Moderator von "Neo Magazin Royale"

So verlief Jan Böhmermanns Auftritt in Köln

Singt auch noch selbst: Multitalent Jan Böhmermann.

Singt auch noch selbst: Multitalent Jan Böhmermann.

Köln. Mit der Revue „Ehrenfeld ist überall“ waren Moderator Jan Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld im Kölner Palladium. Nicht nur Hits aus dem "Neo Magazin Royale" standen auf dem Programm.

Dass er, wie er behauptet, in über 100 Minuten, „mehr Kostümwechsel als Beyoncé oder zumindest Helene Fischer“ bewältigt, lässt sich auf die Schnelle nicht überprüfen. Doch in punkto Vielfalt kann die Bühnengarderobe von Jan Böhmermann allemal mithalten.

Bei seiner satirischen Musik-Revue „Ehrenfeld ist überall“ mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld (RTO) erweist sich der spitzzüngige Moderator, Filmproduzent, Buchautor, Musiker und Journalist als Chamäleon. Er tritt als Gangsta-Rapper, Schlager-Fuzzi oder Freddie-Mercury-Verschnitt auf, letzteres stilecht mit Pilotenbrille, Pornobalken und wallendem Pelzmantel.

Im ausverkauften Palladium präsentieren der 37-Jährige und seine Hausmusiker vom „Neo Magazin Royale“ einen Mix aus Hits der Late-Night-Show und Coversongs wie Disclosure und Flumes „You & Me“ oder Britney Spears’ „Toxic“. Letztere sind, „nur“ mit Orchester, eine echte Offenbarung. Die musikalischen Leiter Lorenz Rhode und Albrecht Schrader beherrschen ihren Job aus dem Effeff.

Böhmermann singt selbst

Da ist „Rainer Wendt“ zwar kein echter Polizist, hat aber karnevalstaugliche Schunkelqualität, ein „BlasserdünnerJunge macht seinen Job“ als Hip-Hopper höllisch gut, feines, knusprig-braunes „Laugengebäck“ bekommt einen fabulös-funkigen Überzug.

Meist singt Böhmermann selbst, gar nicht mal schlecht. Aber Reflexionen über ein primäres weibliches Geschlechtsorgan überlässt er lieber Giulia Becker, und als Spezialist für eine Spezies mit Seuchenpotential kommt nur Florentin Will in Frage. Böhmermann stellt (satirisch) fest „Es gibt keine Nazis in Sachsen“ und lässt Versandsoldaten, weder Mensch noch Tier, sondern Paketkurier, treppauf und treppab marschieren. All das wird wild gefeiert. Zu Recht.

Die „Ehrenfeld ist überall“-Vorab-Konzerte 2018 haben gezeigt, wie gut das funktioniert. Nun treten Böhmermann und das RTO zum Rundumschlag durch die Republik an. Sie wollen „Wunden heilen und Brücken bauen“. Parallel dazu geht der Rechtsstreit ums Erdogan-Schmähgedicht weiter. Und „Böhmi“ und seine Ehrenfelder Top-Musiker sind für den Grimme Preis 2019 in der Rubrik „Spezial“ nominiert. Nicht nur im TV ist das, was sie gemeinsam leisten, etwas Besonderes.