Kommentar zu Beethoven-Jubiläum: Emotionen zählen

Kommentar zu Beethoven-Jubiläum : Emotionen zählen

Oberspielleiter Lorenz ist es nicht gelungen, ein Ensemble starker Persönlichkeiten zu formen, kommentiert Dietmar Kanthak den personellen Wechsel beim Beethovenfest.

Trennungen sind nicht immer ein Anlass für tief empfundene Ehrlichkeit. Mit den lobenden Worten „Für seine Leistungen sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet“ hat Michael Kranz, Vertreter der Stiftung Beethoven-Haus Bonn, den scheidenden künstlerischen Geschäftsführer der Beethoven Jubiläums Gesellschaft, Christian Lorenz, verabschiedet. Könnte man auch so lesen: Er hat sich bemüht. Lorenz sollte den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens 2020 zu einem Ereignis machen. Dafür stehen der Jubiläumsgesellschaft rund 30 Millionen Euro Fördergelder von Bund, Land NRW, der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zur Verfügung.

„Wir wollen hier bei uns in der Region ein Feuerwerk abbrennen, das nicht nur bei uns sichtbar sein, sondern weltweit ausstrahlen soll“, sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan im März. Zu sehen ist davon bisher wenig. Der Internetauftritt von BTHVN 2020 zum Beispiel ist eine verschachtelte Zumutung, nationale Wirkung hat das Unternehmen noch nicht entfalten können, von internationaler Ausstrahlung ganz zu schweigen. Selbst lokale Begeisterung ist nur vereinzelt messbar.

Oberspielleiter Lorenz ist es nicht gelungen, ein Ensemble starker Persönlichkeiten – Generalintendant Bernhard Helmich, Beethovenfest-Chefin Nike Wagner sowie Beethoven-Haus-Direktor und Lorenz-Nachfolger Malte Boecker – zu einem Gewinnerteam zu formen. Ist nun alles verloren, droht Bonn eine Blamage? Boecker zeigt sich zuversichtlich, die Fülle von Herausforderungen zu meistern. Was dem spröden Lorenz vermutlich gar nicht bewusst war, sollte dem neuen Chef ein besonderes Anliegen sein: die Herzen der Menschen zu erobern. Beethoven bedeutet Emotion.