Malte Boecker übernimmt

Personalwechsel bei Beethovenjubiläum in Bonn

„Jetzt müssen wir Fahrt aufnehmen“: Der Direktor des Beethoven-Hauses Bonn, Malte Boecker.

„Jetzt müssen wir Fahrt aufnehmen“: Der Direktor des Beethoven-Hauses Bonn, Malte Boecker.

Bonn. Beim Beethovenjubiläum 2020 geht der künstlerische Geschäftsführer Christian Lorenz von Bord, Beethoven-Haus-Direktor Malte Boecker soll ihn ersetzen.

Acht Monate vor dem Start des Beethoven-Jubiläumsjahres in Bonn und mitten in der heißen Vorbereitungsphase für 2020 verlässt der künstlerische Geschäftsführer Christian Lorenz das Team der Beethoven Jubiläums Gesellschaft BTHVN. Erst im Januar 2017 war der 55-jährige Kulturmanager und Dirigent berufen worden. Lorenz gehe „einvernehmlich“ und „auf eigenen Wunsch“, wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung zum Wechsel in der Geschäftsführung heißt.

Das habe sich angedeutet, erfährt man aus dem Beethoven-Haus. Dessen Direktor Malte Boecker soll Lorenz' Job übernehmen. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Jubiläumsgesellschaft und quasi Chef des inzwischen ehemaligen künstlerischen Geschäftsführers ist Boecker in alle Planungen und Vorgänge involviert.

Gegenüber dieser Zeitung sprach er über die Hintergründe des spektakulären Wechsels in voller Fahrt. Nach der abgeschlossenen Planungsphase für 2020 und im Zuge der Umsetzungsphase habe es „unterschiedliche Vorstellungen“ zwischen Lorenz und dem Aufsichtsrat gegeben. In der Umsetzung lagen wir teilweise recht weit auseinander“, sagt Boecker über die Zusammenarbeit mit Lorenz, „und da wollte er nicht mehr im Weg stehen“.

Kein Kurswechsel

Die von dem früheren künstlerischen Geschäftsführer geplanten Projekte seien inhaltlich in Ordnung – „da wird es keinen Kurswechsel geben“. Probleme habe es jedoch, so Boecker, beim Umgang mit dem öffentlichen Zuwendungsrecht gegeben: „Man muss Projekte immer zu Ende denken.“ Und weiter: „Die öffentliche Hand braucht Verbindlichkeit, die müssen wir jederzeit gewährleisten.”

Michael Kranz, Aufsichtsratsmitglied und alleiniger Vertreter der Gesellschafterin, meinte, mit der Umsetzungsphase steige die Notwendigkeit, die Steuerung der zahlreichen einzelnen Projekte noch stärker mit den Kerninstitutionen der Beethovenpflege zu verzahnen. Dafür sei Boecker der richtige Mann.

Kranz lobte Lorenz dafür, dass er die „dramaturgische Konzeption mit den fünf Themenschwerpunkten B-T-H-V-N entwickelt und daraus innovative Förderstrukturen und Projekte abgeleitet“ habe. Auf seine Initiative gingen das Hauskonzert-Projekt „Beethoven bei uns“ und das Abschlusskonzert des Jubiläums mit Daniel Barenboim im Bonner Plenarsaal zurück, bemerkte Kranz.

Schulter an Schulter

Offenbar fand Lorenz jedoch nicht den rechten Draht zu den lokalen Akteuren, etwa zu Beethoven Orchester, Theater Bonn und Beethovenfest. Deren Profil und Interessen wurden, so der Chef des Beethoven-Hauses, nicht zureichend berücksichtigt. Hier rächte sich, dass Lorenz „von außen kam“, wie Boecker andeutet: „Bonn ist ein herausforderndes Umfeld.” Und: „Wir müssen zusehen, dass Bonn Schulter an Schulter antritt.“

Boecker hat als neuer künstlerischer Geschäftsführer – den Aufsichtsratsposten gibt er an den kaufmännischen Geschäftsführer Ralf Birkner ab – eine gewaltige Aufgabe in einem sehr engen Zeitkorridor vor der Brust. Zunächst will er noch einmal intensiv mit den Akteuren des Beethoven-Jubiläums reden, herausfinden, ob es noch Ideen und Wunschprojekte gibt, die man realisieren könnte. Auf der anderen Seite will Boecker „groß angedachte Projekte“ begutachten, ob sie in dem Umfang umgesetzt werden können. Im Auge hat er das „Beethoven Pastoral Projekt“ mit weltweit verstreuten Partnern. „Wir müssen uns anschauen, ob das realisierbar ist.“

Boecker sieht sich selbst in der Lage, dies zu prüfen. Er arbeite eng mit Birkner zusammen. Es hätte keinen Sinn gehabt, für die neue künstlerische Geschäftsführung jemanden von außen zu holen, „wir konnten doch nicht warten, bis sich der eingearbeitet hätte“.

Beethoven-Haus steht gut da

Boecker rechnet damit, dass er den Job spätestens nach der Sommerpause, vielleicht aber auch davor übernimmt. Eine Interessenkollision zwischen seinem Job als Museumschef und dem des künstlerischen Leiters für das gesamte Jubiläum sieht Boecker nicht: „Das Beethoven-Haus steht gut da, die Planung etwa für die Beethovenwoche, den internationalen Beethovenkongress und die Eröffnung der neuen Ausstellung ist abgeschlossen, ich muss nicht mehr zu 100 Prozent dabei sein.“

Birgt dieser abrupte Wechsel nicht auch ein Risiko? Boecker reagiert gelassen: „Ich bin zuversichtlich, wir sind auf einem guten Weg. Aber nun müssen wir die PS auch auf die Straße bringen, jetzt müssen wir Fahrt aufnehmen.“

Erste Reaktionen

„Die Bürger für Beethoven begrüßen es, dass der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende und Direktor des Beethoven-Hauses die Aufgabe der künstlerischen Geschäftsführung der Beethoven-JubiläumsGmbH übernehmen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung. Wie der Vereinsvorsitzende Stephan Eisel sagt, müsse man respektieren, dass sich Lorenz entschieden habe, auszuscheiden: „Er hat als künstlerischer Geschäftsführer den Jubiläumszug mit auf die Schiene gesetzt. Dass mit Boecker jetzt ein erfahrener Lokführer Dampf macht, sorgt nicht nur für Kontinuität, sondern ist auch eine gute Lösung für den Endspurt. Dabei kann etwas mehr Tempo nicht schaden, denn die Zeit vergeht sehr schnell, und die Jubiläumsgesellschaft bleibt das wichtigste Instrument zur Gestaltung des Jubiläumsjahres 2020. Deshalb müssen hier alle unbeschadet vorhandener Einzelinteressen an einem Strang ziehen.“

Nach Meinung der „Bürger“ gelte es jetzt, den Blick in die Zukunft zu richten. Dabei sei es wichtig, dass 2020 nicht ein einmaliges Feuerwerk bleibe, sondern genutzt werde, um nachhaltige Strukturen zur Profilierung der Beethovenstadt darüber hinaus zu schaffen. Der Beethoven-Rundgang sei dafür ein Beispiel. Wichtig bleibe es, das große Manko des fehlenden hochwertigen Konzertsaales zu beseitigen. Dafür biete sich ein Beethoven-Campus mit integriertem Konzert- und Opernsaal an.