Traumwelt in Tönen

Sinfoniekonzert "Um Elf" in der Universität Bonn

Solist Stefan Dohr und Dirigent Michael Boder mit dem Beethoven Orchester in der Uni-Aula.

Solist Stefan Dohr und Dirigent Michael Boder mit dem Beethoven Orchester in der Uni-Aula.

Bonn. Michael Boder dirigiert das zweite „Um Elf“-Konzert des Beethoven Orchesters in der Uni-Aula. Das Motto der Matinee mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Strauss lautet "Bühnenwelten".

„Die Bühnenwelt wird zu einer Traumwelt, als auch zu einem Abbild der Wirklichkeit“, befand der Bonner Literaturwissenschaftler Jürgen Fohrmann mit Blick auf Shakespeares „Sommernachtstraum“. Als er sagte, hatte man Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvertüre zu dem Bühnenwerk noch gut im Ohr, die das Beethoven Orchester unter der Leitung von Michael Boder zum Auftakt des zweiten Konzertes der Reihe „Um Elf“ in der sehr gut besuchten Aula der Bonner Universität gerade gespielt hatte.

Auch hier treten verschiedene Ebenen hörbar in Erscheinung, und es erfüllt noch heute mit Erstaunen, wie der 17-jährige Mendelssohn den märchenhaften Elfenzauber einerseits und den derben Humor der Shakespear'schen Rüpel andererseits hier auf engstem Raum zu einem echten Meisterwerk zusammenbindet.

Die jugendliche Unbekümmertheit, mit der dies geschieht, war am späten Sonntagmorgen auch in der lebhaften, schwungvollen und federleichten Darstellung durch das Beethoven Orchester zu vernehmen. Die flinken Streicherfiguren flirrten mit duftiger Leichtigkeit, ebenso die Holzbläser, wobei Boder für eine sehr schöne Auffächerung des Klanges sorgte.

Gespielt wurde Richard Strauss frühes Konzert in Es-Dur

„Bühnenwelten“ war das in Kooperation mit dem Litterarium und dem Germanistischen Institut der Uni aufgestellte Matinee-Programm des Orchesters überschrieben. Wobei lediglich das Solokonzert inhaltlich ein bisschen außen vor blieb. Gespielt wurde nämlich Richard Strauss frühes Konzert in Es-Dur op. 11 für Horn und Orchester, dessen Solopart der großartige Hornist und Berliner Philharmoniker, Stefan Dohr, übernommen hatte. Die Eleganz und Beweglichkeit, mit der er den Ton seines Instruments formt und gestaltet, ist beeindruckend.

Sein Spiel verblüfft in diesem – schon mit dem eröffnenden, an Mozarts „Zauberflöten“-Ouvertüre wie an Beethovens fünftes Klavierkonzert erinnernden Es-Dur-Akkord im Orchester – beinahe klassisch daherkommenden Werk durch seine unfehlbare technische Brillanz. Und es berührt durch die feinsinnige musikalische Gestaltung, mit der Dohr seinen Solopart vorträgt.

Aber natürlich ist gerade Strauss auch ein großer Bühnenmusiker, woran man mit der Orchestersuite zu Molières „Der Bürger als Edelmann“ erinnerte. Hier lieferte Fohrmann sozusagen das literaturwissenschaftliche Vorwort und legte passend zum Stück seine Gedanken über die höheren und niederen Stände und ihre Spiegelung auf dem Theater dar.

Die Musik Richard Strauss' funktioniert freilich auch, ohne Molières Stück vor Augen zu haben. Ihre Lebendigkeit und ihr Witz teilen sich sehr unmittelbar mit, wie Boder und das Orchester eindrücklich zeigten. Der quirlige Beginn von Klavier und deutlich artikulierenden Streichern öffnete die Tür zu einer musikalischen Welt, die der geniale Orchestrierer Strauss in leuchtenden Farben malt. Die geradezu kammermusikalische Akkuratesse vermisste man hier ebenso wenig wie die Leistung in den zahlreichen Solostellen, die das Werk zu bieten hat. Besonders hervorzuheben ist hier natürlich der Konzertmeister des Orchesters, Mikhail Ovrutsky, dessen Spiel im „Tanz der Schneider“ einen hinreißenden Eindruck hinterließ. Großer Applaus.