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Arp Museum: Ausstellung des Bildhauers Henry Moore in Rolandseck

Arp Museum : Ausstellung des Bildhauers Henry Moore in Rolandseck

Das Arp Museum Rolandseck zeigt eine sensationelle Schau des Bildhauers Henry Moore mit vielen Großformaten vor dem Bahnhof und im Neubau von Richard Meier.

Schon das Empfangskomitee vor dem Bahnhof Rolandseck hat es in sich. Neun Meter breit spreizt sich Henry Moores schneeweiße Liegende am Rheinufer, halb Figur, halb expressive Landschaft. Ein Stück weiter führt Moores gestrauchelter Krieger „Goslar Warrior“ einen Dialog mit Hans Arps fröhlichem „Tanzgeschmeide“. Die Ouvertüre ist grandios. Und es geht so weiter.

Zum Zehnjährigen hat sich das Arp Museum Rolandseck einen besonderen Gast eingeladen, den britischen Bildhauer Henry Moore (1898-1986), der mit seinen organischen Formen, den skulpturalen Paarungen und einer Formsprache, die Figuratives, Abstraktes und Naturhaftes miteinander verschmelzen lässt, zu den ganz großen Bildhauern des 20. Jahrhunderts zählt. Moore vereinigt das, was die Skulptur der Moderne spannend macht: ein organisches Spiel mit Geste und Form, Oberfläche und Volumen, ein imaginärer Dialog mit Pablo Picasso und Konstantin Brancusi, Jacob Epstein – und auch Hans Arp.

„Henry Moore – Vision. Creation. Obsession“ heißt die sensationelle, gemeinsam mit der Moore- Foundation in Perry Green bei London realisierte Ausstellung: Mit 46 Werken des Briten, darunter etliche Großformate und rund 80 Exponate der Rolandsecker Arp-Sammlung sowie aus der Unicef-Kunstkammer von Gustav Rau gelingt eine begeisternde, exzellent inszenierte Werkschau.

Hinter dem Museum grasen Schafe

Die lebt von delikaten Blickachsen, spannenden Korrespondenzen und vor allem dem Dialog von Moores Kunst mit der Architektur Richard Meiers. So hat es sich der Schöpfer des vor zehn Jahren eröffneten Neubaus damals vorgestellt: Ein Bildhauermuseum, ein lichter Raum, sparsam instrumentiert mit nur wenigen spektakulären Großskulpturen. Und genau das hat Museumschef Oliver Kornhoff mit seinem Team und den Partnern von Perry Green nun umgesetzt. Der zweiteilige große Ausstellungsraum im Meier-Bau beherbergt den Höhepunkt der Schau: Ein Ensemble aus fünf Riesenfiguren, darunter die „Large Standing Figure: Knife Edge“ (1961), die in den späten 70er Jahren schon einmal vor dem Bahnhof Rolandseck stand, die mächtige Skulptur „Oval with Points“ (1968-70) und zwei Liegende. Der Blick hinaus durchs Fenster stoppt bei der monumentalen „Three Piece Sculpture: Vertebrae“ (1968-69). Unweit davon grasen Schafe, die man für die Schau engagiert hat.

Eine Vorgängerin der dreiteiligen Skulptur, die bekleidete Liegende von 1952-53, hatte den Besucher bereits im Tunnel zum Neubau empfangen, zusammen mit Moores erschütternden „Shelter Drawings“, die er unter dem Eindruck der Londoner Bombennächte im Zweiten Weltkrieg in Metrostationen zeichnete. Am Ausgang des Aufzugs, der den Besucher in den Neubau bringt, steht eine nur wenige Zentimeter große Version der „Liegenden“ vor dem Bahnhof auf einem hohen Podest mit Rheinblick: Man sieht nun die „Liegende“ eingebettet ins Siebengebirge.

Ein weiterer Entwicklungsstrang, der von der „Three Piece Sculpture: Vertebrae“ ausgeht, führt direkt ins Herz der Bonner Republik. Bundeskanzler Helmut Schmidt enthüllte 1979 mit Moore dessen „Large Two Forms“ vor dem Bonner Kanzleramt als „Sinnbild deutscher Regierungsgewalt“ – und setzte sich keine 20 Jahre später beim amtierenden Kanzler Gerhard Schröder dafür ein, die sechs Tonnen schwere Bronzeskulptur nach Berlin zu verfrachten. Was eine heftige Debatte auslöste und die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann dazu veranlasste, von „Beutekunst“ zu wettern. Schröder winkte – auch aus Kostengründen – ab. Ein Kabinett in der Schau dokumentiert den Fall „Large Two Forms“ mit schöner Gründlichkeit.

Henry Moore im Dialog mit der Kunstkammer Rau

Äußerst gelungen ist auch die Spurensuche in Moores künstlerischem Koordinatensystem in der Kunstkammer Rau: Da treffen Moores Zeichnungen nach Giovanni Pisano und Giovanni Bellini, nach Gustave Courbet und Pierre-Auguste Renoir auf korrespondierende Werke der italienischen Renaissance und des 19. Jahnhunderts in Frankreich aus der Kunstkammer. Auch Moores Skulptur einer Mutter mit Kind findet eine Entsprechung mit Werken jener Epochen. Ein zauberhafter Nebenschauplatz, der ebenso überzeugt wie der subtil inszenierte Dialog zwischen Moore und Arp im Obergeschoss des Neubaus. Wie viel beide Meister verband und wo sie sich doch fundamental unterschieden, wird hier mit exzellenten Vergleichswerken dokumentiert. Insgesamt eine großartige Schau und ein sensationelles Geschenk zum Zehnjährigen an die Kunstfreunde.