40 Jahre Rockpalast Nacht: Erinnerungen an die Kult-Sendung des WDR

40 Jahre Rockpalast Nacht : Erinnerungen an die Kult-Sendung des WDR

Der WDR feiert „40 Jahre Rockpalast Nacht“ mit einigen spannenden Sondersendungen. Auch die allererste Konzertübertragung vom Juli 1977 wird wiederholt. Ein kleiner Blick zurück zu den Anfängen.

Es ist die Nacht vom 23. auf den 24. Juli des Jahres 1977. In der Grugahalle Essen wird ein Stück Musik- und Fernsehgeschichte geschrieben. Erstes Kapitel: Auf der Bühne spielen der irische Ausnahmegitarrist Rory Gallagher, die kalifornische Rockband Little Feat und Roger McGuinn‘s Thunderbyrd – der Byrds-Frontmann hat seine neue Band ein paar Monate zuvor frisch gegründet. Das Westdeutsche Fernsehen überträgt live, aber nicht nur in bundesdeutsche Wohn- oder besser: Kinder- und Jugendzimmer. Auch in Dänemark, Norwegen, Schweden, Österreich und Irland sind die Konzerte zu sehen. Wer einen Fernseher mit schlechtem Sound hat, muss nicht darben: Der ARD-Hörfunk ist ebenfalls auf Sendung, was den Abend via Stereoanlage zu einem ersten multimedialen Ereignis macht.

Die Rocknächte des WDR Rockpalast nehmen schnell Fahrt auf. Im März 1978 spielen unter anderem Spirit und Mother’s Finest, im September 1978 Peter Gabriel, Ten Years Later und die Paul Butterfield Band. Zwei sechsstündige Shows pro Jahr werden zur Regel, wobei immer mehr aktuelle oder spätere Superstars, auch mit Blick auf die europaweite Strahlkraft, die Essener Bühne beehren.

Zum musikalischen Triumphzug gerät der Auftritt von The Police im Oktober 1980, unvergessen bleibt bei vielen Fans auch das Doppelkonzert von The Who und Grateful Dead im März 1981.

Moderatoren der Sendung erreichen Kultstatus

Peter Rüchel, lange Jahre Leiter des Jugendprogramms beim WDR Köln, hatte zusammen mit dem Regisseur Christian Wagner die Idee zu diesem völlig neuen Format. Den „Rockpalast“ als Musiksendung gab es bereits seit 1974, mit den Rocknächten erregte man dann internationales Aufsehen: Selbst amerikanische Topstars wie Al Jarreau, Patti Smith, Johnny Winter oder Jackson Browne begaben sich auf den Weg nach Essen.

Aber nicht alle folgten dem Ruf: Rüchel, ein glühender Verehrer des US-Musikers Bruce Springsteen, unternahm mehrmals den Versuch, den „Boss“ für ein Konzert zu verpflichten. Ohne Erfolg. Immerhin gelang es dem WDR-Redakteur, den Springsteen-Gitarristen Little Stevens mit den Disciples Of Soul im Oktober 1982 zu gewinnen.

Einen gewissen Kultstatus erreichten auch die Moderatoren der Rocknächte. Der smarte Brite Alan Bangs agierte mit viel Charme, der Deutsche Albrecht Metzger setzte seine Duftmarke mit der standardisierten Ansage: „German Television proudly presents – Liebe Freunde, heute zu Gast bei uns im Rockpalast …“.

Im März 1986 ging die letzte Rocknacht über die Bühne – mit Big Country, BAP und Jackson Browne. Der „Rockpalast“ indes lebt in verschiedenen Formaten weiter. So veranstaltet Rüchels Nachfolger Peter Sommer seit September 2003 im Bonner Musikclub Harmonie zweimal jährlich das Festival Crossroads jeweils mit acht internationalen Bands an vier Tagen. Nächster Termin: 18. bis 21. Oktober 2017.

Das Jubiläum wird gefeiert mit zwei Fernsehnächten. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 2017 sendet die ARD ab 0.40 Uhr die 45-minütige Dokumentation „40 Jahre Rockpalast-Nacht – I've lost my mind in Essen“ und Konzerthöhepunkte aus vier Jahrzehnten. Das WDR Fernsehen widmet dem Rockpalast vom 28. auf den 29. Juli von 23.30 bis 7.20 Uhr ebenfalls eine Nacht mit einem „Best of“ und einer Wiederholung der ersten Rocknacht vom Juli 1977. Auch ONE zeigt ab dem 24. Juli verschiedene „Rockpalast“-Konzerte.

Infos:www.rockpalast.de; www.harmonie.bonn.de

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