Bach-Chor in der Aula der Universität

Edelmetall und Wärme

Bonn. Mit der "Johannes-Passion", der kleineren der beiden von Johann Sebastian Bach erhaltenen Vertonungen des Leidenswegs Jesu Christi, war der Bach-Chor Bonn unter der musikalischen Leitung von Markus Mostert in der Universitätsaula zu Gast.

Mostert, seit dem vergangenen Jahr in der Nachfolge von Horst Meinardus für die künstlerischen Geschicke der teils deutlich verjüngten Hundertschaft dieses Bonner Laienchors verantwortlich, kann auf das von seinem Vorgänger erreichte hohe Niveau verlässlich aufbauen.

Ein wenig problematisch allerdings auch hier das Manko vieler Chöre: die Überzahl an Frauenstimmen im Verhältnis zwei zu eins. Dafür schlagen sich die Herren dieses Chores wacker. Das gilt für die in flüssigem Tempo realisierten, reflektierenden Choräle ebenso wie für die akzentuiert "in Szene" gesetzten Turbae-Chöre.

Intonation wie Artikulation bei alledem sind makellos, die Einsätze der Stimmen auf dem Punkt, der Gesamtklang stets homogen und gut durchhörbar. Auch das Orchester, das Neue Rheinische Kammerorchester Köln musiziert qualitätvoll.

Es ist ein moderner, partiell aber durchaus historisch informiert aufspielender Klangkörper. Besondere Akzente in der Continuo-Gruppe setzte dabei die Theorbe. Das Solisten-Quartett wurde angeführt von Thomas Heyer, dessen Evangelist zwischen heldentenoralem Edelmetall und lyrischer Wärme zu changieren vermochte.

Mitgebracht mit Marina Unruh für den Sopran-Part und Timon Führ als baritonalen Jesus-Bass hatte Heyer zwei seiner Schüler. Christoph Scheeben gab einen markanten Pilatus. Wirklich unter die Haut gehen konnten die beiden Alt-Arien von Johanna Rademacher. Stürmischer Applaus!