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CHRONIK DER US-AMOKLÄUFE SEIT 1999: Eine Schießerei alle paar Monate

CHRONIK DER US-AMOKLÄUFE SEIT 1999 : Eine Schießerei alle paar Monate

Schulen und Universitäten sind besonders häufig Ziele von männlichen und meist jungen Tätern mit Pumpguns, halbautomatischen Pistolen und Schrotflinten. 2007 in Blacksburg fielen 175 Schüsse in 15 Minuten.

Wir sind das einzige fortschrittliche Land der Erde, das diese Massenschießereien alle paar Monate erlebt“, sagte US-Präsident Barack Obama am 2. Oktober 2015, nachdem im Umpqua Community College im beschaulichen Roseburg im Bundesstaat Oregon ein 26-Jähriger neun Menschen erschossen hatte. Nach einem CNN-Bericht fragte der Täter die Opfer zuvor nach ihrer Religionszugehörigkeit und sagte: „Weil ihr Christen seid, werdet ihr Gott in wenigen Sekunden gegenüberstehen.“ Nach der Tat erschoss den jungen Mann die Polizei.

Der Streit um das umstrittene Waffenrecht bestimmt auch die aktuelle Debatte der republikanischen Kandidaten für das Präsidentenamt. Donald Trump, der aussichtsreichste Bewerber, spricht der US-Waffenlobby aus der Seele. Im Bundesstaat Vermont plädierte er kürzlich dafür, „waffenfreie Zonen in Schulen abzuschaffen“. Er sagte: „Wisst ihr, was eine waffenfreie Zone für einen Perversen ist? Ein Köder.“

Mehr Waffen, mehr Sicherheit – diese Logik vertreten auch die rund 140 000 Waffenhändler im Land des unbegrenzten Schusswaffen-gebrauchs, während Präsident Obama Anfang Januar einen Zehn-Punkte-Plan zur Verschärfung der Waffengesetze vorgelegt hat: Er soll (am von den Republikanern dominierten Senat und Repräsentantenhaus vorbei) verhindern, dass Pistolen und Gewehre unkontrolliert im Supermarkt gekauft werden können und so in die Hände von psychisch Kranken geraten. Immer wieder geraten die USA durch Amokläufe weltweit in die Schlagzeilen.

Die schlimmsten Tragödien in den vergangenen 16 Jahren:

20. April 1999: In Littleton (US-Bundesstaat Colorado), ermorden zwei Schüler, 17 und 18 Jahre alt, an der Columbine-Highschool zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. Anschließend töten sie sich selbst. Ihre Waffen: eine Pumpgun, eine halbautomatische Pistole und eine Schrotflinte. Die Eltern der Amokläufer lassen deren Leichen aus Angst vor Grabschändungen einäschern.

21. März 2005: In Red Lake (Minnesota) erschießt ein 15-jähriger Teenager erst seine Großeltern und dann in seiner Schule einen Wachmann, einen Lehrer und fünf Schüler. Danach tötet er sich selbst.

2. Oktober 2006: Ein 32-jähriger Amokläufer dringt in die Dorfschule in Nickle Mines (Pennsylvania) ein und ermordet fünf Mädchen der Religionsgesellschaft der Amish. Nach der Tat tötet er sich.

16. April 2007: Auf dem Campus der State University in Blacksburg (Virginia) erschießt ein südkoreanischer Student (23), der 1992 mit seinen Eltern in die USA eingewandert war, 32 Menschen: 5 Dozenten und 27 Studenten. Ein aus Rumänien stammender Maschinenbau-Professor hatte sich dem Amokläufer, der zwei legal erworbene halb-automatische Feuerwaffen bei sich trug, in den Weg gestellt, womit er seinen Studenten die Flucht aus dem Fenster ermöglichte. Der Südkoreaner, der in 15 Minuten rund 175 Schüsse abgab, war zwei Jahre zuvor von einem Richter als „geistesgestört“ bezeichnet worden.

24. Dezember 2008: Ein 45-jähriger Luftfahrtingenieur erschießt im Weihnachtsmann-Kostüm in Los Angeles im Rahmen eines Beziehungsdramas neun Menschen und sich selbst.

