Theater im Ballsaal: Festival "west off" zum neunten Mal in Bonn

Theater im Ballsaal : Festival "west off" zum neunten Mal in Bonn

Das Festival "west off" präsentiert in Bonn vier Produktionen zwischen Punk, Ballett, Theater und Performance

Auflösung und Neuerfindung, Dekonstruktion und Restauration: Die Bühnenformen der Gegenwart befinden sich in einem Wandel. Der gesellschaftliche Umbruch durch die Auswirkungen von Digitalisierung und Flüchtlingskrise, die unter anderem in neuen Abgrenzungen und alternativen Fakten münden, steht immer häufiger im Zentrum der theatralen Debatte.

Das Festival west off, das 2018 zum inzwischen neunten Mal als Kooperationsprojekt des Theaters im Ballsaal, des FFT Düsseldorf und der Studiobühne Köln die Arbeiten junger Theaterschaffender zeigt, bildet diese Vielfalt im diesjährigen Programm exemplarisch ab und präsentiert ungewohnte Konzepte und Darstellungsformen, die mal mit dem Raum und dann wieder mit den Genres spielen, mit Erwartungshaltungen brechen und dem Publikum Impulse entgegenschleudern.

„In der engeren Auswahl für das Festival hatten wir überdurchschnittlich viele Stücke, die sich mit politischen Themen wie etwa dem Hambacher Forst beschäftigen“, erklärt Svenja Pauka, Geschäftsführerin des Theaters im Ballsaal und Dramaturgin von west off 2018. „Einiges war uns allerdings etwas zu plakativ, so dass wir uns letztlich für vier Produktionen entschieden haben, die noch mit einer anderen Ebene arbeiten.“

Wandelnde Rollenbilder

Und die zudem Formate bedienen, die nicht so oft gewählt werden, so wie die Lecture-Performance „Mansplaining“ von Marcel Nascimento, die als Antwort auf die #metoo-Debatte der wahren Männlichkeit nachspürt. Was macht diese aus angesichts sich wandelnder Rollenbilder, Sexismus-Vorwürfen und Unisex-Toiletten? Fragen, die mit Hilfe von Bewegung und Text in Bilder gefasst werden sollen.

Ohnehin spielt die Suche nach Identität und Realität eine wichtige Rolle im diesjährigen Festival. Auch die Premiere der Raumin-stallation „Moments of Being“ nach einer Idee von Silvana Mammone nimmt darauf Bezug.

Die Besucher können sich dabei frei im labyrinthisch gestalteten Raum bewegen, geleitet von einem Musiker und einem Schauspieler. Die Trennung von Publikum und Bühne löst sich somit auf, ähnlich wie vermutlich auch bei der radikalen Tanz-Performance „Don't Come On“ von Katharina Roll. „Sie sieht im Punk etwas Reines und greift auf die Prinzipien des Verzichts und des Widerstands zurück, um Theater auf das Notwendigste zu reduzieren“, erklärt Pauka. „Unter anderem verwendet sie dabei Elemente der Pantomime sowie des japanischen Butoh.“

Demgegenüber dürfte sich „Milk and Ashes“ als überaus stringente Darbietung erweisen. „Dieses Stück von Annalaura Beckmann und Jonas Schiffauer ist das einzige Werk des Festivals mit einer verbindenden Geschichte“, so Pauka. Das Märchen von zwei Menschen, die aus ihrem Gefängnis aus einer Armlänge Abstand und einem Ausfallschritt Glück ausbrechen, setzt dabei auf die Mittel des Physical Theatre und des modernen Zirkus.

„Das ist eine Strömung, die wir seit etwa vier Jahren regelmäßig erleben“, sagt Pauka. Die Vielfalt des Festivals bietet also für jeden etwas. Hingehen lohnt sich.

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