„Bonner Testament“ von Paul Schaffrath: Kein „Regio“-Krimi, sondern ein guter

„Bonner Testament“ von Paul Schaffrath : Kein „Regio“-Krimi, sondern ein guter

In seinem dritten Krimi um die kauzigen Ermittler Krüger (Bonn) und Blackmore (Oxford) zeigt der Rheinbacher Autor Paul Schaffrath seine Zuneigung zur angelsächsischen Krimitradition.

„In roten Druckbuchstaben war unmißverständlich zu lesen: Wolfgang, du bist tod! “Rechte Schreibung ist einfach viel zu schwierig„, murmelte Schneider.“ Ein Lehrer liegt erdrosselt im inoffiziellen Raucherkabuff des Rheinbacher Gymnasiums. Ebenso erdrosselt liegt ein Mitarbeiter im Antiquariat an der Turl Street in Oxford. Im echten Leben ist so etwas Zufall. In der Literatur jedoch gibt es natürlich einen Zusammenhang zwischen den 700 Kilometer voneinander entfernten Morden. Paul Schaffrath konstruiert ihn in seinem neuen Kriminalroman auf erfreulich unkonstruierende Art.

Wie in „Bonner Fenstersturz“ (2015), Schaffraths erstem Krimi um die kauzigen Ermittler Krüger (Bonn) und Blackmore (Oxford), lässt der Rheinbacher Autor zwei getrennte Handlungsstränge in Deutschland und England ganz allmählich zusammenlaufen.

Vorteil 1: Für die Berührungspunkte zwischen beiden Teams gilt das Prinzip „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ – die internationale Zusammenarbeit schießt nicht unrealistischerweise auf Knopfdruck aus der Ecke hervor wie in so vielen anderen Büchern.

Vorteil 2: Schaffrath gönnt seinen Figuren persönliche Entwicklung, statt sie zu Abziehbildern erstarren lassen. Krüger zum Beispiel hat seine Marotte gesundgeschrumpft, jeden Grammatikverstoß seiner Mitmenschen erbarmungslos plattzurügen. Inzwischen pflegt er seine Sprachpolizei-Attitüde (zumeist) im Stillen: „Der Vorname klang wie Rallef. Krüger bewunderte jedes Mal die Fähigkeit besonders der Kölner, einsilbige Wörter zweisilbig auszusprechen. Die Zweisilbigkeit galt auch für Getränke wie Millesch oder Geschmacksverstärker wie Sennef.“

Vorteil 3: Die aus Buch 1 bekannte Freundschaft zwischen Krüger und Blackmore ist kein Selbstläufer; die beiden Geistesverwandten sind zu charakterstark, als dass sie nicht bisweilen auch gehörig aneinanderrasseln könnten.

Dass die besondere Zuneigung Schaffraths der angelsächsischen Krimitradition gilt, zeigt sich an zahlreichen liebevollen Anspielungen („Blackmore musterte Rosie irritiert. Wagner hatte solche Figuren gemocht. Jedenfalls hatte er sich das mal von Morse berichten lassen, einem leider viel zu früh verstorbenen Kollegen“).

Geradezu klassisch das Schlusskapitel – die Ermittler laden die Verdächtigen zur Aufklärung des Falles. Jedoch mit augenzwinkerndem Bruch in der Dramaturgie: Statt ins Kaminzimmer des Landhauses geht's ins Feinschmeckerrestaurant nach Lannesdorf („Was feiern wir eigentlich?“ „Eine Festnahme. Erzählen wir gleich.“).

„Rheinland-Krimi“ steht auf der Titelseite. Ein verzeihlicher Etikettenschwindel. Paul Schaffraths Bücher zählen nicht zu diesen „Regio“-Werken, die sich in der eigenen Kulisse verstecken müssen, damit keiner merkt, wie mager sie sind. Passender wäre: „Guter Krimi“.

(Paul Schaffrath: Bonner Testament. cmz-Verlag, 293 S., 12,95 Euro)

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