3. April 2009: Ein vietnamesischer Einwanderer (42) erschießt in einem Sozialzentrum in Binghampton (New York) 13 Menschen und sich selbst.

5. November 2009: Auf dem Militärstützpunkt Fort Hood (Texas), dem mit 45 000 Soldaten größten der USA, erschießt ein aus Jordanien stammender Psychiater 13 Soldaten und verletzt 32 schwer. Danach trifft ihn eine Polizeikugel. Seitdem ist er vom Kopf an gelähmt.

12. Oktober 2011: Im Badeort Seal Beach (Kalifornien) betritt ein Ex-Soldat einen Friseursalon und erschießt acht Menschen, darunter die Mutter seines Kindes. Er lässt sich widerstandslos festnehmen.

2. April 2012: Ein 43-jähriger Koreaner tötet in der christlichen Universität von Oikos in Oakland (Kalifornien) sieben Menschen – die Opfer müssen sich wie bei einer Hinrichtung vor einer Mauer aufreihen. Der Täter stellt sich.

20. Juli 2012: Während der Premiere eines neuen „Batman“-Films in einem Kino in Aurora (Colorado) feuert ein 24-Jähriger auf die Besucher: 12 Menschen im Alter zwischen 6 und 51 Jahren sterben, 58 werden verletzt. Der Amokläufer war mit einer Flinte, einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet. Über das Internet hatte er zuvor 6000 Schuss Munition gekauft.

14. Dezember 2012: Ein 20-Jähriger erschießt in Newtown (Connecticut) seine Mutter und fährt mit deren legal erworbenen Waffen in die Grundschule, wo er 12 Mädchen und 8 Jungen im Alter von sechs und sieben Jahren tötet. Die fünf Lehrerinnen, die sich schützend vor die Klasse gestellt hatten, erschießt er ebenfalls. Der psychisch auffällige junge Mann erschießt sich danach selbst. Er soll mit seiner Mutter, obwohl im selben Haus wohnend, nur via E-Mail kommuniziert haben.

16. September 2013: Im Verteidigungsministerium in Washington zieht ein Subunternehmer der US-Marine die Waffe und erschießt zwölf Menschen, bevor er im Kugelhagel der Polizei stirbt.

17. Juni 2015: Während einer Bibelstunde in einer Kirche in Charleston (South Carolina) erschießt ein 21-Jähriger neun Schwarze mit einer Pistole, die ihm sein Vater zum 21. Geburtstag geschenkt hatte. Er wird auf der Flucht verhaftet. Auf der Homepage des Amokläufers finden die Ermittler rassistische Thesen, wonach die „weiße Rasse“ eine natürliche Überlegenheit besitze und es an der Zeit sei, diese durch, „drastische Aktionen“ in Amerika und Europa zurückzuerlangen.

Schulmassaker sind nicht auf die USA beschränkt. in Deutschland kam es im gleichen Zeitraum (1999 bis 2015) zu ähnlichen Amokläufen. Im bayerischen Brannenburg (2000) tötet ein 16-Jähriger den Rektor des Realschulinternats. In Erfurt (2002) erschießt ein 18-jähriger ehemaliger Gymnasiast an seiner alten Schule 16 Menschen. In Winnenden nahe Stuttgart (2009) tötet ein 17-Jähriger an der Albertville-Realschule und auf der Flucht 15 Menschen mit einer Pistole, die sein Vater nicht vorschriftsgemäß im Tresor, sondern im Schlafzimmer aufbewahrt hatte.

Allein 77 Tote forderten zwei Anschläge eines 32-jährigen Norwegers am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Ferieninsel Utøya. Mit einer halbautomatischen Waffe erschießt der Mann allein in dem Feriencamp der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei 69 Menschen (davon 32 Jugendliche) binnen 90 Minuten.

Vergleichsweise viele Amokläufe gibt es auch an chinesischen Schulen. Sie werden nicht immer bekannt und verlaufen oft weniger tödlich, weil die Täter nur Blankwaffen (Messer, Säbel, Klingen) führen.