Schumannfest in Endenich

Tänzerische Wechselbäder

Vom Publikum gefeiert: Sophie Pacini. FOTO: PROMO

Vom Publikum gefeiert: Sophie Pacini.

ENDENICH. Die Hände, die den Flügel im Schumannhaus zum Singen, Flüstern, Donnern und Toben bringen, sie sprechen auch ohne Tasten - wenn nämlich Sophie Pacini die Stücke des Abends eloquent anmoderiert und ihre Erklärungen mit leidenschaftlichem Gestikulieren unterstreicht.

Das Programm für den Klavierabend beim Schumannfest hat sie in enger Absprache mit dem Genius loci des Konzertsaals ausgewählt: "Es berührt mich sehr", sagt die 23-jährige Tochter einer deutschen Ärztin und eines italienischen Literaturprofessors, "hier zu spielen, wo Schumann seine letzten Jahre gelebt und gelitten hat." Nach ihrem Auftritt als jüngste Kämmerling-Schülerin beim Endenicher Herbst 2006 ist es das zweite Mal, dass sie sich von der besonderen Atmosphäre des Schumannhauses inspirieren lässt.

Bekenntnismusik prägt den Abend, angefangen mit Schuberts a-Moll-Sonate, deren extreme Gegensätze in Ausdruck und Dynamik Sophie Pacini hell ausleuchtet. Zum Beispiel im ersten Satz: Sowohl im insistierenden Rhythmus des fahlen Hauptthemas als auch bei der flehenden Gebärde des Seitenthemas weiß die junge Pianistin immer wieder die Zeit anzuhalten, um den Moment auszukosten - und kurz, bevor ihr konzentriertes Verharren den großen Bogen abreißen lässt, nimmt sie ihn leichthändig wieder auf.

Das gleiche Verfahren macht Chopins b-Moll-Scherzo op. 31 zu einer Offenbarung: Von langer Hand mit wohldosiertem Rubato aufgebaut, immer wieder leicht abgebremst, beschleunigt und wieder verzögert, entlädt sich die Spannung in Akkordschlägen, deren Wucht die Bücher in den Regalen der Präsenzbibliothek erzittern lässt - und die Zuhörer auch.

Ungeheuer differenziert, mit schillernden Farben gestaltet Pacini auch ihre große Hommage an Robert Schumann: Sein "Carnaval" besteht aus 21 Miniaturen, die auf den Tönen A, Es, C und H basieren, tänzerisch-komödiantische Wechselbäder, deren pittoreskem Reiz die Pianistin nicht erliegt, ohne die dämonischen Unterströmungen hörbar zu machen - wie etwa im verzweifelt schnell dahinstürmenden "Davidsbündler"-Marsch am Ende.

Auch in Schumanns Zyklus findet sie immer wieder Zeit, um versonnen innezuhalten und den beseelten Augenblick mit großer lyrischer Leuchtkraft zu zelebrieren. Das Publikum feiert Sophie Pacini und bekommt als Zugabe eine traumschöne "Juni"-Barcarole aus Tschaikowskys "Jahreszeiten".