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Die Show "The Hole" in Köln: Eine rattenscharfe Sache

Die Show "The Hole" in Köln : Eine rattenscharfe Sache

Tom Gerhardt ist der extravagante Gastgeber in der schrillen spanischen Burlesque-Show „The Hole“, die ab 22. Mai im Kölner Cabaret-Zelt gastiert. Der GA reiste mit dem Entertainer vorab zu einer Vorstellung nach Valencia.

Valencia, Zirkuszelt an der Carrer de Nino Bravo, ein Abend im April. Wir sitzen im Loch. Zusammen mit 800 Zuschauern. In einem Loch voller Überraschungen: Ein riesiger geöffneter Mund, der Fabelwesen ausspuckt, fliegende Supergirls, entfesselte Inlineskater. Singende, swingende Butler, Marilyn Monroe hoch im Luftreifen und ein durchgeknallter Gastgeber, der sich unsterblich in eine Ratte verliebt hat. Willkommen bei „The Hole“. Dieses Loch hat es in sich.

Sieben Stunden zuvor. Wir fliegen gerade über die Costa Brava Richtung Valencia, als Tom Gerhardt sein ansteckendes Grinsen zeigt. „Ich habe in meinem Leben schon viele verrückte Sachen gemacht“, sagt er. „Aber das ist noch einmal eine ganz neue Herausforderung.“ Und es ist wohl keine Koketterie, wenn ein durch Bühne, Kino und Fernsehen gestähltes Entertainer-Schlachtross wie Tom Gerhardt seine neue Aufgabe mit sichtlicher Vorfreude und spürbarem Respekt anpackt.

Die schrille Show-Sensation „The Hole“ aus Spanien macht ab dem 22. Mai Station in Köln – und Deutschlands Kult-Komiker („Hausmeister Krause“) wird den Master of Ceremonies (MC) geben. Den Zeremonienmeister in einem knallbunten Tollhaus. Zuletzt hatte Gerhardt auf der Theaterbühne, auch im Bonner Contra-Kreis, im „Dinner für Spinner“ einen schüchternen Nerd gespielt. Zwei gegensätzliche Pole. Für einen Schauspieler ist so ein extremes Spektrum ein echter Glücksfall.

„Die Zuschauer werden begeistert sein von dem frischen, frechen Groove der Show“, sagt Gerhardt, der als junger Mann längere Zeit in Sevilla lebte und fließend Spanisch spricht. „Man könnte die Show auch als lustige Unverschämtheit bezeichnen – die mich übrigens an meine frühen, ersten Bühnenprogramme erinnert.“ In Spanien startete die sexy Mischung aus Cabaret, Moulin Rouge, Burlesque, Artistik und viel Humor vor fünf Jahren und lief neun Monate in Madrid. Dann begann der Siegeszug durch die großen spanischen Städte, immer mit heimischen Entertainerpersönlichkeiten als jeweiligem MC. Gerhardt schnallt sich den Gurt für den Landeanflug um. „Mich hat die Show von der ersten bis zur letzten Sekunde gepackt. Sie ist neu, frisch und auch ergreifend.“

Mittlerweile läuft „The Hole“ in fünf Ländern, wie Itxaso Barrios, die Gesamtkoordinatorin der spanischen Produktionsfirma, später bei einem Aperitif im Hotel Conqueridor berichtet. Die neueste Anfrage komme aus England; in Deutschland wird Köln die erste Station sein. Und was hat es mit dem Titel „The Hole“ (Das Loch) auf sich? „Eine sexuelle Anspielung ist gar nicht beabsichtigt“, sagt Produzent Iñaki Fernandez. Durch das Loch schlüpfe man in eine andere Welt. „Alles kann dort passieren“, ergänzt Barrios. „Ein Grund für den Erfolg der Show ist, dass sich die Zuschauer so gut in die Figur des MC hineinversetzen können.“

Chauffeur Pablo Ibañez fährt uns durch die frühsommerliche Hitze zum Zirkuszelt. Tom Gerhardt nimmt an einem der Tischchen mit roter Lampe Platz. Heute Abend füllt der populäre spanische Comedian Queque die Rolle des gastgebenden MC aus. „Die Figur ist so eine Art Hugh Hefner“, sagt Gerhardt und nippt an einem Glas Rotwein. Neben dem Playboy-Gründer hat auch der schrille Frank’n’Furter aus der „Rocky Horror Picture Show“ die MC-Figur beeinflusst. „Ein wilder Hedonist“, sagt Gerhardt. Das Licht geht langsam runter, die Show beginnt gleich. „Jetzt ist er ein bisschen verrückt geworden und hat sich in eine Ratte verliebt.“ Der Kölner lacht. Dann eröffnen vier singende Butler den extravaganten Reigen.

Nacho Sánchez als umtriebiger Pony Loco wirbelt auf seinen Inlineskates durch den Raum, die Supergirls begeistern mit freizügiger Artistik. Adans Lopez Peres, Ex-Mann von Prinzessin Stéphanie von Monaco, und sein Bruder Ivan vollführen atemberaubende Balanceakte. Das Slapstickduo Flash beweist zu den Klängen des House-Klassikers „Vallée de larmes“, dass man mit der Schwerkraft nichts am Hut hat. Absoluter Publikumsliebling ist die Akrobatin Dylia Abdulaeva, die als korpulente Marilyn Monroe der Lüfte alle Herzen erobert.

Alle Herzen? Nicht ganz. Das Herz des Zeremonienmeisters gehört nämlich Ramona, der Ratte. Drei von einem Tiertrainer betreute Ratten sind während der Show im Einsatz. „Die Ratte ist eines der intelligentesten Tiere überhaupt, und so ist es kein Problem, mit ihnen zu arbeiten“, erklärt Produzent Iñaki Fernandez. Um Ramona zu betören, hat der MC die abenteuerlichsten Gäste zu einer Party in sein Anwesen eingeladen, was der abgefahrenen Story den Rahmen gibt.

Ein bisschen Surrealismus hat noch keinem geschadet, da ist sich die Truppe anschließend beim späten Abendessen in Valencias bestem Paella-Restaurant Casa Roberto einig. Das Stück erinnert an manchen Stellen an Filme von Federico Fellini und Pedro Almodóvar und das Bühnenbild an Dario Argentos Horrorklassiker „Suspiria“. „Wenn du die Filme von Almodóvar siehst, weißt du nicht, was als Nächstes passiert“, sagt Fernandez. „Und so ist es auch hier.“

Seine Kollegin Itxaso Barrios beschreibt eine weitere Parallele zum berühmtesten spanischen Filmregisseur der Gegenwart. „Bei Almodóvar siehst du bizarre Figuren. Zunächst. Aber dann erkennst du in diesen bizarren Figuren irgendwann bekannte Gesichter – deinen Vater, deine Tante, deinen Lehrer.“ Diese Show sei mehr als einfach nur passives Zuschauen. „Es ist eine interaktive Erfahrung“, sagt Barrios und strahlt. „Du gehst in das Loch hinein – und dann beginnt die große Party.“

Info: 22. Mai bis 11. Juni in Köln, Cabaret-Zelt an der Messe, Am Messekreisel / P 21, Köln-Deutz, Karten in den GA-Geschäftsstellen, unter Tel. (0228) 50 20 10 und www.bonnticket.de; www.theholeshow.de