Das Ideal des perfekten Körpers

Der Deutsche Beamtenbund verabschiedet sich von Bonn mit einem noblen Geschenk: Zwei Bronzestatuen vor dem Akademische Kunstmuseum

Bonn. Ein wahrhaft nobles Abschiedsgeschenk stiftet der nach Berlin übersiedelnde Deutsche Beamtenbund dem Akademischen Kunstmuseum und damit den Bonner Bürgern. Gleichsam als Verweis auf den Inhalt des schönen klassizistischen Gebäudes, die bedeutende Originalantiken- und die umfangreiche Gipssammlung, ließ der Verband am Montag auf der Hofgartenseite des Museums, also mit Blick auf die Universität, zwei Gussbronzen auf den Sockel heben.

Sie wurden eigens in der Bonner Werkstatt von Friedemann Sander gegossen. Gemeinsam mit dem sachkundigen Metallrestaurator des Rheinischen Landesmuseums, Frank Willer, hat der erfahrene Erzgießer die Art der Patina erprobt. Entschieden haben sich die beiden Experten für die alte Schwefelpulverpatina nach klassischem Rezept. Sie verleiht der Bronze jenen blauschwarzen, mit Braun durchsetzten Schimmer, wie man ihn von den über 2000 Jahre alten Statuen kennt.

Selbstredend stammen die "Modelle" für die Bronzekopien aus dem Akademischen Kunstmuseum. Dabei fiel die Wahl auf Statuen prominenter Bildhauer der hohen Klassik, gewissermaßen als Repräsentanten aus Griechenlands Blüte: die Athena Lemnia des Phidias und den Doryphoros des Polyklet. Schon die griechischen Originale des 5. Jahrhunderts v. Chr. waren in Bronze gegossen, dann aber bereits in der Antike, wohl in Kriegs- oder Notzeiten, eingeschmolzen worden.

Neuzeitliche Repliken - wie die Bonner Gipsexemplare - konnten nach den Marmorkopien geschaffen werden, welche die alten Römer aus Verehrung für die griechische Bildhauerkunst gemeißelt hatten. Der berühmte Archäologe Adolf Furtwängler hat die weibliche Statue als die schon im Altertum gepriesene "lemnische Athena" gedeutet. Attische Kolonisten hatten die Göttin auf die Akropolis geweiht, als sie um 450 v. Chr. die Insel Lemnos friedlich besiedelten. Dieser Datierung entspricht die Stilstufe der Statue.

Sie steht aufrecht auf dem rechten Standbein; das linke Spielbein hat sie zur Seite gesetzt. Das schwere Gewand fällt über den von diesem Standmotiv durchdrungenen Körper. In der linken Hand hält die hier friedfertige Göttin eine Lanze. Ihren schönen Kopf, der in seiner Strenge ihr sonst auch kriegerisches Wesen zum Ausdruck bringt, hat sie dem korinthischen Helm in ihrer rechten Hand sinnend zugewandt.

Ob es bei der Figur des Polyklet um einen sich ausruhenden Krieger in idealer Nacktheit geht, vielleicht um den vor Troia kämpfenden Helden Achill, ist nicht ganz sicher. Immerhin trägt die Gestalt nach ihrem verlorenen Attribut, wohl einer in der linken Hand gehaltenen Lanze, den archäologischen Namen Doryphoros.

Vermutlich lässt sich der Doryphoros mit dem "Kanon des Polyklet" verbinden, in dem der Bildhauer seine Proportionslehre in einen als ideal erachteten Körper umgesetzt hat. Diese konsequente, heute so selbstverständlich anmutende Durchbildung einer Gestalt war um 440 v. Chr. eine wegweisende Leistung für die Bildhauerkunst. Die Übergabe der schon der Antike hoch geschätzten Statuen wird am Dienstag um 11.15 Uhr im Akademischen Kunstmuseum feierlich begangen.