Komödie von Erich Kästner: „Drei Männer im Schnee“-Premiere im Kleinen Theater Godesberg

Komödie von Erich Kästner : „Drei Männer im Schnee“-Premiere im Kleinen Theater Godesberg

Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ mit Michael Schanze feierte im Kleinen Theater Bad Godesberg Premiere. Noch bis Anfang Februar ist die Komödie zu sehen.

Dass wir wieder werden wie Kinder, ist eine unerfüllbare Forderung“, schrieb Erich Kästner, der vor allem durch seine Kinderbücher weltberühmt wurde. Unter dem Titel „Das lebenslängliche Kind“ wurde 1934 die Komödie nach seinem Roman „Drei Männer im Schnee“ uraufgeführt. Unter dem Pseudonym Robert Neuner, denn Kästner konnte seit 1933 nicht mehr unter seinem eigenen Namen publizieren. „Drei Männer im Schnee“ wurde mehrfach erfolgreich verfilmt. Bis heute unübertroffen ist die Fassung von 1955 in der Regie von Kurt Hofmann (mit Paul Dahlke, Günther Lüders und Claus Biederstaedt), zu der Kästner selbst das Drehbuch verfasste.

Mithalten kann da nun die Vorstellung des heiteren Verwechslungsspiels im Kleinen Theater. In der Rolle des Geheimrats Tobler glänzt Michael Schanze, der nicht nur seine Qualität als brillanter Entertainer beweist, sondern mit geradezu kindlicher Freude sein Vergnügen am Schein auf die Spitze treibt. Der joviale alte Patriarch, millionenschwerer Besitzer eines Konzerns, möchte die Menschen erkunden. Deshalb hat er unter falschem Namen an einem Preisausschreiben seiner Firma „Putzblank“ teilgenommen und prompt einen Aufenthalt in einem Alpen-Luxushotel gewonnen. Als armer Schlucker Schulz wird er in einer ungeheizten Kammer einquartiert und zu Hilfsdiensten herangezogen. Sein Diener Johann muss mitreisen und einen schwerreichen Reeder mimen. Makke Schneider spielt die Verwirrungen des Untergebenen, dem sein Herr sogar Ski-Unterricht verordnet hat, mit köstlicher Dienstfertigkeit.

Wie ein Millionär fürstlich hofiert wird dagegen der arbeitslose Werbetexter Dr. Hagedorn, der bei dem Wettbewerb ebenfalls einen Urlaub im Grand Hotel gewonnen hat. Olaf Böhnert in der Rolle des durchaus selbstbewussten Akademikers ist der einzig Ehrliche in dem amüsanten Chaos.

Entzückend spielt Eva Wiedemann die junge Hildegard

In der leichtfüßigen Regie von Jan Bodinus funktioniert der muntere Winterspaß vorzüglich. Die witzigen Kostüme von Hanne Eckart machen alle zu Spielfiguren, Christian Baumgärtels Bühne verwandelt sich bald vom Toblerschen Salon ins Foyer der noblen Herberge mit Gebirgspanorama. Wo der strenge Hoteldirektor (Karl-Heinz Dickmann) und der windige Portier (Heiko Heynert) energisch den unverschämten Störfaktor Schulz aus der feinen Gesellschaft entfernen möchten. Derweil versuchen zwei erfahrene Damen, den vermeintlichen Millionär Hagedorn zu umgarnen: Die lispelnde Schreckschraube Casparius (Dana Cebulla) und die anhängliche Russin von Mallebré (Olga Yakovleva) könnten jeden Mann das Fürchten lehren.

Glücklicherweise hat der „olle Tobler“ neben seinem Wirtschafts-Imperium und seiner Vorliebe für Siamkatzen noch ein reizendes Töchterchen. Entzückend spielt Eva Wiedemann die junge Hildegard, die nicht ganz unschuldig ist an dem Verwechslungs-Drama, aber in Sekundenschnelle schon verlobt mit dem echten Underdog. Tante Julchen (in Wirklichkeit Hausdame bei den Toblers) schaut ungläubig auf das seltsame Treiben zwischen Schnee und Geldadel. Ursula Michelis liefert in der kleinen Rolle eine hinreißende Studie.

Keine Sorge: Geheimrat Tobler kehrt zurück in seine Grunewald-Villa, bereichert durch viele Erfahrungen und einen hochbegabten Schwiegersohn. Beide handeln virtuos mit virtuellen Effekten wie Kästners grimmig-lustiges Märchen. Riesenbeifall bei der Premiere im ausverkauften Kleinen Theater, das mit diesem Unterhaltungs-Klassiker eine Punktlandung geschafft hat.

Aufführungen regelmäßig bis zum 2. Februar. Wegen der großen Nachfrage gibt es noch Zusatz-Vorstellungen. Tickets unter Tel. 0228-362839

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