Malerei, Fotografie und Videonale: Diese Ausstellungen kommen 2019 in Kunstmuseum Bonn

Malerei, Fotografie und Videonale : Diese Ausstellungen kommen 2019 in Kunstmuseum Bonn

Das Kunstmuseum Bonn zeigt eine große Schau über das Phänomen der Maske, widmet sich außerdem einer umfangreichen Bestandsaufnahme der aktuellen Malerei in Deutschland. Die Videonale geht in die 17. Runde.

Die aktuelle, sehr anregende Ausstellung „Der Flaneur“ macht halb Bonn zu Kunstflaneuren und beschert dem Kunstmuseum Bonn ein schönes Plus in der Bilanz: Mehr als 100.000 Besucher werden es insgesamt Ende des Jahres sein. Das freut den Intendanten Stephan Berg – und den Kämmerer der Stadt Bonn, der die Eintrittsgelder kassiert. Ausstellungen wie „Der Flaneur“ seien ein Kraftakt, meint Berg, der für sein ausgezeichnetes Programm fast 650.000 Euro zusätzlich akquiriert hat – der städtische Ausstellungsetat liegt bei 300.000 Euro.

In der Hoffnung, dass das alles auch 2019 klappt, setzt Berg mit Barbara Scheuermann eine alte Idee um, die Berg vor Jahren angesichts der „Totalverschleierung Bad Godesbergs“ in den Sinn kam. In unserer Kultur ermögliche das Gesicht-zeigen Kommunikation. Aber was passiert, wenn diese Codes außer Kraft gesetzt sind? Das Ausstellungsthema „Masken“ reflektiert dieses ethnografisch und politisch eminent interessante, gesellschaftskritische Thema mit Werken der Kunst von der Klassischen Moderne bis zu Arbeiten der vergangenen documenta.

Die zweite große Ausstellung des Jahres wird sich der deutschen Malerei der Gegenwart widmen, wobei die Generation der unter 40-Jährigen in den Fokus rückt. Zwei Jahre lang haben Berg, sein Team sowie Kollegen der Kunstmuseen von Wiesbaden und Chemnitz, die am Projekt beteiligt sind, Künstler und Ateliers besucht. Bis zu 250 Namen standen irgendwann auf einer Liste, 120 wurden weiter diskutiert, auf 55 malerische Positionen will man sich am Ende verständigen. Alle Künstler sollen mit mehreren Arbeiten parallel in den drei Häusern gezeigt werden.

Bestandsaufnahme junger Malerei

„Jetzt³“ soll bis zu 600 Bilder zeigen – eine sicherlich beeindruckende Bestandsaufnahme aktueller Malerei. Und eine logistische Herausforderung, wie Berg anmerkt, der für dieses Projekt die geballte Expertise des Hauses in Sache Malerei in die Waagschale werfen kann. Seit den Anfängen hat sich das Kunstmuseum insbesondere als Malereimuseum einen Namen gemacht.

Berg selbst ist gespannt auf den Ausgang der Recherche: „Es ist eine Überraschungspackung – frappierend, mit wie viel Ernsthaftigkeit und Energie an diesem Thema gearbeitet wird“, sagte er dieser Zeitung. Und er gesteht: „Ich habe noch nie so viel Spaß gehabt in den vergangenen zehn Jahren.“

Einer der Malereiexperten am Kunstmuseum, der Vize-Chef Christoph Schreier, wird 2019 mit einer vielversprechenden Schau seinen Abschied geben: Nach 26 Jahren verlässt er Anfang 2020 das Haus und geht in den Ruhestand. Es war sein Herzenswunsch, den künstlerischen Einzelgänger Norbert Schwontkowski (1949-2013) aus Bremen mit seiner melancholischen Malerei zu würdigen. Er verbreite eine „surreale, belgische Stimmung“, meinte Berg, und verfolge zwei große Themen: Das des Menschen, der allein in die Welt geworfen werde, und das Nachdenken über die Malerei. Die Schau wird nach Den Haag ins Gemeentemuseum und in die Kunsthalle Bremen weitergereicht.

Videonale startet mit Festival

Das Renommee des Kunstmuseums als Haus der Malerei hat ihm die Vergabe des Preises der Stiftung Dieter Krieg 2019 eingebracht. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro für den Ankauf eines Gemäldes dotiert. Die Wahl fiel auf ein Werk der in Berlin lebenden Freiburgerin Monika Baer, die in einer kleinen Werkschau vorgestellt wird. Baer (Jahrgang 1964) erhielt 1998 das Peter-Mertes-Stipendium und hatte eine Ausstellung im Bonner Kunstverein.

Mit der 17. Folge der Videonale startet das Ausstellungsjahr im Kunstmuseum. 30 von einer internationalen Jury ausgewählte Arbeiten werden in der Ausstellung „Refracted Realities – Gebrochene Wirklichkeiten“ präsentiert. Ein viertägiges Festival eröffnet die Videonale.17. Junge Kunst kommt am Ende des Jahres zum Zug, wenn unter dem Titel „Ausgezeichnet #4“ eine Stipendiatin oder ein Stipendiat der Stiftung Kunstfonds präsentiert wird. Wer das sein wird, entscheidet eine Jurysitzung in zwei Wochen.

Die großartige Zeichnerin Nanne Meyer, 1953 in Hamburg geboren, lebt in Berlin, bekommt 2019 eine von Volker Adolphs kuratierte Ausstellung im Kunstmuseum. Ihr Werk von 1980 bis heute wird ausgebreitet. Wer weiß, welches immense Spektrum es umfasst und wie viel Energie diese überbordende Zeichenkunst hat, kann sich auf eine spannende Schau freuen.

Auch eine weitere Ausstellung dürfte interessant werden: Barbara Scheuermann und Maximilian Rauschenbach sichten die eigene Bonner Grafische Sammlung hinsichtlich der Rollen- und Gender-thematik und machen daraus die Ausstellung „Stereo_Typen“. Die Schau verdichtet sich in den 1970er und 80er Jahre infolge der 1968er-Revolte. Die Reflexion über die eigene Identität steht im Mittelpunkt – und die Bonner Sammlung die einmal wieder einen großen Auftritt bekommt.

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