Spirituelle Orte in der Eifel

Mehr als „nur“ Maria Laach

Eifel. Der „Klosterführer Eifel“ versammelt 56 spirituelle Orte zwischen Wenau bei Langerwehe im Norden und Trier im Süden.

„HERR, wer darf weilen in deinem Zelt? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge? Wer untadelig lebt und recht tut und redet die Wahrheit von Herzen; wer mit seiner Zunge nicht verleumdet, wer seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nachbarn nicht schmäht; wer die Verworfenen für nichts achtet, aber ehrt die Gottesfürchtigen; wer seinen Eid hält, auch wenn es ihm schadet; wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen. Wer das tut, wird nimmermehr wanken.“

Einfaches, genügsames Leben, an einsamer, doch gesegneter Stätte; fern vom eitlen Getriebe der Welt, den Geboten Gottes gehorsam und den Verlockungen des Alt Bösen Feindes abhold – was die Bibel in Psalm 15 beschreibt, könnte eine Zusammenfassung der Idee des klösterlichen Lebens sein. Geistliche Gemeinschaften, vereint für ein Dasein im Gebet, der Kontemplation und Arbeit – welche Gegend schiene dazu besser geeignet als das einsame Land zwischen Jülicher Börde und Mosel, zwischen Ardennen und Rhein? Der lesenswerte und inhaltsreiche „Klosterführer Eifel“ zählt auf und zeigt, was Christen in Mittelalter und Neuzeit dort aufbauten.

56 Klöster zwischen Bad Münstereifel und Zell an der Mosel

Bei aller Wertschätzung für Maria Laach: Was dieses Buch dem Leser vorstellt, ist weit mehr als nur die üblichen Verdächtigen. Geographisch geordnet präsentiert es 56 Orte vom Kloster „Sankt Chrysanthus und Daria“ in Bad Münstereifel (gegründet 830, geschlossen 1802) bis zum Kloster Marienburg hoch über der Moselschleife bei Zell-Kaimt (gegründet 1142, endgültig aufgegeben 1797); Exkurse führen dabei auch nach Luxemburg und Belgien. Nicht nur die ausführlichen historischen Aufsätze beeindrucken, sondern auch die schönen Bilder; zudem gibt das Buch touristische Eifel-Hintergrundtipps und ergänzt die Porträts um praktische Hinweise zu Gastronomie, Klosterläden, Veranstaltungen und weiterführende Literatur.

Der Lektüre tut dabei keinen Abbruch, dass die meisten aufgeführten Stätten heute keine Klöster mehr sind. Viele wurden schon zur Zeit der Französischen Revolution und der nachfolgenden Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgelöst. Doch viele sind, so berichtet das Buch, auch ohne Kloster noch geistliches oder gesellschaftliches Zentrum, wurden etwa zu Pfarrkirchen, Schulen, Kultur- oder Exerzitienhäusern oder bleiben Pilgerziel (wie die Wallfahrtskirche des heiligen Willibrord in Echternach, Luxemburg).

Seit 2016 schlossen drei Eifelklöster

Dennoch bleibt die Frage: Werden die Orte des Gebets unweigerlich zu denen des Gedenkens an eine vergangene Epoche – sprich: zu Museen? Auch die Eifel bleibt vom Rückzug des Christentums aus der Gegenwart nicht verschont; so schlossen im Jahr 2016 die Ursulinen ihr Kloster auf dem Calvarienberg bei Ahrweiler, die Zisterzienser 2017 ihres in Himmerod, die Trappisten 2018 ihr Kloster Mariawald bei Heimbach.

Immerhin verrät das Buch: Es gibt Hoffnungsschimmer. Im Jahr 2017 wurde das Kloster Reichenstein bei Monschau, ursprünglich 1802 aufgelöst, als Benediktinerkloster wiedereröffnet. Als die Salvatorianer im April 2018 entschieden, vier Niederlassungen in ihrer deutschen Ordensprovinz aufzugeben, ließen sie das traditionsreiche Eifelkloster Steinfeld bei Kall unangetastet. Und gegen die Auflösung des Karmelitinnenklosters Zweifall bei Stolberg leistet die letzte verbliebene Nonne bis heute Widerstand als „Hausbesetzerin“.

Rein theoretisch ist Weihnachten ein christliches Fest, keines des Konsums. Doch zuweilen lässt sich beides sinnvoll verbinden. Etwa mit diesem Buch. Es ist ein wunderbares Geschenk zur Vorbereitung mancher Eifelreise im neuen Jahr, auf den Spuren der Geschichte, der Kunst, der Spiritualität – und dieses faszinierenden Phänomens „Kloster“, das alle drei vereint.

Barbara und Hans Otzen: Klosterführer Eifel. Ein Lese- und Bilderbuch. cmz, 377 S., 19,95 Euro