Grüne Welten eines Genies

Goethes Gärten auf dem Dach der Bundeskunsthalle

Bonn. Die Bonner Bundeskunsthalle zeigt ab diesem Samstag auf dem Dach Gärten nach Goethes Vorbild. Die Rutschbahn vom Dach zum Museumsvorplatz ist nun ebenfalls wieder geöffnet.

Goethe als Dichter ist den meisten wohlbekannt, Goethe als Gärtner und Botaniker hingegen weniger. Bis zu seinem Tod arbeitete er an der Gestaltung seines Gartens und realisierte botanische Studien. „Goethe hat sich auch als Naturforscher verstanden“, erklärt Johanna Adam, Ausstellungsleiterin der Bundeskunsthalle.

Hoch oben über dem Bundesviertel haben Bundeskunsthalle und Klassik Stiftung Weimar nun zwei Gärten nach dem Vorbild Goethes angelegt. Die Anlage „Goethes Gärten – Grüne Welten auf dem Dach der Bundeskunsthalle“ ist Teil einer großen Goethe-Ausstellung, die im Haus im Mai eröffnet wird. „Es ist die erste große Goethe-Ausstellung seit 25 Jahren“, sagt Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle. Den Garten können Besucher schon ab diesem Samstag besuchen.

Den Gästen des Dachgartens wird, nachdem sie den Nachbau von Goethes Gartentor aus Holz durchschritten haben, als erstes der Ginkgobaum auffallen. Kein anderer Baum wird so sehr mit Goethe in Verbindung gebracht – in Weimar ist er als Symbol und Souvenir allgegenwärtig. Goethe faszinierte vor allem die Blattform, die er als Sinnbild für Liebe, aber auch Trennung ansah. Literarisch verewigte Goethe den Ginkgo in seinem Gedicht „Ginkgo biloba“, das vor genau 200 Jahren im „West-östlichen Divan“ veröffentlicht wurde. Aber auch seine Italiensehnsucht findet sich im Dachgarten wieder, so stehen Kübel mit duftenden Zitrus- und Feigenbäumen in der Mitte des Areals.

„Unser Ziel war es, bestimmte Motive aufzugreifen und zu vermitteln“, sagt Adam. So spiegelt die rechte Hälfte des Dachs Goethes ersten Garten in Weimar wider, den weitläufigen Park in der Ilm-Aue, auch Haus am Stern genannt. Diesen gestaltete Goethe im Stil eines englischen Landschaftsgartens – kleine Hügel sowie Gehölze sollen die Charakteristika nun andeuten. Hier befindet sich auch ein Spalier, an dem im Sommer Rosen blühen und Weinreben sich emporranken werden, sowie eine Allee von Malven. In seinem Gartenhaus an der Ilm vor den Toren der Stadt blieb Goethe ungestört und schrieb Gedichte. „Das prägte ihn sein ganzes Leben“, erklärt Angelika Schneider von der Klassik Stiftung Weimar. Sie ist Kuratorin des Gartens.

Die linke Dachseite ist Goethes späterem Wohnsitz, dem Haus am Weimarer Frauenplan, nachempfunden. Mitten in der Stadt gelegen, fiel die Fläche deutlich kleiner aus – die Ausmaße des Gartens sind auf dem Kunsthallendach mit weißen Steinen angedeutet. Hier überwiegen Beete, die Platz für botanische Studien boten. Der Garten stellte für den Dichter und Forscher jedoch nicht nur einen Studien- und Rückzugsort dar, sondern war auch ein Nutzgarten. Anschließend an den Cafébereich auf dem Dach erstrecken sich zwei Beete mit Kräutern und Gemüse – unter anderem gedeihen hier die sieben Kräuter für die Frankfurter Grüne Soße. Im Sommer sollen auch Artischocken angebaut werden.

An Goethes Beziehung zu Bonn erinnert ein Asternbeet im hinteren Teil des Areals. 1819 schickte ihm der Bonner Botaniker Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck eine Sammlung mit 50 verschiedenen Astern, die Goethe vor seinem Arbeitszimmer anpflanzen ließ. Im Gegenzug erhielt Nees von Esenbeck für seine Studien in Poppelsdorf Pflanzen aus der Großherzoglichen Sammlung in Weimar.

Der Dachgarten wird drei verschiedene Bepflanzungen zeigen: eine Frühjahrs-, Sommer- und Spätsommerbepflanzung. „Der Garten wird sich immer wieder verwandeln“, verspricht Schneider. Es ist der fünfte Dachgarten, den die Bundeskunsthalle seit 2011 präsentiert. Ab Samstag ist auch die Rutschbahn vom Dach zum Museumsvorplatz wieder geöffnet.

Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch 10 bis 21 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 10 bis 19 Uhr. Eintritt 8,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der Bundeskunsthalle.