Milow in der Live Music Hall: Karibische Leichtigkeit

Milow in der Live Music Hall : Karibische Leichtigkeit

Der belgische Sänger Milow und Band spielte in der Live Music Hall in Köln. Er entpuppte sich als stilsicherer Meister aller Stimmungslagen.

Ziemlich genau vor zwei Jahren gab Milow ein Konzert vor rund 1800 Fans im Kölner E-Werk. Das Konzert, das der belgische Musiker im Rahmen seiner „Modern Heart“-Tour jetzt in der Live Music Hall gab, war gleichfalls nahezu ausverkauft, allerdings jubelten in der kleineren Halle lediglich rund 1200 Fans.

An der musikalischen Qualität des sympathischen belgischen Singer/Songwriters, der eigentlich Jonathan Vandenbroeck heißt, hat der Publikumsverlust sicherlich nicht gelegen. Eher dürfte die Ursache in der gegenwärtigen Konzertdichte sowie in der Zunahme von Künstlern im Segment Singer/Songwriter liegen.

Von reichlich Bühnennebel eingehüllt, startet Milow, der von einer fünfköpfigen Band unterstützt wird, mit „Running Blind“ das Konzert. Der Song vom neuen Album „Modern Heart“ hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck. Wie in dieser Jahreszeit ausgelassene Sommerlaune erzeugt werden kann, beweist Milow dann mit „Howling At The Moon“. Milow entpuppt sich als stilsicherer Meister aller Stimmungslagen, wobei ihm die Vermittlung eines positiven Lebensgefühls offenkundig näher liegt als das genretypische liedermacherhafte Hadern mit dem eigenen Leben und der Welt.

Gleichwohl entsteht bei „Echoes In The Dark“, bei dem Milow sich stimmlich eng an seine Sängerin Nina schmiegt, eine wunderbare musikalische Intimität. Doch spätestens bei „You And Me“, bei dem Milow auf den afrikanischen Spuren von Paul Simons „Graceland“ wandelt, ist wieder musikalische Lebensfreude angesagt. Mit „Lonely One“ begibt sich Milow mutig in neue Soundsphären, es klingt, als wolle er jetzt auch das Dancefloor-affine Publikum überzeugen. „Ayo Technology“ wird noch immer begeistert bejubelt. Doch längst hat der 35-Jährige bewiesen, dass er jenseits intelligenter Coverversionen über ein eigenes Musikerprofil verfügt.

Aus der Masse sticht Milow heraus, weil er es exzellent versteht, Atmosphäre zu erzeugen, die sich aus zwar jeweils unterschiedlichen Stimmungsströmen ergibt, für sich genommen dennoch sehr authentisch ist. Da ist einerseits seine Gitarre, die fast nach einer Ukulele klingt und daher häufig eine karibische Leichtigkeit verströmt, und andererseits seine melancholische Stimme, die stets verhindert, dass seine Songs ins Seichte abgleiten. „No, No, No“ klingt zwar nach definitivem Konzertende, wäre da nicht die Begeisterung der Fans, die Zugaben fordert.

Die will Milow nicht verwehren und stimmt neben „Way Up High“ auch nochmals „Howling At The Moon“ an.

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