Preisverleihung in Bonn

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken bekommt Beethovenpreis

Bonn. In der Bonner Bundeskunsthalle nimmt der BAP-Frontmann den Beethovenpreis der Beethoven Academy entgegen. Er möchte sein Preisgeld für Afrika spenden. Zur Verleihung spielen unter anderem Martha Argerich, Gabriela Montero und der erste Preisträger Aeham Ahmad

Ludwig van Beethoven waren die Ideale der französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – Gesetz. Kein Wunder, dass der Komponist schrecklich wütend wurde, als er die Nachricht erhielt, dass Napoleon sich 1804 selbst zum Kaiser gekrönt habe. „Ist der auch nichts anders wie ein gewöhnlicher Mensch“, soll Beethoven getobt haben, und er prophezeite: „Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten (...), ein Tyrann werden!“

Auch wenn Kölschrocker und BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken musikalisch nichts mit Beethoven am Hut hat („Ich kenn nur die ,big hits'“), ist er doch ohne Zweifel ein politischer Gesinnungsverwandter und als solcher nach dem Dafürhalten der von Andreas Loesch und Torsten Schreiber und ins Leben gerufenen Beethoven Academy ein würdiger Träger des Internationalen Beethovenpreises für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion.

Für den Geehrten war es denn auch eine Selbstverständlichkeit, die 10.000 Euro Preisgeld seinem Projekt „Rebound“ zur Verfügung zu stellen, mit dem er Kindern und Jugendlichen im Kongo hilft, die im Krieg verletzt und traumatisiert wurden. Sein erster Besuch dort, sagte er an dem Abend, „hat mein Leben in eine andere Bahn gebracht“.

Anschließende Gesprächsrunde mit Moderator

Bis Niedecken bei der Preisverleihung am Dienstagabend im Forum der Bundeskunsthalle aber selbst das Wort ergriff, gab es noch eine Fülle musikalischer Beiträge von Künstlern internationalen Ranges. Zu Beginn nahm Gabriela Montero am Flügel Platz und schälte aus improvisierten Akkorden und Figuren virtuos Beethovens Melodie zu Schillers Ode „An die Freude“ heraus. Eine schöne Reverenz an den Homo politicus und den Musiker Beethoven.

Was es heißt, wenn ein Land von einem Tyrannen regiert wird, kennt die Venezolanerin schließlich aus der eigenen Heimat. Das Regime, das sie in einer anschließenden Gesprächsrunde mit Moderator Bamdad Esmaili, dem Musiker und Gergiev-Kritiker Victor Moser und der politisch engagierten armenischen Pianistin Naré Karoyan, als „Mafia“ bezeichnete, muss sie aus dem Exil heraus bekämpfen.

Der als „Pianist aus den Trümmern“ bekannt gewordene Syrer und erste Träger des seit 2015 verliehenen Beethovenpreises, Aeham Ahmad, forderte das Publikum erfolgreich zum Mitsingen auf. Die derzeit in Bonn sehr präsente Martha Argerich betrat gemeinsam mit ihrer Tochter Annie Dutoit die Bühne. Sie spielte mit Hingabe Franz Liszts Melodram „Lenore“ nach August Gottfried Bürgers schauerlich-unheimlicher Ballade, die von ihrer Tochter in der französischen Fassung rezitiert wurde.

Vielseitiges musikalisches Programm

Ein weiteres Melodram, Franz Schuberts „Abschied von der Erde“, trugen Sabine Falter (Rezitation) und Myriam Farid (Klavier) vor. Dazwischen spielten Farid und Luisa Imorde das Allegretto aus Beethovens siebter Sinfonie vierhändig am Klavier, und der Iraner Shanin Najafi sang zur Gitarre. In diese sehr bunte Mischung passte auch Susanne Kessels Beitrag hinein, die am Klavier sehr klangvoll zwei Stücke aus ihrem Projekt „250 piano pieces for Beethoven“ vortrug, nämlich die „Pathétique Variations“ des David-Bowie-Pianisten Mike Garson sowie Claudio Puntins „Left“.

Das Bonner Marcus Schinkel Trio stellte swingend Oscar Petersons „Hymn to Freedom“ zur Diskussion. Kai Schumacher begleitete den Sänger Anthony Alfonso bei Tracy Chapmans „Revolution“ und arbeitete sich solo virtuos an „Killing in the Name“ von Rage Against the Machine ab.

Eine Laudatio gab es nicht, dafür stellte sich Niedecken den Fragen von Maria Hülsmann, die zum Vorstand des kooperierenden Vereins bonn.pop gehört. Er erinnerte sich unter anderem an das friedensbewegte Konzert in den Beueler Rheinwiesen Anfang der 1980er Jahre mit Joseph Beuys und Wolf Maahn und sprach über die Aktion „Arsch huh, Zäng ussenander“, in der sich 1992 diverse Kölsche Mundartbands und -musiker gegen Fremdenhass engagiert hatten. Und für das Beethovenjahr 2020 wünscht er sich eine tiefe Auseinandersetzung mit der afrikanischen Krise: „Wir müssen verstehen, was dort vor sich geht.“

Statt zur Gitarre griff Niedecken am Ende zu einem Zettel, auf den er eine Übersetzung seines Liedes „Absurdistan“ ins Hochdeutsche notiert hatte. Das Schlusswort gehörte aber Beethoven. Als seine Vertreterin am Klavier spielte Luisa Imorde das von Susanne Kessel bereits angedeutete Adagio cantabile aus der Sonate „Pathétique“. Anrührender als mit dieser kleinen Melodie hätte das Finale nicht ausfallen können.