Auftritt im WCCB

Beethoven Orchester spielt launiges Karnevalskonzert

Konzertierte Aktion: (von links) Marlies Stockhorst, Ashok Sridharan, Prinz Dirk II. und Bonna Alexandra III. FOTO: FELIX VON HAGEN

Konzertierte Aktion: (von links) Marlies Stockhorst, Ashok Sridharan, Prinz Dirk II. und Bonna Alexandra III. FOTO: FELIX VON HAGEN

Bonn. Ein buntes Programm: Das Karnevalskonzert mit dem Beethoven Orchester und Dirk Kaftan im WCCB kam beim Publikum gut an.

Der wohl kürzeste Bratscherwitz aller Zeiten geht so: „... übt ein Bratscher ...“ Der Scherz ist gewiss ebenso niederträchtig wie ungerecht. Und auf die Musiker des Beethoven Orchesters (BOB) trifft die Anspielung darauf, dass Bratscher eine etwas lässliche Arbeitsmoral hätten, natürlich überhaupt nicht zu.

Wie um mit diesem Vorurteil aufzuräumen, zogen sie beim Karnevalskonzert des Beethoven Orchesters im WCCB, die Instrumente geschultert, als sieben Zwerge mit roten und grünen Zipfelmützen ein, um dann die Arbeit pflichtbewusst wie die kleinen Vorbilder zu verrichten. Aber man sah auch andere wunderliche Gestalten in den Orchesterreihen, wie Frau Antje an der Flöte oder Pippi Langstrumpf an der Kesselpauke. Und einen Vampir am Dirigentenpult.

Der Bonner Generalmusikdirektor Dirk Kaftan liebt solch volksnahen Auftritte, schon für sein Bonner Debüt als Musikchef hatte er im vergangenen September das Bayernzelt auf Pützchens Markt auserkoren und die Bläck Fööss als musikalische Partner. Jetzt dirigierte er einen bunten Strauß von Melodien, die ihre Wurzeln zwar nicht zwingend im rheinischen Karneval haben mussten, vielmehr für eine gewisse Weltoffenheit standen, aber aufgrund ihres sehr unterhaltsamen Charakters beim größtenteils bunt kostümierten Publikum im ausverkauften Saal des WCCB bestens platziert waren.

Getreu dem Motto der diesjährigen Bonner Session „Loss mer fiere un studiere“, das zugleich 190 Jahre Rosenmontagszug in Bonn und den 200. Geburtstag der Bonner Universität feiert, legten sie los mit Franz von Suppés Ouvertüre zur Operette „Flotte Bursche“, in welcher der Komponist unter anderem das berühmte Studentenlied „Gaudeamus igitur“ zitiert.

Es folgten Musikstücke von dem amerikanischen Marsch-Spezialisten John Philip Sousa, dessen Landsleuten John Williams und Leonard Bernstein, von dem Österreicher Franz Schmidt, dem Böhmen Antonín Dvorak, dem Russen Dmitri Schostakowitsch und einigen mehr. Für den verbindenden Kitt sorgte Conférencier Michael Quast, der ein echter Gewinn für die Veranstaltung ist. Ein Kabarettist und Schauspieler aus Hessen mit großer Neigung zur Musik, der seine launig-humoristische Moderation ganz auf Ort und Anlass der Veranstaltung zugeschnitten hatte. So wusste er von beinahe jedem der gespielten Komponisten und weiteren berühmten Persönlichkeiten, die in seinen Reden eine Rolle spielten, zu erzählen, dass sie an der Universität Bonn studiert hätten.

Selbst der Bonn-Berliner Rutschbahneffekt, „der Ihnen allen schlaflose Nächte bereitet“, kam zur Sprache. In Bernsteins „Slava“, einer „politischen Ouvertüre“ für den Cellisten und Dirigenten Mstislav Rostropowitsch, übernahm Quast sogar die ursprünglich vom Band eingespielte Sprecherpartie – natürlich mit neuem politischen Text. Über den hübschen Reim „Der Schulz hat Außenamtsgelüste und schickt den Gabriel in die Wüste“ witzelte er: „Gestern Abend gedichtet und schon wieder veraltet ...“

Mit der Musik verhält es sich da ein bisschen anders. Ihre Halbwertszeit ist deutlich länger. In Schmidts Zwischenaktmusik zu „Notre Dame“ hörte man den Himmel voller Geigen, In Williams' Suite aus „Harry Potter“ eine wunderbare Fee an der Harfe im Duett mit Fluffy, dem gefährlichen Wachhund (und Kontrafagottisten). Sehr schön auch das durch Jerry Lewis' Pantomime zu Weltruhm gelangte Stück „The Typewriter“ von Leroy Anderson, hier allerdings mit echten Schreibmaschinen, die von Hermann-Josef Tillmann und Peter Hänsch virtuos bedient wurden.

Es gab noch weitere Solisten: Posaunist Oliver Meißner spielte herzerweichend schön „Heimweh noh Kölle“, und Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan durfte in Richard Chiarappas „Boom!“ mal so richtig auf die Pauke hauen. Fest zum Programm gehört natürlich der Auftritt des aus Orchestermitgliedern bestehenden „LudwigsChors“, der sich gut gelaunt und stimmstark mit zwei Liedern des BOB-Oboisten Volker Kriegsmann – „Ludwigsleedche“ und „Loss mer fiere und studiere“ – hören ließ. Nach einem kurzen musikalischen Ausflug in die Hitze Südamerikas mit Zequinha de Abreus „Tico-Tico“ hielten die Bonner Tollitäten Prinz Dirk II. und Bonna Alexandra III. zu dem mit Klängen aus Verdis „Aida“-Triumphmarsch aufgepeppten Höhner-Klassiker „Echte Fründe“ Einzug und verteilten Orden und Bützche. Für Kaftan ist damit Karneval noch nicht erledigt. An Rosenmontag, fährt er mit Prinz und Bonna hoch auf dem Prinzenwagen durch Bonn.