Kleinkunst im Pantheon

So war der Abend mit Erwin Grosche

Erwin Grosche, und wie er die Welt sieht: Das erklärte der Kabarettist aus Paderborn jetzt dem Publikum im Bonner Pantheon.

Erwin Grosche, und wie er die Welt sieht: Das erklärte der Kabarettist aus Paderborn jetzt dem Publikum im Bonner Pantheon.

Bonn. Der Poet unter den Kabarettisten debütiert mit seinem Best-of „Warmduscherreport vol 3“ im neuen Beueler Pantheon.

Nein, ein Abend mit Erwin Grosche hinterlässt keine hässlichen blauen Flecken auf den Oberschenkeln. So einer ist er nicht, dass sein Publikum sich Pointe für Pointe lauthals darauf klopfen oder bedingungslos mitklatschen würde, sobald nur zwei zusammenhängende Takte anklingen. Vielmehr jemand für die leisen, hintergründigen Töne: voll Poesie und feiner Ironie. Einer, der sich über Dinge wundern kann, die andere unbeachtet links und rechts liegen und sich damit auch manches subtile Vergnügen entgehen lassen.

Kenner – und das waren auch bei Grosches jetzigem und ersten Auftritt im neuen Bonner Pantheon nicht wenige – wissen genau das an seinen Programmen zu schätzen. Genau diese unverwechselbare und bis heute unverbrauchte Mischung aus Sprachwitz und kindlichem Staunen. Mögen andere das mit Naivität verwechseln. Das kümmert Erwin Grosche nicht weiter. Diesen Luxus leistet er sich ganz souverän, mit Blick auf mittlerweile 45 Bühnenjahre.

Kenner jedenfalls sind entzückt, wenn der Kabarettist, Schriftsteller und Kinderbuchautor aus Paderborn bei seinem „Warmduscherreport Vol. 3“ zur blau-weißen Cremedose greift, um deren Inhalt seine ganz persönliche Huldigung darzubringen. Oder wenn er zu vorgerückter Abendstunde seine „Gymnastik mit Getreidesorten“ vorturnt: Wie schön, dass Spreizen und Weizen sich ebenso gut reimen wie Joggen und Roggen. Das kommt Herrn Grosche ausgesprochen zupass.

Das Gegenteil von massenkompatibel

Wer hingegen noch nie zuvor in seinem Universum zu Gast war, muss sich anfangs schon eingewöhnen. Denn massenkompatibel ist das exakte Gegenteil dessen, was dieser Mann dort auf der Bühne tut. Wer sich Zeit nimmt, ihm zuzuhören, weiß dafür auch, dass er sich manchmal einen Indianer an seiner Seite wünscht, der dann all das tun würde, wozu er und unsereins doch einfach viel zu gut erzogen sind. Etwa für ein unverblümtes Eheversprechen wie dieses: „Schatz, wir bleiben so lange zusammen, bis wir uns lieben.“

Sagt Grosche am weißlackierten Kinderflügel, lächelt und empfiehlt sich en passant als zeitgemäßer Nachfolger des Narren aus Mölln: Eulenspiegel reloaded. Und wer seine Art mag, der mag sie bald sehr. So zum Beispiel bei dem wunderbaren Akkordeonstück „Wie kann man dem Glück noch viel näher sein“, das einem mitunter noch tagelang in die Ohren klingt.

Übrigens: Die in der Zugabe vorgestellten netten alten Damen in neuen Gummistiefeln, die von Lachmöwen immer nur an Orte verschleppt werden, an denen es keinen Apfelkuchen mit Schlagsahne gibt, sind längst ein Klassiker. Grosche für Fortgeschrittene sozusagen. Und davon gibt es jetzt einige mehr.