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Werkstatt für Kunst: Bonner Kunstakademie arte fact feiert Jubiläum

Werkstatt für Kunst : Bonner Kunstakademie arte fact feiert Jubiläum

Die Bonner Freie Kunstakademie arte fact wurde vor 20 Jahren, die Jugendkunstschule vor 15 Jahren gegründet. Ein Gespräch mit dem Mitinitiator Thomas Egelkamp.

Bundeskanzler Konrad Adenauer sei mit Chauffeur vorgefahren, habe sich die ersten Andrucke des Grundgesetzes durchgelesen, mit dem Bleistift Korrekturen notiert. Der inzwischen verstorbene Besitzer der Druckerei Stodieck in der Bonner Graurheindorfer Straße habe toll über jene Zeit sprechen können, erinnert sich Thomas Egelkamp, Professor an der Alanus Hochschule und Mitinitiator der privaten Kunstschule arte fact. Vor 20 Jahren zog die Institution in die Räume der ehemaligen Druckerei ein. Anlass zum Feiern – in vielfältiger Hinsicht.

Denn vor fast 70 Jahren wurden in diesen Räumen auch die ersten Exemplare des Grundgesetzes gedruckt, die dann an die Landtage der Republik gingen. Mitglieder der Bonner Initiative Kunstbrennerei und von arte fact diskutierten vor Jahren, wie man diesen historischen Akt am authentischen Ort würdigen könnte, erzählt Egelkamp und fügt hinzu, dass etliche Künstler der Kunstbrennerei wiederum wichtige Impulse durch die Kunstschule arte fakt erhalten haben.

Kunstbrennerei und AMorph organisieren die Schau

Aus der Idee ist ein ehrgeiziges Projekt geworden, eine Ausstellungstournee, die ihre Premiere im Düsseldorfer Landtag hatte, ihre zweite Station ab 7. September im Bonner arte fact haben wird und dann durch Landtage der Republik tingeln soll. 96 Künstler haben sich über die 144 Artikel des Grundgesetzes Gedanken gemacht. Jedem wurden ein bis zwei Artikel zugelost, Kunstwerke entstanden, deren einzige Bedingung das Einhalten des Formats 40 mal 40 Zentimeter ist. Maßgeblich organisiert wurde die entstandene Wanderausstellung von der Ateliergemeinschaft Kunstbrennerei und der Künstlergruppe und offenen Plattform AMorph.

Dass das Grundgesetzprojekt unjuriert ist und die Themen zugelost wurden, findet Egelkamp einen interessanten Aspekt: „Das ist ein demokratischer Zug, das passt zum Thema.“ Bemerkenswert findet er auch, dass viele Teilnehmer „bei arte fact ihre Anfänge hatten“.

Der Alanus-Professor siedelt das Angebot eines dreijährigen Intensivstudiums an seiner privaten Kunstschule, die auch als Freie Kunstakademie firmiert, zwischen den Angeboten etwa der Volkshochschulen und klassischen Kunstschulen auf der einen Seite und der Kunstakademien und Kunsthochschulen auf der anderen Seite an. „Wir liegen zwischen semiprofessionell und intensiver professioneller Beschäftigung“. Ihn stört hierzulande die einseitige Fokussierung: „Die Konzentration auf Kunstakademien ist sehr stark – und einmalig.“

Drei Jahre dauert das Kompaktstudium Malerei bei arte fact in der Graurheindorfer Straße, weitere Angebote gibt es für Zeichnung, Grafik und freie Kunst. Die entsprechenden Module können an Wochenenden und in den Ferien absolviert werden. Es ist also berufsbegleitend möglich. Der Lehrplan umfasst Theorie, Grundlagen, philosophische, künstlerische Ansätze und nicht zuletzt die Analyse der eigenen Kreativität. Für die aktuell rund 60 Studenten (von 23 bis 65 Jahren) in fünf Klassen stehen Dozenten wie die Künstler Tobias Stutz, Simone Albert, Viktoria Westmacott-Wrede und Karin Angele zur Verfügung – um nur einige zu nennen, insgesamt sind es rund 30. Die Leitung liegt bei den Künstlern Volker Altrichter und Egelkamp.

Zeichnung, Comic und neue Medien spielen eine Rolle

Quasi die Basis für diese Kompakt- und Intensivkurse der Freien Kunstakademie ist die vor 15 Jahren gegründete Jugendkunstschule und Jugendakademie im arte fact, die ihre Räume in der Heerstraße hat. Die von Dorothee Irnich-Esser geleitete Institution richtet sich in unterschiedlichen Kursen an Kinder und junge Erwachsene von acht bis 22 Jahren und „versteht sich als bildnerisches Pendant zum musischen und darstellenden Lehrangebot der Musik- und Theaterschulen“, heißt es in dem Flyer von arte fact. Zeichnung, Comic, aber auch Neue Medien spielen eine Rolle.

Egelkamp misst diesem Einstieg in die künstlerische Arbeit eine große Bedeutung zu, zumal „teilweise Schulen das im Unterricht gar nicht mehr leisten können“, wie er sagt, „eine Stunde Kunst pro Woche in der Schule ist einfach zu wenig“. Die – anders als die Freie Kunstakademie – von der öffentlichen Hand geförderte Jugendkunstschule bietet etwa Kompakt- und Ferienkurse im Ladenlokal in der Heerstraße an, kooperiert aber auch mit dem Jungen Theater Bonn, dem Deutschen Museum und anderen externen Partnern.

Egelkamp verzeichnet einen starken Anstieg der Teilnehmerzahlen im Jugendbereich, macht sich aber doch auch Sorgen über die rückläufige Beschäftigung der Schulen mit Kunst. „Etwas in der kulturellen Bildung geht verloren, wenn sich das nicht ändert“, sagt er, „bald hat die Kunst keine Lobby mehr, wir haben dann die Situation, dass nichts mehr nachwächst“. Das sei eine traurige Entwicklung.

Er setzt auf den Cross-over von Graffiti, Comic, Film, digitalen Medien, um Kinder und Jugendliche zu aktivieren, in ihrer Lebenswelt abzuholen. Digitalisierung sei ein Riesenthema, das sich auch in Kunst und Musik wiederfinde, das Kunst und Musik verändere. „Es wäre schade, wenn die Kunst als klassische Disziplin nur noch etwas rein Handwerkliches wäre“, sagt er, dann würde sie nur noch rational und technisch abgearbeitet, verlöre die immense Kraft, die sie einmal hatte.

Egelkamp selbst reizen die vielen Aspekte seiner Arbeit – zwischen dem Professorenjob bei Alanus, der Beschäftigung mit Wirtschafts- und Philosophiethemen, der eigenen Agentur „Kunstcoach“ und der Vorstands- und Dozentenarbeit bei arte fact: „Diese Vielseitigkeit ist mir sehr lieb – gerade bei arte fact schätze ich die stark kollegiale Arbeit mit viel Inspiration und wenig Bürokratie.“

Arte fact – Werkstatt für Kunst e.V., Heerstraße 84. Weitere Informationen auf www.artefact-bonn.de.