Spielzeiteröffnung: Hagen Rether füllt die Bonner Oper

Spielzeiteröffnung : Hagen Rether füllt die Bonner Oper

Hagen Rether wirft in der ausverkauften Oper einen unverstellten Blick auf eine zutiefst instabile Gesellschaft. Das dauert vier unterhaltsame Stunden lang.

Am Anfang des Abends zur Spielzeiteröffnung im Bonner Opernhaus steht eine interessante Feststellung: Die Sitze sind neu – statt des vormals undefinierbaren Hellbrauns nun also mittelblau. Dem schließt sich mit Blick auf die Bühne, auf den Flügel dort, auf die Bananen und das Mineralwasser – die klassischen Attribute des Hagen Rether – unmittelbar die Frage an: Wie werden sich diese Sitze nach etwa vier Stunden anfühlen? Das ja aller Erfahrung nach ein klassisches Intervall für Herrn Rether ist.

Die Antwort: Auch vier Stunden können sich ausgesprochen kurzweilig gestalten, wenn der Künstler dort in seinem Bürostuhl in Form ist. Und das lässt sich von Rethers jüngstem und restlos ausverkauften Gastspiel in der Reihe „Quatsch keine Oper“ mit Fug und Recht sagen. Ihm gehe es um Grundsätzliches, sagt er, schlägt die Beine übereinander, wischt einen Fussel von der Hose. Tagesaktuelles kann Platz finden, muss aber nicht. Was so natürlich einer groben Untertreibung gleichkommt. Denn was könnte aktueller sein als der unverstellte Blick auf eine zutiefst ungleiche, hektische und zusehends instabile Gesellschaft, die sich von Ängsten und Angstmachern wie ein Schwarm Fische von rechts nach links und wieder zurück treiben lässt. Eine Gesellschaft, die mit der Rechten kokettiert und dabei mutwillig und leichtfertig mit ihrer demokratischen Freiheit spielt. Was man hat, vermisst man nicht.

Rethers Mienenspiel macht jedes weitere Wort überflüssig. Anderseits kann es, so findet er, durchaus nicht schaden, bei Gelegenheit daran zu erinnern, dass vieles, was sich die konservativen Eliten dieser freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ans Revers heften, gut 20 Jahre zuvor von „linken Spinnern und Ökohippies“ initiiert wurde. Von denselben, deren Warnungen vor dem Klimawandel dieser Tage ebenso konsequent überhört werden. Sind ja noch 20 Jahre Zeit. Oder auch nicht, wie Rether konstatiert. Pointiert und unmissverständlich

Quatsch keine Oper: Lesung mit Martin Suter – „Allmen und der Koi“,2. November, 20 Uhr. Karten gibt es in allen Bonnticket-Vorverkaufsstellen.

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