Geburtstag einer Ikone: Adriano Celentano wird 80

Geburtstag einer Ikone : Adriano Celentano wird 80

Sänger, Entertainer, Schauspieler: Adriano Celentano wird 80 Jahre alt. Sein Hit „Azzurro“ wurde zur zweiten Nationalhymne Italiens.

Die Party plätschert so ein bisschen vor sich hin. Marcello Mastroianni tanzt eng umschlungen mit Anita Ekberg zu „Arrivederci Roma“, die Schmusejazzcombo stört nicht weiter, und Lex Barker trinkt mal wieder einen über den Durst. Im Nachtklub „Caracallas“, inmitten der echten Ruinen der (fast) gleichnamigen römischen Thermen, inszenierte Regisseur Federico Fellini in seinem Jahrhundertfilm „La Dolce Vita“ (1960) eine seiner legendären dekadenten Sausen. Im Hintergrund erschallen „Adriano, Adriano!“-Rufe. Die bis dato etwas schwerfällige Party wird jetzt kräftig aufgemischt.

Adriano Celentano, bei den Dreharbeiten im Sommer 1959 gerade einmal 21 Jahre jung, entert wie ein Springteufel die runde Bühne und demonstriert mit seiner Band seine Definition von Italo-Rock'n'Roll – furios und exzessiv. Bald fällt er rücklings von der Bühne; Anita Ekberg, die dralle schwedische Sirene, die sich kurz darauf im Trevi-Brunnen abkühlen wird, hilft ihm wieder auf die Beine. Dann tanzen beide ausgelassen, die Partygesellschaft wirbelt um sie herum. Celentanos Cameo-Auftritt in Fellinis Filmklassiker stellte zugleich das Leinwanddebüt von „Il Molleggiato“ dar, des Federnden, wie er wegen seiner auffallenden Körperlichkeit genannt wurde.

Adriano Celentano wird am 6. Januar 1938 in Mailand geboren, seine Eltern stammen aus dem Süden des italienischen Stiefels. Seine Karriere startet als Capitano des Italo-Rock, bevor er sich zum ungekrönten König des Italo-Schlagers entwickelt. Später intensiviert er die Filmarbeit, und auch im Fernsehen wird der Superstar große Erfolge feiern. Ein interdisziplinärer Nationalheld, dessen Popularität über Jahrzehnte ungebrochen ist.

Er gibt dem Affen Zucker

Das auf den speziell italienischen Humor ausgerichtete Genre des Lustspiels macht Celentano ab 1968 (im selben Jahr schrieb er zusammen mit Paolo Conte „Azzurro“, gewissermaßen die zweite Nationalhymne Italiens) zum Publikumsliebling und Kinokassenmagneten. Dem virilen Zampano, meistens in Rollen mürrischer Einzelgänger, raubeiniger Lebenskünstler und vordergründiger Frauenverächter besetzt, wurden regelmäßig erstklassige Schönheiten aus der zweiten Reihe des europäischen Unterhaltungskinos als Partnerinnen zur Seite gestellt: Corinne Cléry in „Bluff“ (1975), Barbara Bach in „Der Supertyp“ (1977), Eleonora Giorgi in „Hände wie Samt“ (1979) oder Edwige Fenech in „Asso“ (1981). Mit der 17 Jahre jüngeren Ornella Muti bildete Celentano eines der schillerndsten Traumpaare des italienischen Kinos: In „Der gezähmte Widerspenstige“ (1980) verkörperte er einen bärbeißigen Landwirt und in „Gib dem Affen Zucker“ (1981) einen unkonventionellen Busfahrer in Rom.

In jenem Remake der Audrey-Hepburn-Romanze „Ein Herz und eine Krone“ trifft der enervierend coole Busfahrer Barnaba (Celentano) auf die atemberaubend schöne Prinzessin Christina (Ornella Muti) aus dem fiktiven Kleinstaat Saint-Toulipe, die gerade mit ihren Eltern in der Ewigen Stadt weilt. Auftakt für einen wilden, pannenreichen und ausgedehnten Flirt. Auch nach Drehschluss verstanden sich Celentano und Muti so gut, dass der Macho Numero Uno seine Ehefrau, die Schauspielerin und Sängerin Claudia Mori, und die drei gemeinsamen Kinder wegen der Affäre öffentlich um Verzeihung bitten musste.

Der Vegetarier, Hobby-Uhrmacher und Inter-Mailand-Fan Celentano, der mit seinem Clan in einem Nobelanwesen am Comer See residiert, wechselte in den späten 1980er Jahren überaus erfolgreich ins Fernsehen. Und erlaubte sich dort schier Unglaubliches: Als Moderator der Samstagabendshow „Fantastico“ schwieg er minutenlang. Celentano, der Querkopf. Gegen-den-Strom-Schwimmer. In einer anderen Show forderte er das Millionenpublikum auf, den Fernseher für fünf Minuten auszuschalten – der Aufforderung kamen zwei Drittel der Zuschauer nach. 2005 brachte er in seiner Personality-TV-Show den damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi zur Weißglut. Der Mann, der 100 Millionen Tonträger verkauft hat, legte 2016 mit der italienischen Diva Mina ein Comeback hin, eine gemeinsame Platte mit unveröffentlichten Liedern.

Das Geheimnis seines Erfolges? Celentano verkörpert den italienischen Traum des freien Mannes, der sagt, was er denkt, und macht, was er will. Heute wird „Il Molleggiato“ 80 Jahre alt.