus der Praxis der Malerei schöpfe.

Honnef: "Er ist der felsenfesten Überzeugung, das teile ich auch, dass man in der Malerei Dinge ausdrücken kann, die man im Kern weder im Film noch im Video noch in der Fotografie ausdrücken kann." Gerade in den politischen, historischen Bildern sei dies der Fall: Ohne konkret zu werden, treffe er etwa im Meinhof-Zyklus oder den Auschwitz-Birkenau-Bildern exakt die Essenz der Geschichte - "es ist alles da, wird aber nicht illustrativ".

Honnef kommt auch ins Schwärmen: "Richter ist ein leidenschaftlicher, ein obsessiver Maler, vielleicht der letzte große Maler in der Phase der Renaissance bis heute." Wie hat er ihn 1969 erlebt? "Richter ist ein sehr freundlicher, zurückhaltender Mann, ich bin das auch. Irgendwie ist das immer eine Hemmschwelle zwischen uns, obwohl wir uns so gut kennen", erinnert sich Honnef, der 1969 von Richter alles zeigte, "was er hatte", von den fotografischen Bilder bis zu den Dschungelbildern. Damals zeigte sich, "was ich noch immer an Richter schätze: dass er den Erwartungen nicht entspricht". Er habe ihn gefragt, warum er die Stile wechsele, Richter meinte, er sei unsicher.

Honnef erinnert sich an die Aachener Richter-Schau: Galerist Rudolf Zwirner war entsetzt über Honnefs Petersburger Hängung, Richter dampfte noch vor der Eröffnung ab, die ganze Szene aber kam, "die Leute waren hingerissen", die Ausstellung wurde zum Erfolg. Seitdem habe Richter keinen Kurator mehr an seine Ausstellungen gelassen.

"Dass Richter einer der führenden Maler in der ganzen Welt werden würde, war damals vielen klar", erzählt Honnef, "nach Aachen ging die Post ab." Große Ausstellungen, documenta, Publikationen. Honnef hat wiederholt über ihn geschrieben. "Die Tizian-Paraphrasen fand ich fantastisch, programmatisch, sie zeigen Richter als Maler-Maler, vielleicht der Beste und Größte, den es in diesem Jahrhundert gegeben hat." Honnef schätzt auch besonders die politischen Bilder wie den RAF-Zyklus.

1969 war nicht nur der Start von Richters Karriere, auch bei Honnef nahm die Entwicklung in jener Zeit Fahrt auf. 1965 war der Sportreporter und Filmkritiker Honnef Deutschlands jüngster Feuilletonchef bei den "Aachener Nachrichten" geworden. 1968 gründete er in Aachen den Verein "Gegenverkehr - Zentrum für aktuelle Kunst", wo alles ausstellte, was Rang und Namen hatte: Peter Brüning, Wilfried Gaul, Rupprecht Geiger, Richter, Günther Uecker und viele andere.

1970 wurde der umtriebige Ausstellungsmacher bei der Zeitung gefeuert, zog weiter, wurde Geschäftsführer des Westfälischen Kunstvereins in Münster.

Harald Szeemann berief ihn zur documenta 5 (1972), auch bei der documenta 6 (1977) war er beteiligt - inzwischen mit seiner Frau Gabriele Honnef-Harling, die ihm noch immer bei allen Projekten und Publikationen zur Seite steht. Honnef wechselte 1975 ans Bonner Rheinische Landesmuseum, zeigte zeitgenössische Fotografie von Candida Höfer bis Helmut Newton, ferner Rosemarie Trockel, Isa Genzken und andere.

Honnefs Ausstellungen "Pantheon der Fotografie im 20. Jahrhundert" und "Deutsche Fotografie - Macht eines Mediums" (beide in der Bundeskunsthalle) sowie "Lichtbildnisse - Das Porträt in der Fotografie" und "Und sie haben Deutschland verlassen... müssen" (beide im Landesmuseum) waren ebenso wegweisend wie sein Engagement, Fotografie gleichberechtigt mit Malerei und Skulptur im Museum zu präsentieren. Im Bereich der Fotografie ist Honnef, der in Zeitschriften und Zeitungen, in Büchern und seit Jahren auch intensiv auf Facebook publiziert, ohnehin einer der gefragtesten Experten.

Jetzt ist der Doyen der Fotografie 80. Wie geht's weiter? "Ich fange an, langsamer zu produzieren." Ein paar Buchbeiträge, Vorträge, die täglichen Facebook-Postings. Ein großes Thema reizt ihn noch: die "zweite Revolution", Zero. In der Mache sei ferner eine Klaus-Staeck-Ausstellung. Und wie steht es mit der zeitgenössischen Kunst? Er beobachtet sie nicht mehr so intensiv wie früher, geht selten in Galerien. "Ich verstehe auch nicht mehr alles."